Das Start-up ist auf Rundumbilder für die Dokumentation von Baufortschritten spezialisiert – und will nun seinen Gründungsstandort in Aachen stärken.

Die Ergebnisse erinnern an Google Streetview – doch statt öffentlicher Straßenzüge lassen sich Gebäude erkunden: Die Software HoloBuilder ist dazu gedacht, Baustellen mit Rundum-Bildern zu dokumentieren. Wie bei Googles Kartendienst werden die Fotos nahtlos zusammengefügt, so dass man sich im Webbrowser virtuell hindurchnavigieren kann. Erstellt werden die Aufnahmen mit einer 360-Grad-Kamera.

Hinter der Software steckt ein Start-up aus San Francisco, das seine Wurzeln aber in Deutschland hat: Gegründet vor fünf Jahren unter dem Namen Bitstars, zog es das Spin-Off der RWTH Aachen 2016 im Zuge des German-Accelerator-Programms in die USA, wo die neue Muttergesellschaft HoloBuilder entstand. Mit neuen Investoren aus Deutschland will das Unternehmen nun seinen weiterhin bestehenden Aachener Standort ausbauen.

In einer Finanzierungsrunde haben sich die NRW-Bank, der Berliner Proptech-Investor Foundamental und der Energiekonzern Eon am Start-up beteiligt. Zur Höhe des Investments wollte sich HoloBuilder auf Nachfrage nicht äußern. Bestehende Gesellschafter sind der in San Francisco ansässige Proptech-Investor Brick and Mortar Ventures sowie der kalifornische Frühphaseninvestor Tandem Capital. Auch sie waren nach Angaben des Start-ups an der Finanzierungsrunde beteiligt.

Großes Kundenbasis in den USA

Neu-Investor Eon gibt an, die Software des Start-ups künftig beim Bau von Umspannwerken, Schaltanlagen und großen Quartiersprojekten einsetzen zu wollen. Getestet worden sei HoloBuilder bereits bei den Tochterfirmen Edis und Avacon. In den USA zählen nach Angaben des Start-ups bereits 59 der größten 100 Generalunternehmen zu den Kunden.

Die Bauindustrie dort sei bereits früh offen für neue Lösungen gewesen, erklärt CEO Mostafa Akbari-Hochberg, der Holobuilder zusammen mit Simon Heinen und Kristina Tenhaft gegründet hatte. Er warnt aber vor überzogenen Erwartungen an Technologieanbieter: „Oft will man in Europa die Super-KI mit einem Roboter heute kaufen, ohne alle notwendigen Schritte zu durchlaufen“, so der Gründer. „Als Erstes muss man Daten haben und die Bereitschaft mit den Anbietern von Lösungen zusammenzuarbeiten, um die richtigen Werkzeuge zu entwickeln.“

Ein Fundament dafür will HoloBuilder selbst sein: Die 360-Grad-Aufnahmen bieten zum einen den Vorteil, dass sie virtuelle Baubegehungen ermöglichen – und sich sogar Abstände aus der Ferne messen lassen. Zum anderen kann der Baufortschritt dokumentiert werden: Sind Aufnahmen aus der Vergangenheit vorhanden, können die Nutzer sich auf „Zeitreise“ begeben. Das Start-up verspricht, mittels Künstlicher Intelligenz (KI) sogar automatisierte Berichte zum Baufortschritt zu erstellen.

Großes Investoreninteresse an Proptechs

Mit dem frischen Kapital will das Start-up nun das Wachstum ankurbeln – vor allem in den USA und Europa. „Hierfür wollen wir sehr gute Vertrieblerinnen und Vertriebler einstellen“, kündigt Akbari-Hochberg gegenüber WirtschaftsWoche Gründer an. Derzeit beschäftigte das Unternehmen mehr als 50 Mitarbeiter in den USA und Deutschland, die technologische Entwicklung finde hauptsächlich in Aachen statt. Weitere Mitarbeiter sitzen demnach in Kanada und Südamerika.

In Deutschland haben sogenannte Proptechs – technologiegetriebene Start-ups mit einem Fokus auf die Immobilienbranche derzeit Hochkonjunktur. Das lässt sich etwa an Investitionssummen ablesen: Über 160 Millionen Euro haben Wagniskapitalgeber alleine im vergangenen Jahr in Proptechs aus Deutschland, Österreich und der Schweiz investiert.