Warum ist gerade Deutschland für Sie interessant?
Deutschland ist nach wie vor eines der wichtigsten Länder in der Branche – hier sitzen nicht nur viele große Autobauer, sondern auch Zulieferer und eben aufstrebende Start-ups. In keinem anderen Land arbeiten im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung so viele Menschen in der Automobilindustrie. Hinzu kommt: Ich bin davon überzeugt, dass Mobilität in den USA anders aussehen wird als in China oder in Europa. Es ist deswegen wichtig, sich Expertise aus verschiedenen Regionen aufzubauen.

Wieso sollte Mobilität in Europa anders funktionieren als in den USA?
US-Städte wie Los Angeles sind früh aufs Auto ausgerichtet worden. Ganz anders ist das in Europa, wo oft mittelalterliche Stadtkerne das Bild prägen. Das bedeutet zunächst einmal, dass die Autos in Europa eher eine Nummer kleiner ausfallen als in den USA oder in China. Aber auch die Frage, wie man mit Staus und Abgasen umgeht, wird auf den Kontinenten sehr unterschiedlich diskutiert.

Die Autobranche ist traditionell stark hierarchisch geprägt: Oben stehen die Autobauer, dann kommen die Zulieferer und deren Zulieferer. Haben Start-ups in dem Gefüge überhaupt Platz?
Tatsächlich hatten junge Start-ups in der Vergangenheit kaum eine Chance in der Branche. Die Entwicklungszyklen der Autobauer waren vier bis fünf Jahre lang. Unternehmen, die Teil der Lieferkette werden wollten, mussten sehr lange darauf hinarbeiten. Aber das hat sich radikal gewandelt. Die Innovationszyklen der Branche sind viel kürzer geworden.

Warum?
Der Hauptgrund ist: Es geht nicht mehr nur um Hardware, sondern zunehmend um Software. Die Hürden für Start-ups sind in diesem Bereich viel niedriger. Egal ob autonomes Fahren, digitales Marketing oder Apps: Schon eine Handvoll Entwickler kann hier große Innovationen auf den Weg bringen. Und die Automobilriesen können es nicht mehr erlauben, sich abzuschotten und fünf Jahre lang über eine Idee nachzudenken.

Die „Hardware“ bei Elektroautos gilt als wesentlich weniger komplex als bei Verbrennungsmotoren. Was bedeutet das für die Branche?
In der Tat stellt der elektrische Antrieb die Branche auf den Kopf. Der Verbrennungsmotor wurde als wichtiger Teil von Automarken wahrgenommen, entsprechend hoch waren hier die Investitionen. Der Elektromotor kann im Prinzip einfach bei Zulieferern eingekauft werden – er ist immer sauber, schnell und leise. Zum Unterscheidungsmerkmal der Automarken werden mehr und mehr das Design, die User Interfaces und der Komfort.

Immer mehr Start-ups – darunter auch Ihr eigenes Unternehmen – versuchen sich als Autobauer. Welche Chancen haben sie gegen die etablierten Konzerne?
Die Bereitschaft, einen Neuwagen bei innovativen Newcomern zu kaufen, wächst. Die Erwartungen der Kunden haben sich stark geändert. Es geht nicht mehr so sehr um PS-Zahlen, sondern um Vernetzung. Vor 20 Jahren war das wichtigste Gerät, das Freiheit versprochen hat, das Auto. Heute ist es das Smartphone.

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