Passend zur Wiesn-Zeit trat gestern das Start-up Wundersam in der „Höhle der Löwen“ auf. Dass er mit seinen lederlosen Lederhosen kein Investment erhielt, findet Gründer Herbert Bachler gar nicht so schlimm.

Mit lederlosen Lederhosen wie dem „Alpenjogger“ und dem „Haxenkraxler“ wollte Herbert Bachler am Dienstagabend die fünf Investoren in der „Höhle der Löwen“ überzeugen. Mit dem Termin der Ausstrahlung – während des Oktoberfests – hätte es der Gründer nicht viel besser treffen können. Doch obwohl Lencke Steiner das Design gefiel und auch Vural Öger die Hose an ihr „sehr sexy“ fand, wollte keiner der Investoren die 20 Prozent der Geschäftsanteile für 150.000 Euro nehmen. Mit einem Preis von 298 Euro für eine lederlose Lederhose und Produktionskosten von 100 Euro stimmte zwar die Marge, allerdings hatte Bachler bis zur Aufzeichnung der Sendung gerade einmal 120 Stück in zwei Monaten verkauft.

Frank Thelen sprach von einer „lustigen Idee“, die aber eine Nische in einem Nischenmarkt sei; Jochen Schweizer glaubte nicht, mit Wundersam Geld verdienen zu können. Dass das Produkt trotzdem auf Interesse stößt, zeigte die Webseite des österreichischen Start-ups am Abend: Der Shop war während der Sendezeit teils nicht erreichbar.

Im Interview mit WirtschaftsWoche Gründer erzählt der Gründer Herbert Bachler, warum er trotz der Kritik der „Löwen“ an Wundersam glaubt, weshalb normale Lederhosen ihn ekeln und wie für ihn der passende Investor aussieht.

WirtschaftsWoche Gründer: Herr Bachler, Sie haben bei der „Höhle der Löwen“ gestern Abend kein Investment bekommen. Wie haben Sie die Sendung persönlich erlebt?
Herbert Bachler: Das war eine sehr interessante Erfahrung. Ich habe das Treffen mit den „Löwen“ vom Niveau her sehr genossen.

„Die „Löwen“ investieren nur in Masse“

Obwohl es kein Geld gab?
Mir war klar, dass die „Löwen“ in Geschäftsmodelle nur investieren, die sich wirklich schnell rechnen und auf Masse ausgelegt sind. Wundersam ist von der Philosophie so ausgelegt, langsam mit Partnern zu kooperieren und so längerfristig Geld zu machen, weil wir nicht in die Masse gehen, sondern Menschen erreichen wollen, die besondere und nachhaltige „Lebensbekleidung“ und keine Wegwerfklamotten kaufen. Wenn nicht der Profit im Vordergrund steht, dauert es eben erwas länger und da braucht man Geduld. Sonst wäre unser Geschäft ja auch nicht nachhaltig.

Das heißt, Sie haben gar nicht mit einem Investment gerechnet?
Gerechnet habe ich damit nicht, nein. Wir waren ja erst drei oder vier Monate alt, als die Sendung aufgezeichnet wurde, und konnten noch keine Zahlen vorlegen.

Warum haben Sie sich dann für die „Höhle der Löwen“ beworben?
Die Sendung ist eine Art Eintrittskarte für die Akquise neuer Kunden. Und wir hoffen, dass über das Format auch ein paar Menschen, vielleicht auch Investoren, auf uns aufmerksam werden. Aber wir brauchen nicht die ganze Welt, wir sind zufrieden, wenn wir jedes Jahr ein paar Kunden mehr haben.

Sie haben also noch keinen anderen Investor gefunden?
Nein. Wenn jemand Interesse und Geduld hätte und sich auch der Nachhaltigkeit verschreiben würde, dann können wir uns das gut vorstellen. Aber er muss auch brennen für das Ganze, da geht es nicht nur ums Geld. Wenn man wirklich langfristig zusammenarbeiten will, geht das am besten langsam und dafür nachhaltig.

Wie finanzieren Sie sich denn derzeit?
Ich habe ja schon seit 25 Jahren ein Unternehmen in der Energietechnologie. Wundersam finanzieren wir daraus. Wir haben einen Jahresplan für die nächsten zwei bis drei Jahre und setzen auf langsames Wachstum. Das ist zwar altmodisch, aber ich hoffe, dass das bald wieder modisch wird.

„Ich habe mich immer vor Lederhosen geekelt“

Nun erleben die meisten Start-ups nach der Ausstrahlung der „Höhle der Löwen“ einen Boom. Wie haben Sie sich auf den Ansturm vorbereitet?
Bei der Bekleidung ist es ja sehr schwer, nachhaltig und schnell Nachschub zu bekommen. Aber wir haben schon einigen Lieferanten Bescheid gegeben, die nun auf Abruf bereit stehen. Ein paar Wochen dauert die Lieferung aber trotzdem.

Wie kommt man eigentlich auf die Idee, lederlose Lederhosen anzubieten?
Ich bin auf einem Bergbauernhof aufgewachsen, habe immer Lederhosen getragen. Aber mir sind Tierschutz, Heimatverbundenheit und Nachhaltigkeit sehr wichtig. Und heute ist es nun mal so, dass viele Lederhosen gar nicht mehr aus Bayern oder Österreich stammen, sondern irgendwo in Asien unter nicht bekannten Umständen gefertigt werden. Das wollte ich ändern.

Was war dann der Auslöser, der Sie dazu gebracht hat, die Wundersam-Lederhosen zu entwickeln?
Es hat viele Auslöser gegeben. Ich habe mich immer vor Lederhosen geekelt, weil du darin schwitzt, die Hose aber nicht waschen darfst. Das finde ich nicht hygienisch. Mit Moleskin habe ich dann einen Stoff gefunden, den ich nicht nur waschen konnte, sondern der auch etwas beweglicher war als herkömmliches Leder.

Nun haben Sie gesagt, Nachhaltigkeit sei Ihnen sehr wichtig. Wie können Sie denn sicher gehen, dass Ihre Stoffe auch nachhaltig sind?
Wir beziehen einen Großteil der Stoffe von der Firma Lebenskleidung aus Berlin. Sie produziert nicht nur nachhaltig, sondern auch fair. Das Siegel GOTS, eines der strengsten im Bio-Bereich, bestätigt uns das.

Herr Bachler, vielen Dank für das Gespräch.