Erfolgreiche Gründer sind jung,
 lieben das Risiko und haben schräge Lebensläufe – stimmt das wirklich? Was hinter typischen Vorurteilen steckt: Unsere Serie über Start-up-Mythen.

Bitte stellen Sie sich einen Menschen vor, der gerade ein Unternehmen gründet. Wen oder was sehen Sie? Einen jungen Mann mit Kapuzenpulli, der im Schein seines Laptop-Bildschirms das nächste große Ding programmiert? Oder eine Mutter, die sich nach Jahren des Angestelltendaseins selbstständig macht, weil sie eine Nische gefunden hat? Gibt es so etwas wie ein Gründergen? Und wenn ja – wer sind diese geboren Unternehmer, bin ich vielleicht einer von ihnen?

Es gibt kaum eine berufliche Beschäftigung, um die sich so viele Mythen ranken, wie das Unternehmertum. Universitäten füllen ihre Lehrpläne mit Entrepreneurship-Kursen, Journalisten jubeln über die neue Gründerzeit, im Privatfernsehen pitchen Start-ups ihre Ideen zur besten Sendezeit.

Aber was stimmt von all den überlieferten Vorstellungen, die wir vom Gründen haben? Um die fünf gängigsten Mythen zu hinterfragen, werfen wir einen Blick auf Studien, Zahlen und Fakten über Unternehmertum. Denn wer jemals gegründet hat, weiß: Anekdoten und Annahmen sind schön, aber am Ende zählt immer die Realität.

1. Gründer sind jung

Ein Mythos hält sich immer dann besonders hartnäckig, wenn er einen echten Helden hervorbringt. So wie Mark Zuckerberg. Der Facebook-Chef gründete sein Unternehmen schon mit 19 und brach sein Harvard-Studium ab, um vier Jahre später jüngster Selfmade-Milliardär der Welt zu werden – und fortan als Ikone einer neuen Generation von Gründern zu gelten, deren Geburtsjahr angeblich der entscheidende Wettbewerbsvorteil ist. „Junge Menschen sind einfach schlauer“, sagte Zuckerberg einmal.

Nun gut: Steve Jobs, Bill Gates, Michael Dell, Walt Disney – sie alle haben ihre Firma lange vor dem 23. Geburtstag gegründet. Aber zählt Erfahrung denn gar nichts? Ist Jugendlichkeit ein erfolgreiches Geschäftsmodell?

Mitnichten.

Das Durchschnittsalter der deutschen Unternehmensgründer liegt bei exakt 38,6 Jahren. Diese Zahl haben Wissenschaftler des Instituts für Arbeits- und Berufsforschung in einer Studie ermittelt, die Ende des vergangenen Jahres erschien. Die Studie basiert auf Ergebnissen des Global Entrepreneurship Monitor (GEM). Die darin untersuchten „Gründer“ sind Personen, die entweder gerade dabei sind, ein Unternehmen zu gründen, oder das in den vergangenen dreieinhalb Jahren bereits getan haben.

„Ältere und erfahrene Menschen bringen gute Voraussetzungen für eine Unternehmensgründung mit“, sagt Arbeitsmarktforscher Udo Brixy vom IAB. Ein Beispiel dafür seien Mütter und Väter, die nach der Babypause wieder zurück ins Berufsleben wollen – nach der Familiengründung könnte dann das erste eigene Unternehmen folgen.

Aber warum macht Erfahrung erfolgreich? Vivek Wadhwa, Unternehmer und Wissenschaftler an der Duke University in North Carolina, erforscht die Lebensläufe von Gründern. Er fand in einer Befragung unter 549 amerikanischen Entrepreneuren aus zwölf verschiedenen Industrien heraus, dass rund 70 Prozent von ihnen der Mittelschicht entstammen, verheiratet sind und mindestens sechs Jahre Berufserfahrung als Angestellte haben. Sechs von zehn der Befragten hatten mindestens ein Kind.

Wadhwa leitet aus seinen Forschungsergebnissen einen Dreischritt ab, der den Erfolg des Alters erklärt: „Ideen entstehen aus Bedürfnissen. Um Bedürfnisse zu verstehen, braucht man Erfahrung – und die kommt im Alter.“

Das lässt sich übrigens auch auf die anfangs genannten Pioniere übertragen. Nehmen wir den Junggründer Steve Jobs: Seine größten Innovationen kamen erst auf den Markt, als er schon Mitte 40 war. Und Mark Zuckerberg? Wird dieses Jahr 33 Jahre alt, auch nicht mehr der Jüngste, aber vielleicht war sein Satz ja auch nur jugendlicher Leichtsinn. Man möchte ihm zurufen: Kopf hoch, das Beste kommt noch, Alter!