Das Unternehmen plant ein europäisches Netz von Vakuumröhren für Hochgeschwindigkeitszüge in Europa. Noch ist aber viel Forschungsarbeit nötig.

Mit über 1000 Stundenkilometern durch Vakuumröhren von Metropole zu Metropole: Vor sechs Jahren hat Tesla- und SpaceX-Gründer Elon Musk seine Vision von sogenannten Hyperloops vorgestellt – und ein regelrechtes Rennen um die Entwicklung der Hochgeschwindigkeitszüge entfacht. Überall auf der Welt tüfteln derzeit Wissenschaftler daran, passende Röhren und Fahrzeuge zu entwickeln, die eines Tages Kurzstreckenflüge überflüssig machen könnten.

Besonders hervorgetan hat sich dabei ein Team von Studenten der Technischen Universität Delft. Anfang 2017 haben sie mit einem funktionsfähigen Miniaturmodell einer fahrenden Passagierkabine die von Musk initiierte „SpaceX Hyperloop Pod Competition“ gewonnen und sich im Finale gegen 21 andere Teams durchgesetzt. Teamchef Tim Houter hat daraufhin zusammen mit Mars Geuze und Sascha Lamme Hardt Hyperloop gegründet – ein Start-up, das die Technologie nun zur Marktreife bringen soll.

Nun haben die Gründer einen prominenten Investor aus Deutschland gefunden: Frank Thelen – einer breiten Öffentlichkeit bekannt als Juror in der Vox-Show „Die Höhle der Löwen“ – hat sich mit seinem Wagniskapitalfonds Freigeist an Hardt Hyperloop beteiligt. Hauptinvestor der mehrere Millionen Euro schweren Finanzierungsrunde war Koolen Industries, eine Firma des ehemaligen Booking.com-Chefs Kees Koolen.

Untypisches Investment für Thelen

Für Thelen ist das Investment ungewöhnlich, wie er in einer Mitteilung herausstellt: Normalweise beteilige sich Freigeist in einer sehr frühen Phase an Start-ups und unterstütze die Gründer beim Aufbau des Unternehmens. Hardt Hyperloop konnte dagegen schon eine ganze Reihe von Investoren gewinnen – darunter den niederländischen Baukonzern BAM, die niederländische Bahn und InnoEnergy, ein vom Europäischen Institut für Innovation und Technologie unterstütztes Unternehmen. „Trotzdem wollten wir investieren, da wir an das Team und Produkt wirtschaftlich und ökologisch glauben“, so Thelen.

Erklärtes Ziel von Firmengründer Houter ist es, bis 2028 eine erste kommerzielle Hyperloop-Strecke zu betreiben. Davon ist das Start-up indes noch weit entfernt. Derzeit planen die Gründer erst einmal eine drei Kilometer lange Teststrecke, auf der die Magnetschwebetechnik in hoher Geschwindigkeit erprobt werden soll. Bislang gibt es auf dem Campus der TU Delft erst eine 30 Meter lange Test-Röhre. Als Besonderheit hebt das Start-up hervor, dass es bereits eine Art Weiche entwickelt hat – die Fahrzeuge sollen auch bei hohen Geschwindigkeiten die Spur wechseln können.

Partnerschaften mit Konzernen

Hardt ist nicht das einzige Unternehmen, dass die an neuen Hochgeschwindigkeitszügen arbeitet. Zu den finanzstärksten Konkurrenten gehört Virgin Hyperloop One aus Los Angeles – rund 400 Millionen Dollar Wagniskapital hat das Unternehmen seit der Gründung 2014 eingesammelt. Ebenfalls in Kalifornien ansässig ist Hyperloop Transportation Technologies (HTT). Das US-Start-up hatte vor knapp einem zusammen HHLA, der Betreibergesellschaft des Hamburger Hafens, ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet. Und in Frankreich wird gerade das kanadische Start-up TransPod aktiv.

Noch nicht als Unternehmer, aber zumindest als Technologieentwickler mischen auch Studenten der TU München mit. Das Team hat im Juli zum vierten Mal in Folge bei der SpaceX Hyperloop Pod Competition einen Geschwindkeitsrekord aufgestellt: Die in München entwickelte Kabinenkapsel erreichte bei dem Wettbewerb in der Spitze 467 Stundenkilometer. Die Uni plant nun den Bau einer 400 Meter langen Teststrecke.

Um im Wettbewerb zu bestehen, setzt Hardt Hyperloop auf Partnerschaften. Dem Konsortium, das die Technologie gemeinsam weiterentwickeln und Standards erarbeiten will, gehören unter anderem der Autozulieferer Continental, die Deutsche Bahn und der Stahlhersteller Tata Steel an. „So verhindern wir, das Rad neu erfinden zu müssen und unser Partner-Netzwerk profitiert davon, Teil dieser Revolution zu werden”, erklärt Hardt-CEO Houter.