Das Berliner Start-up gewinnt mit der DAT ein wichtiges Branchenunternehmen als Investor – und hofft auf neue Kooperationen mit Herstellern.

Mit zunehmend leistungsstärkeren Mikro-Computern, Hunderten Sensoren und einer permanenten Internetverbindung gelten moderne Autos als „rollende Smartphones“. Doch gibt es bisher erst wenig Apps, die von dem Datenstrom der Fahrzeuge profieren würden. Ein Grund: „Die Schnittstellen der Hersteller sind nicht standardisiert und die Zugänge zum Teil sehr umständlich“, sagt Risto Vahtra, Chef von High Mobility.

Das 2013 gegründete Berliner Start-up, das auch einen Sitz in Tallin hat, will die Hürden deutlich senken. Dazu baut das Unternehmen eine technische Plattform auf, über die Entwickler ihre Software in einem Rutsch für Fahrzeuge verschiedener Hersteller entwickeln können. Als neutrale Zwischeninstanz will High Mobility zudem dafür sorgen tragen, dass Daten von Autobesitzern besonders gut geschützt sind.

Die High-Mobility-Gründer Risto Vahtra und Kevin Vadek hatten vorher gemeinsam in Schweden eine Agentur aufgebaut, die im Auftrag von Automobil-Unternehmen Konzepte für Mobilgeräte umgesetzt hat. „Uns ist klar geworden, dass vernetzte Autos das nächste große Feld für Softwareentwickler sein würden“, sagt Vahtra. „Die Backends damals waren aber kaum zufriedenstellend.“

Kooperation mit Daimler und BMW

Von ihrer Alternative hat das Duo inzwischen mehrere Autobauer überzeugt: Entwickler können über die Schnittstellen des Start-ups bereits für Fahrzeuge der Marken BMW, Mercedes und Mini entwickeln. Ein wichtiger Anwendungsfall sind Versicherungen, deren Tarife sich nach gefahrenen Kilometern richten. Auch Apps rund um das Laden von Elektrofahrzeugen sind ein wachsendes Feld. Weiterhin können Daten aus vernetzten Fahrzeugen beispielsweise für Carsharing-Anwendungen oder zu Wartungszwecken genutzt werden.

Aktuell unterstützt High Mobility laut Vahtra 300 Datenpunkte, von denen seitens der Hersteller bisher 50 freigegeben wurden. Komfortabel für Entwickler: Auf der Plattform gibt es einen „Car Emulator“ mit virtuellen Abbildern real existierender Auto-Modelle. So lässt sich im Webbrowser beobachten, wie sich verschiedene Programmier-Befehle auswirken. Für die Nutzung der Schnittstellen erhebt das Start-up monatliche Gebühren, die sich nach der Anzahl der Fahrzeuge richtet.

Verbindungen zu Porsche

Die große Herausforderung für das Start-up: Wirklich attraktiv ist die Plattform erst, wenn sich noch mehr Autohersteller anschließen – und auch andere Unternehmen wollen sich als Mittler zu Entwicklern positionieren. „Wir werden in den kommenden Wochen weitere Kooperationen bekanntgeben“, verspricht der Gründer. Enge Verbindungen gibt es bereits zu Porsche: Für den Sportwagenhersteller organisiert High Mobility schon länger Entwickler-Wettbewerbe.

Das Start-up hat zudem nun mit der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) einen neuen Investor aus der Branche gewonnen. Die erhebt verschiedenste Marktdaten, bereitet diese auf und stellt sie Branchenunternehmen zur Verfügung. Gesellschafter sind der Verband der Automobilindustrie (VDA), der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) und dem Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Entsprechend versteht sich das Unternehmen als neutraler Vermittler zwischen heimischen Autobauern, Importeuren, Händlern und Werkstätten.

Millionenschwere Kapitalspritze

Dieser Ansatz passe perfekt zu dem von High Mobility, sagt Vahtra. Das Start-up habe sich bewusst dagegen entschieden, einen einzelnen Autohersteller in den Gesellschafterkreis aufzunehmen. Neben DAT haben sich in der aktuellen, mehrere Millionen Euro schweren Finanzierungsrunde auch der Private-Equity-Investor Fabian von Kuehnheim sowie die IBB Beteiligungsgesellschaft beteiligt. Die Bestandsinvestoren waren Mitte 2018 bei High Mobility eingestiegen.

Von der DAT erhofft sich Vahtra Unterstützung bei der Vernetzung in der Branche. Auch der Investor verspricht sich neue Impulse: Man wolle mit der von „High-Mobility geschaffenen technischen Basis für alle Beteiligten zukünftig Mehrwerte aus den von Fahrzeugen bereitgesellten Daten zu schaffen“, teilte DAT-Geschäftsführer Thilo Wagner mit. Das Unternehmen hatte sich bereits zuvor an zwei Start-ups beteiligt – genauer am Werkstatt-Marktplatz Fairgarage sowie Onrex, einem Entwickler von Software für Kfz-Sachverständige.