Das Karrierenetzwerk Xing übernimmt das Berliner Start-up Honeypot für einen zweistelligen Millionenbetrag. Gründer und Mitarbeiter bleiben an Bord. 

Es ist die größte Übernahme, die Xing seit seiner Gründung im Jahr 2003 durchgeführt hat. 22 Millionen Euro ist dem Karrierenetzwerk die Berliner Job-Plattform für IT-Fachkräfte wert – hinzu kommen Earn-out-Zahlungen in Höhe von bis zu 35 Millionen Euro innerhalb der nächsten drei Jahre.

Bereits im August des vergangenen Jahres habe man begonnen sich über mögliche Investitionsmöglichkeiten auszutauschen, sagte Honeypot-Co-Gründerin Emma Tracey gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. „Xing hatte Kontakt zu uns aufgenommen, da das Recruiting-Team in der Vergangenheit häufig über unsere Plattform Mitarbeiter für die Firma gesucht hatte.“

Gründer bleiben als Geschäftsführer an Bord

Honeypot bleibt auch nach der Übernahme eine eigenständige Firma. Die beiden Gründer Emma Tracey und Kaya Taner sind weiterhin Geschäftsführer, auch die rund 60 Mitarbeiter in den Büros in Berlin und Amsterdam bleiben an Bord – im Zuge des geplanten Ausbaus des D-A-CH-Geschäfts sowie der Erschließung weiterer internationaler Märkte soll das Team erweitert werden: „ Wir planen in den nächsten drei Jahren in zehn neue Märkte zu expandieren – Paris ist dabei von größtem Interesse für uns”, so Emma Tracey.

Honeypot wurde 2015 von Emma Tracey und Kaya Taner gegründet. Die Job-Plattform dreht die klassische Bewerbungssituation auf den Kopf: Hier ringen Unternehmen um die Gunst der Arbeitnehmer – und nicht wie sonst üblich umgekehrt. Das Start-up übernimmt auch die Beratung der IT-Experten, gibt ihnen unter anderem Tipps für die Erstellung des Lebenslaufs und versorgt sie mit Informationen zum branchenüblichen Lohnniveau.

Xing will auf das Thema ´New Work´ fokussieren

Eigenen Angaben sind aktuell 100.000 IT-Spezalisten auf Honeypot angemeldet, wöchentlich kommen etwa 1.000 neue Fachkräfte dazu. Über 1.500 Unternehmen aus Deutschland und den Niederlanden suchen über die Seite nach neuen Mitarbeitern, darunter Zeiss, Engel & Völkers, Zalando und ProSiebenSat1. Gerade im IT-Bereich suchen Firmen händeringend nach Experten. Der Branchenverband Bitkom spricht von aktuell 82. 000 offenen Stellen.

Der Kauf von Honeypot ist die neunte Übernahme von Xing. Mit Start-ups wie Kununu, HalloFreelancer und Honeypot im Rücken wolle man nicht nur sein Wachstum vorantreiben, sondern sich ganzheitlich auf das Thema “New Work” fokussieren, heißt es. In der zweiten Jahreshälfte will sich Xing dementsprechend in “New Work SE” umbenennen.