Rockets Putzportal Helpling musste seine Expansion zuletzt zurückfahren. Nun stellt das Start-up seine Technik um, das soll die Qualität erhöhen und die Prozesse optimieren.

Selten erhöhen Start-ups ihre Mitarbeiterzahl schlagartig von 100 auf 600. Doch genau das hat Book a Tiger gerade getan. Die Versechsfachung ist Folge eines radikalen Kurswechsels, denn der Putzkräftevermittler hat seine vorher selbstständig tätigen Reinigungskräfte auf einen Schlag fest angestellt. Book a Tiger verabschiedet sich damit vom so beliebten Plattformmodell á la Uber. „Ziel des Kurswechsels ist eine massive Qualitäts-, Wert- und Servicesteigerung für Kunden und Angestellte“, begründete Chef und Gründer Nikita Fahrenholz.

Seit zwei Jahren sind neue Putzportale wie Book a Tiger und Helpling massiv auf den Markt gedrängt und wollen eine moderne Alternative zur verbreiteten Schwarzarbeit bieten. Allerdings gibt es immer wieder Kritik an den rechtlichen Rahmenbedingungen, der Qualität oder wegen kurzfristiger Absagen. „Die Ergeb­nisse sind ernüchternd“, urteilte beispielsweise „Stiftung Warentest“.

Helpling bleibt hingegen bei der bisherigen Strategie und weitet diese sogar noch aus. „Wir glauben an das Plattformmodell und wollen keine Reinigungsfirma werden“, sagt Firmenchef Benedikt Franke.

Das Portal aus dem Hause Rocket Internet will nun mit einem anderen Schritt die Qualität steigern. Ab heute wird die technische Plattform im Hintergrund umgestellt: Dadurch können Kunden vorher die Profile der Reinigungskräfte, sowie deren Bewertungen sehen und diese gezielter auswählen.

Dabei greift Helpling auf die Technologie des britischen Wettbewerbers Hassle zurück, den das Start-up im Vorjahr für 32 Millionen Euro übernommen hatte. Die bessere Software der Briten sei beim Kauf Teil des Kalküls gewesen, sagt Franke. Mit der Umstellung soll es weitere Optimierungen geben, so werden die Auftragsorte bei der Vergabe stärker berücksichtigt, das soll Wege verkürzen und so die Auslastung verbessern. „Wir stärken den direkten Kontakt zwischen Haushalten und Dienstleistern“, sagt Franke. So könnten beide besser gemeinsam kommunizieren und beispielsweise Termine verschieben.

“Die Dienstleister sind stärker in der Lage, sich selbst zu organisieren”, sagt Franke. Das könnte dem  Unternehmen auch helfen, falls die Debatte über Arbeitsverhältnisse in der On-Demand-Economy aus den USA auf Deutschland übergreift. Dort laufen seit einiger Zeit verschiedene Klagen von Uber-Fahrern, die eine Festanstellung verlangen. Auch des US-Putzportal Homejoy war damit konfrontiert und hat seinen Dienst inzwischen eingestellt – auch wegen der Rechtsstreitigkeiten.

“Es wird keine Kürzungen beim Personal geben”

Für Franke ist dieses Thema jedoch derzeit ein Randaspekt, ihm geht es vor allem darum, die eigenen Abläufe zu optimieren. So soll weniger Kommunikation über die Zentrale ablaufen. Betriebswirtschaftlich werden damit unsere Prozesse deutlich schlanker“, sagt Franke. Mehr Effizienz scheint auch nötig, denn nach dem rasanten Wachstum zu Start hatte Helpling die Expansion zuletzt gestoppt. So hat sich das Unternehmen Ende 2015 aus Österreich, Spanien, Schweden, Brasilien und Kanada zurückgezogen. Zudem wurden 20 Prozent der etwa 360 Mitarbeiter entlassen. Die jetzige Änderung soll jedoch keine Stellenstreichungen zur Folge haben. „Es wird dadurch keine Kürzungen beim Personal geben“, verspricht Franke.

Helpling ist weiterhin in neun Ländern aktiv. In den europäischen Kernmärkten wie Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden hat das Unternehmen 50 000 aktive Kunden und vermittelt mehr als 100 000 Reinigungen pro Monat.