Der Fonds soll sich auf digitale Gesundheitsanwendungen konzentrieren. Beteiligt sind auch zwei Firmenschmieden, die das Management übernehmen.

Mit insgesamt 100 Millionen Euro wollen private Krankenversicherungs-Unternehmen in Deutschland Start-ups beim Wachstum helfen. Wie der Branchenverband PKV heute mitteilte, soll sich der neue Fonds Heal Capital explizit auf Gründungen im Bereich „Digital Health“ konzentrieren – dazu zählen etwa Telemedizin-Anwendungen, Apps für die Prävention oder Vermittlungsplattformen für das Gesundheitswesen.

Hinter dem Fonds, der seinen Sitz in Berlin hat, steht eine ungewöhnliche Partnerschaft: Der Verband der Privaten Krankenversicherung hat sich für das Management mit Heartbeat Labs und Flying Health zusammengetan. Die beiden Firmenschmieden, die jeweils selbst eine einstellige Millionensumme bei Heal Capital einbringen, werden die Geschäfte gemeinsam führen, wie Heartbeat-Labs-Mitgründer Eckhardt Weber auf Anfrage von WirtschaftsGründer bestätigte.

Für beide Unternehmen ist die Verwaltung eines Investmentfonds Neuland. Bei Heartbeat Labs lag der Fokus bisher auf eigenen Gründungen wie dem Online-Beratungsdienst Kinderheldin. Flying Health versteht sich heute vor allem als Inkubator, der Start-ups mit Partnerunternehmen zusammenbringt – Kooperationen gibt es unter anderem mit dem Versicherer Axa, dem Medizintechnikersteller Siemens Healthineers und dem Pharmakonzern Pfizer. „Für das Fonds-Geschäft erweitern wir derzeit unser Team um Investmentexperten“, sagte Weber.

Tickets ab drei Millionen Euro

Der Grund für die Neugründung: „Während es etwa im Medizintechnik- oder im Biotech-Bereich viele spezialisierte Wagniskapitalfonds gibt, ist das Themenfeld ‚Digital Health‘ in Deutschland bisher kaum besetzt“, so Weber. Und anders als etwa Heartbeat Labs soll der Fonds nicht in sehr frühen Phasen in Start-ups investieren, sondern erst ab sogenannten Series-A-Finanzierungsrunden. Die Gründer haben zu diesem Zeitpunkt in der Regel schon bewiesen, dass ihr Geschäftsmodell funktioniert. Beteiligen werde man sich mit Investmentsummen ab drei Millionen Euro.

Profitieren sollen Gründer außer vom Kapital vor allem durch den einfachen Zugang zu potenziellen Partnern oder Kunden. Dem PKV-Verband gehören 49 Unternehmen an, bei denen 36 Millionen Menschen versichert sind. Von den digitalen Lösungen der Start-ups sollen möglichst aber auch rein gesetzlich Versicherte profitieren können. „Die Themen sollen den ganzen Markt adressieren“, sagte Weber.

Beteiligte Unternehmen noch unbekannt

Noch unbekannt ist indes, welche Versicherungsunternehmen sich an dem neuen Fonds beteiligen – und wie hoch die bisherigen Investmentzusagen sind. Eine Reihe der Unternehmen investieren bereits auf eigene Faust in Digital-Health Start-ups. Die Signal Iduna beispielsweise hatte sich kürzlich an der Behandlungsplattform Medbelle beteiligt.

Das Bandbreite der Themen, die junge Unternehmen auf dem Gesundheitsmarkt bearbeiten, ist groß. Besonders rasant wächst das Angebot bei Telemedizin-Diensten, seit viele Ärztekammern das Fernbehandlungsverbot gelockert haben und Krankenkassen zunehmend die Kosten übernehmen. Aber auch bei anderen Angeboten steigt die Bereitschaft der etablierten Player, mit Start-ups zu kooperieren. Auch das Bundesgesundheitsministerium treibt eine Öffnung des Marktes voran – und bekommt dafür vom Digitalverband Bitkom viel Lob.