In der Sendung am Dienstagabend wollte Vural Öger bei Coffee Bags investieren. Warum es dazu am Ende nicht kam, erzählen die Gründer im Interview.

Für Beata und Chris Bahr hätte es am Dienstagabend in der „Höhle der Löwen“ nicht viel besser laufen können: Die beiden Gründer des Kaffee-Start-ups Coffee Bags, das frisch gerösteten Kaffee in kleinen Filtern verkauft, bekamen viel positives Feedback zu ihrem Geschäftsmodell. Frank Thelen bezeichnete es als „gute Idee“, Jochen Schweizer als „guten Gedanken“ und Vural Öger sagte: „Mir gefällt das Produkt.“

Beata und Chris Bahr beim Kaffeebrühen. (Foto: PR/Coffee Bags)

Beata und Chris Bahr beim Kaffeebrühen.
(Foto: PR/Coffee Bags)

Am Ende bekam das Ehepaar Bahr sogar ein Investment in Höhe von 150.000 Euro für 33 Prozent der Firmenanteile von Vural Öger zugesagt. Geld, das die beiden Coffee-Bags-Gründer dringend benötigen, um auch größere Aufträge annehmen zu können.

Doch die Verhandlungen nach der Sendung scheiterten – die Bahrs suchen nun weiter nach geeigneten Geldgebern. Im Interview erzählen Beata und Chris Bahr, was ein Investment mit einer Ehe gemein hat und wie es nun für sie weitergeht.

WirtschaftsWoche Gründer: Frau Bahr, Herr Bahr, wie haben Sie Ihren Auftritt in der „Höhle der Löwen“ empfunden?
Beata Bahr: Die Sendung wurde zwar schon im April aufgezeichnet, aber sie ist uns sehr gut in Erinnerung geblieben. Wir hatten uns in letzter Minute beworben und das Casting ging sehr schnell.
Chris Bahr: Dadurch hatten wir nur zehn Tage Vorbereitungszeit. Dafür haben wir uns aber – glaube ich – ganz gut geschlagen.

„Vural Öger war begeistert von unserem Kaffee“

Sie haben in der Sendung Ihr Unternehmen Coffee Bags vorgestellt und auch Kaffee für die Investoren gebrüht. Wie schätzen Sie die Reaktionen der „Löwen“ rückblickend ein?
Beata Bahr: Die „Löwen“ schauen ja immer auf unterschiedliche Aspekte: Jochen Schweizer sagte, dass sich nur die großen Kaffeeunternehmern durchsetzen werden. Judith Williams outete sich als Teetrinkerin und Frank Thelen sagte, er mag Maschinenkaffee. Sie wollten alle nicht investieren. Trotzdem haben alle unser Produkt gelobt.

Anders Vural Öger: Er hat Ihnen das Investment von 150.000 Euro zugesagt.
Chris Bahr: Ja, er war sehr begeistert von unserem Kaffee.

Wie ist es nach der Sendung weitergegangen? Ist das Investment zustande gekommen?
Beata Bahr: Leider nicht. Vural Öger hat zwar in der Sendung selbst zugesagt, aber letztlich nicht investiert.

Woran sind die Verhandlungen gescheitert?
Beata Bahr: Wissen Sie, mit einem Investor ist es wie mit einer Ehe oder einer Beziehung: Man bindet sich langfristig. Nach der Sendung haben wir uns mit Vural Öger getroffen und die Einzelheiten diskutiert. Er hatte einfach andere Vorstellungen als wir. Wir waren uns in vielen Punkten nicht einig. Daraufhin haben wir uns gemeinsam entschieden, dass wir das Investment lieber nicht eingehen.

„Wir brauchen das Geld jetzt umso mehr“

Brauchen Sie das Geld nicht trotzdem?
Chris Bahr: Jetzt umso mehr. Nach der Ausstrahlung ist unser Server abgestürzt, obwohl wir seine Kapazität deutlich erhöht haben. So unheimlich groß ist der Ansturm. Wir bekommen Bestellungen im Minutentakt und der Strom reißt nicht ab. Um die Aufträge schnell zu bewältigen, benötigen wir dringend eine Maschine.

Welche Summe stellen Sie sich vor? Dieselbe wie in der „Höhle der Löwen“, also 150.000 Euro?
Beata Bahr: Ein größeres Investment ist sowohl für uns als auch für den Investor sinnvoller.

Wie machen Sie mit Coffee Bags jetzt weiter?
Chris Bahr: Zunächst einmal werden wir den riesigen Ansturm an Bestellungen abarbeiten. Wir bekamen auch schon ein paar Investorenanfragen.
Beata Bahr: Wir haben richtig viel zu tun!

Nach der Sendung laufen bei vielen Start-ups die Bestellungen über. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?
Chris Bahr: Wir haben einen kleinen Bestand gestern und vorgestern vorbereitet, den wir direkt verschicken können.
Beata Bahr: Aber es sind keine riesigen Mengen. Unser Kaffee soll ja immer frisch geröstet sein und ein Röstdatum haben. Das ist unser Konzept. Darum konnten wir uns nicht schon seit April auf die Ausstrahlung der Sendung vorbereiten.

„Kaffee hat doppel so viel Aroma wie Wein“

Wie sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen, Coffee Bags zu entwickeln?
Chris Bahr: Das ist eine lange Geschichte. Wir waren viel unterwegs in Südostasien und sind über Japan auf ähnliche Produkte aufmerksam geworden, bei denen man den Kaffee durch einen kleiner Filter brüht.
Beata Bahr: Als wir zurück nach Deutschland kamen, wünschten wir uns fürs Büro ebenfalls frisch gerösteten und frisch aufgebrühten Kaffee, aber es gab kein vergleichbares Produkt, nur maschinell gepressten Kaffee, der überwiegend industriell geröstet war. Das Röstdatum, als Qualitätsmerkmal, wurde sehr selten genannt. Mit dem Konzept der Frische – Kaffee ist ja ein Frischeprodukt, was allzu oft vergessen wird – gehören wir zur Dritten Welle…

…also zu Kaffeeliebhabern, die nachhaltig und bewusst genießen wollen…
Beata Bahr: …und wollen das Aroma wieder erlebbar machen. Kaffee hat doppelt so viel Aroma wie Wein. Das muss man schmecken.

Frau Bahr, Herr Bahr, vielen Dank für das Gespräch.