Das Start-up verspricht Besitzern von Eigentumswohnungen kontinuierliche Einnahmen ohne Aufwand – und vermietet die Objekte selbst weiter.

Als Thilo Konzok durch ein Erbe zum Immobilienbesitzer wurde, war er zunächst überfordert: Wie sollte er die Wohnung in Süddeutschland von Berlin aus vermieten? Wie könnte er Besichtigungstermine oder später Reparaturen koordinieren? In seinem Fall, sagt Konzok seien Verwandte eingesprungen, die sich um alles kümmerten. „Mir ist aber klar geworden, welch immensen Aufwand Kleinvermieter haben.“ Aus dem Gedanken heraus entstand im April 2016 Home HT: Das Start-up, so die Vision von Konzok und seinem Mitgründer Moritz von Hase, sollte Vermietern so viel Arbeit wie möglich abnehmen.

Begonnen hat das Berliner Start-up mit einer App, die Vermieter beispielsweise über den Eingang von Mietzahlungen informiert. Nach und nach kamen weitere Features hinzu. Doch noch immer mussten sich die Kunden um vieles selbst kümmern. Die beiden Gründer beschlossen, eine neue Richtung einzuschlagen. Seit knapp anderthalb Jahren mietet das Start-up nun Wohnungen der Eigentümer selbst an, vermietet diese dann weiter – und kümmert sich um sämtliche Vermarktungs-, Verwaltungs- und Reparaturarbeiten.

Finanzieren kann das Start-up seine Dienste, weil es die Wohnungen teurer ver- als anmietet. Obwohl die Eigentümer auf drei bis neun Prozent der Kaltmiete verzichten, sollen sie sparen. „Unterm Strich sind wir günstiger als die Kombination von Makler und Hausverwaltung“, verspricht Konzok. Noch wichtiger für die Kunden sei aber das Wissen, sich um nichts kümmern zu müssen – und dennoch konstante Einnahmen zu erzielen. Auch wenn die Wohnung zwischenzeitlich leer stehen sollte, zahlt das Start-up weiter.

Expansion in weitere Städte geplant

Profitieren sollen indes auch die Mieter von Home: Sie erreichen etwa bei Problemen schnell einen Ansprechpartner. Die Mietpreise sollen sich in einem marktüblichen Rahmen bewegen. Vorgesehen sind zudem keine Kurzzeitvermietungen oder Möblierungen. Damit unterscheidet sich das Angebot deutlich von dem vieler anderer Start-ups wie Homelike oder Spotahome.

Das Konzept scheint aufzugehen: Außer in Berlin ist das Start-up auch in München und Hamburg aktiv. Zu den Kundenzahlen hält sich Konzok bedeckt. Er gibt lediglich an, dass 1.100 Vermieter monatlich ein Angebot von Home anfordern. „In vielen Fällen kommen die Anfragen aber aus Städten, in denen wir noch nicht aktiv sind“, sagt er. Das soll sich nun ändern: Bis zum Jahresende will Home in sieben weitere deutsche Städte sowie eine Großstadt im Ausland expandieren.

Investoren buchen sich mit 14 Millionen Euro ein

Für die Pläne hat das Start-up gerade frisches Kapital aufgenommen: Elf Millionen Euro kamen bei der Finanzierungsrunde zusammen. Geldgeber sind der in Berlin und Köln ansässige Frühpaseninvestor Capnamic Ventures, EQT Ventures mit Hauptsitz in Luxemburg,  Redalpine aus Zürich sowie FJ Labs aus New York. Die Gesamtfinanzierung des Start-ups, an dem auch die zu Viessmann gehörende VC-Firma Vito One und der Business Angel Tim Schumacher beteiligt sind, erhört sich damit auf über 14 Millionen Euro.

Investieren wollen die Gründer vor allem in das Personal. Geplant sei es, das derzeit 25-köpfige Team bis Ende des Jahres zu verdoppeln, so Konzok. Gefragt seien in erster Linie Data Scientists. Der Grund: Das Start-up verlässt sich bei der Mietpreisermittlung stark auf die Auswertung von Marktdaten. Zudem will Home den Vermittlungsprozess beschleunigen – mittels smarter Türschlösser, die sich per App öffnen lassen. Damit sollen potenzielle Mieter sich für Besichtigungen Zugang zu der Wohnung verschaffen.

Digitale Türschlösser

Ein weiterer Vorteil der Technik, die laut Konzok in einem Teil der von Home vermieteten Wohnungen bereits getestet wird: Auch Handwerker können in die Wohnung gelassen werden, ohne dass jemand vor Ort ist. Das Start-up will das etwa nutzen, um Techniker von Telekommunikations-Anbietern hereinzulassen. So soll der Mieter schon beim Einzug ein funktionierendes WLAN-Netz haben. Auch um den Stromvertrag kümmert sich Home. „Als Großkunde erhalten wir gute Konditionen, von denen Mieter profitieren“, sagt Konzok.

Im kommenden halben Jahr will Home eine App für Mieter veröffentlichen. Darin geht es einerseits um die digitalen Türschlösser. Wer sich für eine Wohnung interessiert, soll darüber zudem mittels Konto-Abfrage seine Bonität prüfen lassen können – laut Konzok das einzig relevante Kriterium bei der Wohnungsvergabe. Ausgebaut werden soll auch die App für die Eigentümer, mit der sich weiterhin auf eigene Faust vermiete Wohnungen verwalten lassen. „Für uns ist die App ein wichtiger Marketing-Kanal“, sagt der Gründer.

Eine Alternative für Eigentümer bietet Zenhomes an: Das Berliner Start-up mietet zwar keine Wohnungen selbst an, übernimmt mit seinem Portal Vermietet.de aber ebenfalls Makler- und Verwaltungsaufgaben. Statt Mieteinnahmen abzutreten, zahlen die Immobilienbesitzer für einzelne Aktionen wie die Generierung eines Mietvertrags. Im Zuge seiner letzten Finanzierungsrunde im Sommer hatte das Start-up angekündigt, auch Mieter auf die Plattform zu holen – diese sollen beispielsweise per App Schäden melden oder ihre Nebenkostenrechnung einsehen.