Dass es Start-ups in der Möbelbranche schwer haben, liegt auch an ihrem Alter: Anders als ein bekannter Markenname wie Ikea muss ein junges Unternehmen den Kunden erst einmal überzeugen. „Ein junges Unternehmen muss zunächst Vertrauen aufbauen“, sagt Rothenstein. Dafür müsse es beispielsweise bessere Verfügbarkeit, eine einfachere Nutzung oder niedrige bis keine Versandkosten anbieten. Auch das kostet wieder.

Doch auch wenn junge Start-ups den schwedischen Konzern nicht gleich vom Möbelthron stoßen werden, können sie eine Zukunft haben: „Eine Nischenstrategie mit Fokussierung auf spezielle Produkte kann funktionieren. Der Onlineshop kann dann durch seine spezielle Ausrichtung besser sein als ein Vollsortiment-Anbieter“, sagt Rothenstein.

Eine Idee für die Nach-dem-Studium-Zeit

Ein Beispiel dafür, wie so eine Nische aussehen kann, ist das Start-up 99Chairs. Das 2014 gegründete Unternehmen setzt auf individuelle Möbelberatung und will sich als eine Art Outfittery in der Einrichtungsindustrie etablieren: Der Kunde kann sich bei 99Chairs ein Designkonzept für seine Wohnung erstellen lassen und die Möbel dann über den Onlinehändler bestellen. Frank Stegert, Mitgründer des Start-ups, erklärt es so: „Wenn man keine Lust hat, sich 2000 Schränke anzugucken und die 2000 Preise dazu zu vergleichen, kommt man zu uns.“

Das Team von 99Chairs. (Quelle: PR/99Chairs)

Das Team von 99Chairs.
(Quelle: PR/99Chairs)

Die Idee für das Start-up kam dem früheren Metro- und Nespresso-Mitarbeiter, als er einen Freund in Frankfurt besuchte. Obwohl dieser gemeinsam mit seiner Freundin schon seit ein paar Monaten in seiner dortigen Wohnung lebte, war sie fast unmöbliert. Als Stegert seinen Freund darauf ansprach, sagte dieser, er habe einfach keine Zeit gehabt, sich um die Einrichtung zu kümmern. Er wollte dieses Mal mehr als den 08/15-Ikea-Stil. „Ich erkannte mich daran wieder“, sagt Stegert heute. „Im Studium bin ich auch einfach zu Ikea gegangen. Aber danach wollte ich höherwertigere Möbel und wusste nicht, woher ich sie bekommen soll.“

Bei einem Brunch erzählte er Julian Riedelsheimer, einem Freund und Wirtschaftsinformatiker, von dem Problem. Gemeinsam kamen sie auf die Idee, eine Webseite zu basteln, die das Einrichten für den Kunden gewissermaßen übernimmt. Das Grundkonzept von 99Chairs war geboren. „Wir haben eine super einfache Webseite gebaut und geguckt, ob unser Konzept auf Interesse stößt“, sagt Stegert. Und das tat es.