Aus Sicht des DIHK bestimmt die robuste Entwicklung am Arbeitsmarkt das Gründungsgeschehen: „Qualifizierte Fachkräfte suchen eher die Sicherheit einer Festanstellung.“ Auch die Wirtschaftspolitik sei derzeit alles andere als Werbung für Unternehmensgründungen, urteilt DIHK-Präsident Schweitzer.

Für Zeuner ist das jüngste Plus bei den Gründungen dennoch eine gute Nachricht für die deutsche Volkswirtschaft: „Existenzgründer fordern die bestehenden Unternehmen heraus und erschließen häufiger neue Märkte. Das fördert den Fortschritt und die Wettbewerbsfähigkeit.“ Zudem seien durch Neugründungen im vergangenen Jahr 745.000 Vollzeit-Jobs entstanden nach 602.000 im Vorjahr.

Dass sich 2014 nicht mehr Menschen selbstständig gemacht haben, begründet auch die KfW mit der hohen Beschäftigung. Dadurch sinke die Zahl derjenigen, die aus der Not der Arbeitslosigkeit heraus einen Versuch auf eigenen Beinen wagten. Da der Arbeitsmarkt auch 2015 dank der anhaltend guten Jobaussichten keinen Druck erzeuge, in die Selbstständigkeit zu wechseln, werde die Gründungstätigkeit 2015 voraussichtlich abflauen, prognostiziert Zeuner.

Mittelfristig kann dieser Trend fatale Folgen haben. Zeuner macht sich vor allem um die Unternehmensnachfolge Sorgen: „Ein stärkeres Interesse an einer Unternehmensnachfolge wäre wünschenswert. Die Chefs von mehr als einer halben Million kleiner und mittlerer Unternehmen wollen in den nächsten zwei Jahren ihre Firma an einen Nachfolger übergeben.“ Doch die Suche dürfte schwer werden, denn die Bereitschaft zur Firmenübernahme ist in Deutschland extrem schwach ausgeprägt: 2014 machten sich drei von vier Existenzgründern selbstständig, indem sie ein neues Unternehmen eröffneten – nur acht Prozent übernahmen ein etabliertes Unternehmen.