In der bayerischen Justiz hat das Leonhard-Programm inzwischen einen hohen Stellenwert. Die Existenzgründerkurse gelten als Aushängeschild. Insgesamt gab es bis heute 112 Teilnehmer, Sträflinge aus ganz Bayern durchlaufen derzeit in einer Strafanstalt in München den achten Kurs. Das ist nicht selbstverständlich. Als Bernward Jopen einem Frauengefängnis erstmals seine Idee vorstellen wollte, stieß er auf verschlossene Türen. „Dafür haben wir keine Zeit“, sagte der Anstaltsleiter, noch bevor er Jopen überhaupt angehört hatte. Rückblickend sagt der Programmleiter, die Vorbehalte der Gefängnisdirektoren seien zu Anfang ein Problem gewesen. Doch Jopen ließ sich durch die Rückschläge nicht entmutigen – und ging mit seinem Vorhaben zum bayerischen Justizministerium, das seine Idee schließlich unterstützte.

Ein ganz normaler Anstaltsbetrieb

Heute würden auch die Anstalten hinter den Programmen stehen, sagt Jopen. Er und seine Mitarbeiter dürfen sich in den Gefängnissen bewegen wie normale Beamte. Und: „Wir werden behandelt wie ein Anstaltsbetrieb“, sagt Jopen. Wie eine Gefängnis-Schlosserei oder -Wäscherei müsse er Stellungnahmen zu den Mitarbeitern abgeben und Bewertungen schreiben.

Trotz des hohen Ansehens ist das Programm allerdings in Gefahr. Ende Juni läuft die Förderung durch den europäischen Sozialfonds aus, Bund und Länder wollen die Kosten nicht übernehmen. Jopen muss die Gründerkurse dann selbst finanzieren, sie kosten etwa 350.000 Euro im Jahr. Er hofft nun auf private Investoren.