Von diesem Interesse profitiert auch das 2013 gegründete Berliner Start-up Makerist, das sich selbst „Handarbeitsschule im Internet“ nennt. Auf der Homepage findet man Videos, die den Nutzern im Detail erklären, wie sie Loop-Schals und Ledertaschen, Strickjacken und Beanie-Mützen selber machen können „99 Prozent unserer Kundinnen sind Frauen, die meisten Mitte 20 bis Mitte 40, aber auch über 70 Jahre alte Nutzerinnen sind dabei “, sagt Gründer Axel Heinz.

Es sind Frauen, die keine Zeit finden, sich an feste Termine von Nähschule und Stricktreffs zu halten oder keine Möglichkeit haben, weil es solche Angebote in ihrem Heimatort nicht gibt. Die Videos werden einmalig bezahlt – die Kosten liegen im Schnitt zwischen 20 und 40 Euro – und können immer wieder angeschaut werden.

Erklärvideos von Experten

Seit neuestem bietet Makerist die Videos auch zur Offlinenutzung an, zum Anschauen im Zug oder im Urlaub – das hatten sich die Nutzerinnen gewünscht. Auch der persönliche Kontakt ist den Kundinnen wichtig. „Wer Probleme oder Fragen hat, kann darum unsere Kursleiter anschreiben. Diese antworten in der Regel innerhalb von 48 Stunden“, sagt Axel Heinz. Handarbeit sei eben auch immer Kommunikation, anderen zu zeigen, was man gestrickt, gehäkelt oder genäht habe, gehöre einfach dazu. Und so tauschen sich in der zu Makerist gehörigen Facebookgruppe regelmäßig 80.000 Nutzer aus. „Manche der Nutzer besuchen uns auch in unseren Studios, weil sie sehen wollen, wie wir die Kurse drehen.“ Zwei bis drei Tage dauert die Produktion eines solchen Videos, gearbeitet wird mit zwei bis drei Kameras und einem Team von rund acht Personen, darunter Ton –und Kameraleute, Regisseur und Maskenbildner. Bis zu 10.000 Euro lässt sich Makerist solch eine Videoherstellung kosten.

„Ein lohnender Markt für Investoren“

Der Einsatz scheint sich zu lohnen. Bislang hat Makerist 74 solcher Kurse gedreht, im kommenden Jahr sollen hundert neue entstehen. „Wir sind dieses Jahr stark gewachsen, 45.000 Kunden hatten wir bisher, 2016 sollen es 150.000 werden“, sagt Axel Heinz. Zudem ist eine Ausweitung auf andere europäische Märkte geplant.

Und auch Investoren zeigten Interesse an der Geschäftsidee. Nach dem High-Tech-Gründerfonds investierte zuletzt der südbadische OZ-Verlag, der mehrere Do It Yourself-Magazine herausgibt, in das Start-up. „Handarbeit wird immer beliebter, auch bei Jüngeren und sogar bei Männern!“, sagt Axel Heinz, „Innovativen Unternehmen eröffnen sich in dieser Branche hervorragende  Wachstumschancen.“