Eine Stadtrundfahrt durch Hamburg – eigentlich nichts Besonderes. Außer man fährt mit dem Hafencity Riverbus, der neuesten Attraktion der Hansestadt. 

Von Julia Nikschick

Fast jeder Hamburger Tourist besucht die drei gleichen Punkte in der Stadt: Jungfernstieg, Landungsbrücken und natürlich die historische Speicherstadt. Wer Alternativen zum Erlaufen der Hansestadt sucht, wird schnell fündig, zu Land und zu Wasser. Seit April 2016 bietet die Hafencity Riverbus GmbH eine in Deutschland bisher noch einzigartige Stadtkreuzfahrt an – mit einem Amphibienfahrzeug.

Kaum verwunderlich das Passanten fragen, Bus oder Boot, wenn sie vor dem Fahrzeug stehen, auf dem in großen Lettern Hafencity Riverbus prangt. Beides, antworten Fred Franken und Jan Peter Mahlstedt dann strahlend.

Vor vier Jahren zeigte Franken seinem Freund Mahlstedt ein YouTube-Video. Zu sehen war ein Bus, welcher durch die Straßen von Singapur fuhr und schließlich weiter ins Wasser, wo es schwamm wie ein gewöhnliches Boot. Fiete, wie Jan Peter Mahlstedt nur von allen genannt wird, war von Frankens Idee, mit einem solchen Amphibienfahrzeug in Hamburg Stadtrundfahrten anzubieten, sofort angetan.

Doch schnell stießen die beiden Hamburger Gründer an Grenzen. „Wir wollten einfach ein Amphibienfahrzeug kaufen“, erzählt Franken, „aber es gab keine!“ Zwar gibt es die sogenannten „Boston Ducks“ bereits in den USA und Asien, jedoch entsprechen diese nicht den Umwelt- und Sicherheitsansprüchen, die an Fahrzeuge in der EU gestellt werden.

Schließlich entschieden Sie sich, mit einem Partner aus Budapest zur Entwicklung und Bau eines eigenen Fahrzeugs in Ungarn. So gründeten sie gemeinsam die Firma Swimbus International Kft. und investierten viel Zeit und Know-How in den Bau ihres ersten und bisher einzigen Amphibienfahrzeugs. „Wir haben viel selbst gemacht“, sagt Franken. „Hätten wir das Design und die Ingenieursarbeit zu hundert Prozent ausgelagert, lägen die Kosten für das Fahrzeug sicherlich im siebenstelligen Bereich.“

Doch sowohl Franken als auch Fiete sind versierte Seemänner. Der 49-jährige Franken fuhr nach seiner Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann für fünf Jahre zur See. Partner Fiete ist seit mehr als 25 Jahren Kapitän, sehnte sich jedoch zurück in den Heimathafen. Die Gründung der Hafencity Riverbus GmbH war für den 53-jährigen daher die perfekte Gelegenheit Heimat und seine Liebe zum Wasser zu verbinden.

„Wir hoffen es mit dem Namen passend getroffen zu haben“, sagt Franken und weist in Richtung der alten, roten Backsteinhäuser der historischen Hamburger Speicherstadt, an die sich die neuere Hafencity anschließt. Die Tour beginnt am Brooktorkai, direkt vor dem frisch bezogenen Büro der Firma, und führt durch die Hafencity entlang nach Rothenburgsort, bis sie schließlich in Entenwerder aufs Wasser wechselt.

„Wir haben uns bewusst dafür entschieden Elbe aufwärts zu fahren, Richtung Tiefstack, in die Billwerder Bucht“, erklärt Franken ihre Entscheidung nicht in den allseits beliebten Hamburger Hafen abzudrehen. „Die Besucher erwarten gar nicht, dass wir den Hafen zeigen, weil wir auch gar nicht damit werben. Wir sind die schmale Schnittstelle zwischen den üblichen Stadtrundfahrten und den Barkassenfahrten. Das zeigt sich auch bei unserer Tour.“

Und ausgefallen ist besonders die Strecke zu Wasser. Neben dem zweigrößten Sturmflut-Sperrwerk Deutschlands bekommen die Passagiere eines der letzten Süßwasserwattgebiete Hamburgs zu sehen. „Manch’ Hamburger kennt diesen Ort noch nicht “, sagt Franken stolz.

Über einen Besuchermangel brauchen sich die beiden Hanseaten nicht beklagen. Denn schon vor dem offiziellen Start quoll das E-Mail-Fach mit Buchungsanfragen über. „Wir haben uns bei unserer letzten Testfahrt dazu hinreißen lassen ins Hafenbecken zu fahren“ , erinnert sich Fred Franken. Zuschauer seien zwar erhofft gewesen, jedoch zückte einer der Schaulustigen das Handy und sandte das aufgenommene Video an die Redaktion der Bild-Zeitung, auf dessen Website es prompt landete. „Das war gut acht Wochen bevor wir offiziell unseren Betrieb aufnehmen wollten. Wir hatten noch nicht mal ein Buchungssystem für die Kartenreservierung fertig auf unserer Website integriert.“

Da konnte jedoch die Berliner Softwarefirma bookingkit GmbH Abhilfe schaffen. In Rekordzeit stellten sie ein einfach zu bedienendes Programm zur Verfügung. „Als das System freigeschaltet wurde, hatte wir innerhalb von fünfzehn Minuten mehrere hundert Reservierung“ ,sagt Franken. „Die Jungs von bookingkit dachten zuerst, wir würden lauter Testbuchungen machen.“

Bis heute hält der Ansturm an, gut vier Wochen im Voraus müssen bereits Plätze gebucht werden. Ein zweiter Bus ist bisher noch nicht in Planung, dafür tüfteln die beiden Gründer bereits an einer neuen Idee die Stadt zu erkunden. Aber die bleibt erstmal geheim.