Zwei Start-ups sind in die Schlagzeilen geraten: Goodgame sperrt sich gegen die Gründung eines Betriebsrates und Home24 entlässt Mitarbeiter.Bei Rocket Internet geht es künftig auch um Profitabilität: Es war nur ein Halbsatz, in der Pressemitteilung zu den Quartalszahlen zwischen Juli und September. „Unsere Proven Winners setzen ihren starken Wachstumskurs fort“, lässt sich Oliver Samwer zitieren, „während sie kontinuierlich ihre Profitabilität verbessern.“ Ein Halbsatz mit Signalwirkung, nahezu eine Zeitenwende. Dazu passt auch die Meldung, dass bei Home24 35 von insgesamt 1200 Mitarbeitern gehen müssen. Der Ikea-Herausforderer hat 2014 Erlöse von gerade einmal 160 Millionen Euro verzeichnet. Diese Zahlen sind im laufenden Jahr noch gestiegen, der Verlust liegt allerdings bei 56,2 Millionen Euro. Künftig will sich das Start-up aus dem Hause Rocket Internet verstärkt auf Eigenmarken konzentrieren. Nach Unternehmensangaben waren die nun entlassenen Mitarbeiter im Einkauf und im Marketing beschäftigt. Mit den Entlassungen soll die Profitabilität steigen.

Aber es ist nicht das einzige Start-up aus dem Hause Rocket für das es nicht rund läuft: Helpling muss pausieren – zumindest in Österreich. In einer offiziellen Mitteilung des Berliner Putzportal heißt es, dass sich dass Start-up künftig auf die Kernmärkte konzentrieren möchte. Es gibt weiter viele ungelöste Herausforderungen auf dem Markt für haushaltsnahe Dienstleistungen: Schwarzmarkt, mangelnder Zugang zu Dienstleistern, Intransparenz“, begründet ein Helpling-Sprecher die Pause. Erst im Juli hatte Helpling seinen britischen Konkurrenten Hassle übernommen. Dafür sollen de Berliner 32 Millionen Euro hingeblättert werden.

Gute Nachrichten gab es in dieser Woche vor allem für die beiden Brüder von Math42: Nach dem es in der Höhle der Löwen nicht geklappt hatte, investiert nun die Familie Klett, die hinter dem gleichnamigen Bildungsverlag steht. Michael Klett und sein Sohn David investieren einen sechsstelligen Betrag in Math42. Das ist nicht ganz so hoch wie das Investment, das die Nitsches in der „Höhle der Löwen“ gefordert haben. Damals verlangten sie zwei Millionen Euro. Auch wenn die Summe etwas niedriger liegt, sehen sich die Brüder nun für ihr weiteres Wachstum gerüstet. Die Finanzierung ermögliche es, „weltweit und über alle Plattformen hinweg zu expandieren“, heißt es in einer Mitteilung. Maxim und Raphael Nitsche haben ihre App noch zu Schulzeiten entwickelt. Mit Math42 können Schüler komplizierte Gleichungen lösen. Nach Angaben der Gründer verwenden die iOS-App mittlerweile 1,6 Millionen Nutzer auf dem gesamten Globus.

Frisches Geld gab für den Software-Anbieter Signavio aus Berlin – und das in einer beachtlichen Summe: 31 Millionen Euro bekam das Start-up von dem Investment-Unternehmen Summit Partners aus Boston.Damit soll die internationale Präsenz ausgebaut und das Wachstum gesteigert werden. Signavio gehört zu den sogenannten Hidden Champions und außerhalb der Szene fast unbekannt, hat es mittlerweile fast 100 Mitglieder und weltweit über 750 Kunden. Das Unternehmen verfügt über eine Software, die Prozessabläufe und die Verarbeitung von Informationen erleichtert. Sie kann auch Entscheidungen vorgeben beziehungsweise anbieten.

28 Mitarbeitern hatte Goodgame im November gleichzeitig gekündigt. Gerüchten zufolge sollen sich alle für die Wahl eines Betriebsrates engagiert haben, wie das Hamburger Abendblatt berichtet. Momentan sieht es danach aus, als ob der Spieleentwickler die Gründung eines Betriebsrates verhindern will – und das durchaus mit Erfolg. In einer Ansprache hat die Geschäftsführung nach  Informationen der Zeitung ihre Mitarbeiter darauf einzuschwören versucht, sich gegen eine Arbeitnehmervertretung zu stellen. Zudem wurde eine Einladung zur Betriebsversammlung, die Voraussetzung für die Wahl eines Betriebsrates ist, nicht weitergeleitet. Dabei ist es gesetzlich vorgegeben, dass ein Unternehmen, Bedingungen für die Gründung eines Betriebsrates schaffen muss. Obwohl die Firma sich erfolgreich etabliert hat, sollen die Mitarbeiter vor der Einführung des Mindestlohns unter Tarif bezahlt worden sein.