Start-ups könnten zukünftig ein großer Wachstumsmotor für das Land sein. 50.000 neue Arbeitsplätze sollen entstehen.

Die vergangene Woche war insgesamt ein bisschen ruhiger, aber wahrscheinlich auch nur, um auf das auch für Gründer nicht unwichtige Oktoberfesr vorzubereiten. Die deutsche und internationale Start-up-Szene trifft sich ab Sonntag zur „Bits & Pretzels“ in München. Ab Sonntag gibt es die Start-up-Veranstaltung bei uns im Livestream. Schon beeindruckend, wie aus einem regionalen Weißwurstfrühstück ein internationales Event wurde.

Auch wenn die Start-up-Szene im Süden Deutschland noch nicht so stark ist wie in Berlin – es gibt immer mehr Start-ups, die sich bewusst für diese Region entscheiden: In der Höhle der Löwen waren am Dienstag gleich drei Start-ups aus Bayern oder Baden-Württemberg, darunter Lendstar, die auch zu den Nominierten im Finale unseres Neumacher-Gründerwettbewerbs zählen. Mit der App können Nutzer Geld überweisen, um etwa Geld für ein Geschenk zu sammeln oder Freunde und Bekannte sich untereinander Geld leihen. Bei der Höhle der Löwen lobte Seriengründer Frank Thelen: „Mit FinTech sitzt ihr auf einem ganz heißen Thema. Ihr habt den Zeitgeist getroffen.” Am Ende investierte er nicht, wohl aber Jochen Schweizer. Er stieg mit 6,14 Prozent ein.

Weniger erfolgreich waren die Gründer von Wundersam und ihren lederlosen Lederhosen mit lustigen Namen wie „Alpenjogger“ und „Haxenkraxler“. Doch obwohl Lencke Steiner das Design gefiel und auch Vural Öger die Hose an ihr „sehr sexy“ fand, wollte keiner der Geldgeber die 20 Prozent der Geschäftsanteile für 150.000 Euro nehmen. Mit einem Preis von 298 Euro für eine lederlose Lederhose und Produktionskosten von 100 Euro stimmte zwar die Marge, allerdings hatte Bachler bis zur Aufzeichnung der Sendung gerade einmal 120 Stück in zwei Monaten verkauft. Aber Wundersam ist optimistisch, dass es auch ohne „Löwen“ geht.

Hellofresh hat in dieser Woche seine Umsätze veröffentlicht – und es sieht gut aus für das Start-up aus dem Hause Rocket Internet. Die Erlöse sind nach Unternehmensangaben im ersten Halbjahr um 408 Prozent auf 112,5 Millionen Euro gestiegen. Die Zahl der Abonnenten sei von 173.000 Ende 2014 auf nunmehr 420.000 gewachsen.

Und auch für ein weiteres Start-up aus dem Lebensmittelbereich läuft es gut: Kukimi, das Diät-Fertiggerichte liefert, sammelt eine siebenstellige Summe, unter anderem vom High-Tech-Gründerfonds, ein. Das Geld soll in die Expansion, die Produktentwicklung und andere Marketingmaßnahmen investiert werden. Das Start-up wurde 2014 von Laurent Kaestli, Daniel Verst und Laura Kroth gegründet. Lieferdienste scheinen ein Trend zu bleiben.

Eine siebenstellige Summe gab es auch für das Online-Umzugsunternehmen Movinga. In das Berliner Start-up investierte der Global Founders Capital, an dem auch zwei der Samwer-Brüder beteiligt sind. Mit dem Geld will Movinga nach Italien, Belgien, die Niederlande, Luxemburg und nach Skandinavien expandieren. Schon jetzt hält das Start-up nach eigener Aussage die Marktführerschaft in fünf Ländern.

Insgesamt blicken die deutschen Start-ups positiv in die Zukunft: Sie wollen im nächsten Jahr knapp 50.000 neue Stellen schaffen. In den kommenden zwölf Monaten plant ein Unternehmen im Mittel mit acht neuen Mitarbeitern. In Berlin wollen die Start-ups durchschnittlich sogar zwölf neue Jobs kreieren. Das geht aus dem „Deutschen Start-up Monitor 2015“ hervor, der am Dienstag vorgestellt wurde. „Wir gehen davon aus, dass das noch eine konservative Rechnung ist“, sagt Florian Nöll, Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Start-ups, der die Studie mitinitiiert hat. Das sind auch gute Aussichten für die deutsche Wirtschaft.