Das Berliner Start-up entwickelt ein digitales Frühwarnsystem für Depressionen. Jetzt greift die Schön-Klinik zu – und bauen eine Plattform für psychische Gesundheit auf. Ein kommendes Gesetz könnte das Geschäft befördern. 

Fällt es dir schwer, Entscheidungen zu treffen? Hast du in der letzten Nacht schlecht geschlafen? Wie ist deine Stimmung? Mehrfach am Tag fragt die App Moodpath die Gefühlslage des Nutzers ab. So soll digital ein Bild über die psychische Gesundheit entstehen und Hinweise auf mögliche depressive Verstimmungen geben. Nach zwei Wochen gibt die App einen Hinweis, wie es um die Gesundheit bestellt ist, empfiehlt weitere Schritte – und erstellt bei Bedarf auch direkt einen Arztbrief.

Knapp 1,9 Millionen Mal wurde die App bereits weltweit heruntergeladen – eine niedrige sechsstellige Anzahl von Menschen nutzt sie nach Start-up-Angaben regelmäßig. Jetzt gehen die Gründer den nächsten Schritt: Ihr Start-up Aurora Health hinter der Moodpath-App, in das unter anderem auch der auf Gesundheit spezialisierte Company Builder Heartbeat Labs investiert war, wechselt den Besitzer.

Klinikgruppe kauft das Digital-Start-up

Für einen unbekannten Betrag übernimmt jetzt die Schön-Klinik das Start-up. Die familiengeführte Gruppe mit Sitz am Chiemsee betreibt in Deutschland und Großbritannien 26 Standorte. Nach eigenen Angaben behandeln dort pro Jahr rund 10.000 Mitarbeiter etwa 300.000 Patienten, der Umsatz 2017 lag laut Bundesanzeiger bei knapp 700 Millionen Euro. Die Gruppe kooperiert schon seit der Gründung von Moodpath mit dem Start-up.

Die Verbindungen sind also bereits eng – und die Ambitionen des Käufers sind groß: Die Transaktion unterstütze „das Kerngeschäft der ambulanten und stationären Versorgung und bietet gleichzeitig unternehmerisch ganz neue Chancen“, lässt sich Klinik-Vorstand Christopher Schön in einer Pressemitteilung zitieren. Die Klinikgruppe will das Digitalgeschäft stärken: Dazu soll Moodpath enger mit der eigenen Gründung Minddoc verbunden werden.

Hin zur Tech-Plattform für sämtliche Störungen

Die 2017 ausgegründete Anwendung vermittelt unter anderem Videosprechstunden mit Psychotherapeuten. Das schließt sich an das Angebot von Moodpath an, das sich auf sogenannte medizinisch unbegleitete Nutzer fokussiert. „Gemeinsam können wir Menschen über verschiedene Behandlungsstufen hinweg begleiten“, sagt Moodpath-Mitgründer Felix Frauendorf. Das gesamte etwa 15-köpfige Team bleibt an Bord.

In den kommenden Jahren solle so gemeinsam perspektivisch eine „Technologie-Plattform für sämtliche Störungsbilder entstehen“, sagt Schön. Unter welchem Namen das Angebot am Ende laufen wird, ist noch nicht geklärt. Die Moodpath-Gründer gehen jedoch davon aus, dass ihre App auch langfristig noch existieren wird. Etwa 90 Prozent der Downloads stammen außerhalb von Deutschland, insbesondere aus den USA. Die neue Plattform wird sich dagegen vor allem auf den Heimatmarkt fokussieren.

Mehr Umsätze durch ein neues Gesetz

Hierzulande könnten durch die Politik auch neue Geschäftschancen entstehen. Das von Gesundheitsminister Jens Spahn initiierte Digitale Versorgungs-Gesetz sieht vor, dass auch medizinische Apps zukünftig von Krankenkassen bezahlt werden könnten. Zahlreiche Start-ups aus dem Medizinbereich hoffen auf die zusätzlichen Umsätze, die durch eine App oder Telemedizin-Behandlung auf Rezept möglich wären.

Moodpath könnte nach Einschätzung der Gründer durchaus davon profitieren – in den USA gibt es bereits ein kostenpflichtiges Angebot der App mit erweiterten Funktionen. In Deutschland arbeitet das Team aktuell daran, die bereits zertifizierte App in eine höhere Risikoklasse einstufen zu lassen. Das wäre nach den derzeitigen Gesetzesplänen die Bedingung, um unter die Erstattung zu fallen. „Das wird sicher nicht im nächsten Jahr monetär durch die Decke gehen, aber es ist für uns ein wichtiger Schritt“, sagt Mitgründer Mark Goering.