Immer weniger Menschen machen sich selbstständig. Wie der Bund den Gründergeist mit einem Portal wiederbeleben will, berichtet Initiator Jan Evers im Interview.

Der Grund ist gut, das Ergebnis ernüchternd: Weil die Wirtschaft weiter boomt, werden Fachkräfte umworben – die Zahl der Gründungen geht dagegen seit einigen Jahren zurück. Etwas besser sieht die Situation bei technologiegetriebenen Firmenstarts – einer wichtigen Definition für Start-ups – aus. Um auch den generellen Gründergeist zu beleben, haben die staatliche Förderbank KfW und das Bundeswirtschaftsministerium Mitte April die Gründerplattform gestartet.

Auf der kostenlosen Plattform sollen Interessierte auf dem Weg in die Selbstständigkeit begleitet werden. Jan Evers (im Bild rechts) von der eigens gegründeten Betreibergesellschaft Business Pilot berichtet im Interview, warum das Land ein weiteres Informationsportal dringend braucht – und wer alles als Helfer mit an Bord ist.

Informationen rund um die Unternehmensgründung gibt es zuhauf‘ im Netz – warum jetzt auch noch die „Gründerplattform“?
Heute gibt es hunderte von öffentlich zugänglichen Portalen, auf denen viele Informationen angeboten werden. Aber es wird wenig dafür getan, das tatsächliche Handeln zu unterstützen. Es gibt ein Wirrwarr aus Businessplan-Tools und Checklisten, die den Gründer verloren zurücklässt. Wir wollen die Plattform sein, die zum Handeln motiviert – und auf der man seine Gründungsidee konsequent vorantreibt.

Ein hehres Ziel. Und wie soll das gelingen?
Es geht los mit der Frage, welcher Unternehmertyp man ist – eher fachlich orientiert, eher der Typ Manager, der Fachmann oder der Visionär. Passend zu dem persönlichen Ergebnis haben wir Tipps und Hilfestellungen von 30, bald 40, erfahrenen und erfolgreichen deutschen Unternehmerinnen und Unternehmern. Diese Unternehmer sollen inspirieren und erzählen in Videos über ihren Weg in die Selbständigkeit. Über die gesamte Plattform trifft der Gründer die immer wieder – genau an dem Punkt, wo er oder sie Hilfe braucht, liegen zu dem Thema Videosequenzen des persönlichen Vorbilds bereit.

Lohnt sich dieser Aufwand denn für die Anzahl der Start-ups in Deutschland?
Wir wollen alle Formen der Gründung erreichen, deshalb haben wir uns extra vom Start-up-Begriff gelöst. Aber wir setzen auf das, was sich in den letzten zehn Jahren in der internationalen Gründungspraxis bewährt hat: Zum Beispiel das schnelle Testen und Validieren von Geschäftsmodellen nach Lean-Start-up, die eigenen Ressourcen zum Ausgangspunkt nehmen oder die Faltin-Methoden der Ideenentwicklung. All‘ das wollen wir in den Mainstream bringen – indem wir es in kleinen Happen servieren.

Wohin führt den Gründungsinteressierten die Reise auf der Plattform denn?
Soweit, wie er oder sie will. Es gibt jederzeit die Möglichkeit, Feedback einzuholen. Etwa bei der Entwicklung des Geschäftsmodells: Da klickt man auf einen Button, gibt seine Postleitzahl ein und kann regionalen Experten den Zugang zum eigenen Datensatz ermöglichen für ein kostenloses Feedback dazu. Oder man erhält eine Übersicht der Förderinstrumente, die genau zur eigenen Gründung passen.

Von wem kommen Feedback oder Angebote?
In der Startphase der Plattform suchen wir Experten aus der öffentlichen Förderlandschaft. 200 Institutionen – von Förderbanken bis zu Kammern – haben sich uns angeschlossen. Das ist schon mal eine stolze Zahl. Auf der Finanzierungsseite ist das Angebot bereits flächendeckend, auf der Feedbackseite muss es noch mehr werden.

Nächste Seite: Wie die Plattform mehr Unterstützer an Bord holen will.