Wie viele Kunden 99Chairs heute hat, will das Start-up nicht verraten. Bekannt ist aber, dass es bereits den High-TechGründerfonds als Investor gewinnen konnte. Das Geschäftsmodell von 99Chairs funktioniert über Kommissionen: Wenn die Berliner ein bestimmtes Möbelstück eines bestimmten Händlers anbieten und der Kunde das bestellt, erhält das Start-up einen Anteil. Auch über einen Premium-Service verdient das junge Unternehmen Geld.

„Unser Devise ist, dass jeder unseren Service ausprobieren darf“, sagt Stegert. „Aber wenn es an die intensive Planung geht, wünschen wir uns einen kleinen Vertrauensbeweis.“ Deswegen erhebt das Start-up eine pauschale Servicekaution in Höhe von 169 Euro, wenn der Interieur-Designer anfängt, die Räume des Kunden zu planen. Wenn der Nutzer über einen Warenwert von 500 Euro kommt, erhält er das Geld aber zurück. So erhielten die Kunden den Vortritt, die neue Möbel brauchen und den Service von 99Chairs auch vollends auskosten möchten, so Stegert. Die Versandkosten für die Möbel orientieren sich immer an dem Preis, den der Händler dafür verlangt.

Inzwischen arbeitet 99Chairs an einem Cross-Channel-Ansatz, weil sich immer mehr Kunden wünschen, dass der Designer bei ihnen zu Hause vorbei kommt. Dafür wollen Stegert und Riedelsheimer mit freien Designern in ganz Deutschland zusammenarbeiten, die vor Ort zum Kunden fahren und einen Einrichtungsvorschlag erstellen.

Ein reiner Onlinehändler wird es schwer haben

Jens Rothenstein hält die Verbindung von online und offline für einen richtigen Schritt: Ein reiner Online-Pure-Player, der also nur im Web unterwegs ist, werde es auf dem Möbelmarkt schwer haben, sagt der Experte. Das habe sich auch im E-Commerce gezeigt. Als Beispiel nennt er Zalando und MyMuesli: Der frühere Schuhhändler habe anfangs nur online verkauft, betreibe inzwischen aber auch ein Fashion-Outlet in Berlin. Auch die Frühstücksflocken-Kombinationen von MyMuesli finden sich inzwischen nicht nur auf der Webseite, sondern auch in Supermärkten wie bei Rewe oder Kaiser’s.

In der Nische perfektioniert hat diesen Cross-Channel-Ansatz das 2012 gegründete Unternehmen Kiveda. Das Start-up setzt – ähnlich wie 99Chairs – auf Online-Beratung. Allerdings konzentriert sich der Berliner Betrieb in seinem Sortiment auf Küchen. Diese können nicht nur online geordert werden, Kiveda kümmert sich auch um die Installation. Für den Anfang braucht der Kunde dafür ein paar Bilder von der Küche und einen Grundriss. Aufbauend auf diesen Angaben erstellt ein Küchenplaner ein 3D-Modell, das dem Kunden per Videokonferenz vorgestellt wird. Wenn dem Nutzer nicht gefällt, wo der Kühlschrank steht oder wie der Türgriff aussieht, kann dies noch während der Konferenz geändert werden. Wenn der Kunde am Ende bestellt, wird die Küche nach zehn bis 14 Tagen nicht nur geliefert, sondern von einem Kiveda-Team vor Ort installiert.