In seinem Buch „Kreativität als Chance“ beschreibt Paul Matussek die Ambiguitätstoleranz als eine besonders anspruchsvolle Eigenschaft. Es sei die Fähigkeit, in einer spannungsvollen, unübersichtlichen, von vielen Kräften bewegten Situation auszuhalten und unbeirrt das Ziel im Auge zu behalten. Die meisten Menschen ertrügen die aus der Ungelöstheit einer solchen Situation entstehenden Spannungen nicht oder nur für kurze Zeit. Sie versuchten, den Druck loszuwerden.

Dagegen, so Matussek, entstünden Lösungen eher von unerwarteter, nicht vorhersehbarer Seite, wenn man dem Druck standhält. Um solche Lösungen zu finden, müsse man in der Schwebe der Ungewissheit arbeiten können.

Die Ambiguität als Normalzustand

Zu experimentieren, neue Pfade zu finden, statt auf ausgetretenen Wegen zu laufen, bringt zwangsläufig Unsicherheit und uneindeutige Situationen mit sich. Wir müssen daher unsere Anstrengungen darauf richten, mehr Durchblick im Nebel zu schaffen – und wenn das nicht geht, die Ambiguität aushalten.

Meine eigenen Erfahrungen: Ambiguität ist ein fast regelmäßig wiederkehrender Zustand. Manchmal hilft es, mit neuen, ungewohnten Sichtweisen zu arbeiten. Die Nähe zu Künstlern oder zu Menschen mit unterschiedlichem Background und ganz anderen Perspektiven lässt uns ahnen, dass es sich eher um einen Normal- als einen Ausnahmezustand handelt und dass wir nicht allein sind. Schon die Kenntnis des Phänomens Ambiguität hilft uns. Und wer die Ambiguität länger aushält, ist im Vorteil.