Die KfW führt das „Gründercoaching Deutschland“ leicht angepasst fort – obwohl eine Evaluation an der Wirksamkeit des Programms zweifelt.

Es hätte eine Erfolgsgeschichte sein können. Ungefähr 140.000 Gründern finanzierte die Kreditanstalt für Wiederaufbau – kurz KfW – in den vergangenen acht Jahren eine Beratung. Das Prinzip: Jeder Gründer bekommt in den ersten Jahren einen Anteil seiner Kosten für ein Coaching erstattet. Bislang erwies sich die Förderung jedoch als wirkungslos, wie eine Evaluation im vergangenen Jahr ergab.

Das Beratungsangebot ist ein Teil der Gründerförderung der KfW. „Es ist das mit Abstand größte und wichtigste Beratungsprogramm“, sagt Anja Bukowski, bei der KfW Mittelstandsbank für die Beratung zuständig. Insgesamt 260 Millionen Euro sind vom Europäischen Sozialfonds (ESF) in das Gründercoaching geflossen. Bei dem Coaching lernen die Gründer, wie sie einen Businessplan optimieren oder Finanzierungsgespräche vorbereiten. Nun führt die KfW ab Anfang Mai das Programm mit Eigenmitteln fort – und reformiert es zumindest teilweise.

Gründer ohne Coaching bleiben eher selbstständig

Steffen Künn ist einer der Wissenschaftler, die das bisherige Gründercoaching-Programm untersucht haben. Ein bisschen enttäuscht vom Ergebnis seien die Auftraggeber schon gewesen, sagt der Wissenschaftler vom Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA). Denn bei der Evaluation der Wissenschaftler ließ sich „kein messbarer Effekt für das Gründercoaching Deutschland finden“, sagt Künn. Und das trotz der positiven Einschätzungen der Gründer selbst. In Abständen von ungefähr 20 Monaten fragten die Wissenschaftler die Gründer, ob diese noch selbstständig seien. Das Ergebnis verglichen sie mit einer Gruppe von Gründern ohne Beratung. Es stellte sich heraus: Die Überlebenswahrscheinlichkeit von nicht gecoachten Gründern war höher.

Die KfW selbst hatte die Evaluation zusammen mit dem Wirtschafts- und Arbeitsministerium in Auftrag gegeben – und verteidigt ihr Förderung. „Das Programm wird über die Handelskammern an die Gründer ausgereicht“, sagt Bukowski von der KfW. Die Kammern hätten den direkten Draht zu den Gründern und den Coaches. „Sie haben uns signalisiert, dass das Programm ein wichtiger Baustein ist“, sagt Bukowski. Auf die Evaluation nahm sie im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer keinen Bezug.

In dem Bericht von 190 Seiten befinden sich weitere Details, die Fragen aufwerfen. So untersuchten die Wissenschaftler nicht nur das Programm „Gründercoaching Deutschland“ (GCD), sondern auch ein spezielles Programm für Arbeitslose. Der Unterschied: Bei dem Programm für die Arbeitslosen wurden 90 Prozent der Kosten übernommen. Bei dem normalen Programm erstattete die KfW 50 Prozent in den alten Bundesländern und 75 Prozent in den neuen Bundesländern der Kosten. Über das Angebot für Arbeitslose schreiben die Wissenschaftler: „Das Programm hat einen positiven Effekt im Hinblick auf den Erwerbsstatus, die Einkommens- und Mitarbeiterentwicklung.“

Wissenschaftler Künn kann den Unterschied erklären: „Bei den Gründern aus der Arbeitslosigkeit heraus waren die Defizite einfach viel größer.“ Ihnen fehlte das Wissen, wie sich ein Unternehmen gründen lässt. Aus diesem Grund profitierten sie auch stärker von dem Gründercoaching. Obwohl das Programm erfolgreich funktionierte, wurde es 2013 von der damaligen Arbeitsministerin Ursula von der Leyen eingestellt. Der Fokus ihrer Arbeitsmarktpolitik hatte sich geändert, sagen Experten. Damit wurde ausgerechnet das Programm gestrichen, dessen Effektivität wissenschaftlich belegt war.

Über das allgemeine Gründercoaching schrieben die Wissenschaftler dagegen: „Vor dem Hintergrund der vorgetragenen Befunde erscheint […] insbesondere das GCD als revisionsbedürftig, um eine Fortführung zu rechtfertigen und die beabsichtigten Programmwirkungen tatsächlich erreichen zu können.“ So empfehlen die Wissenschaftler auch, das Programm stärker auf eine Zielgruppe, beispielsweise auf Gründer in einer Frühphase oder in Krisensituationen, zuzuschneiden. „Die Vertreter aus den Ministerien und der KfW hatten ein offenes Ohr für Verbesserungsvorschläge“, sagt Künn im Rückblick. Öfter hätte er jedoch die Antwort bekommen: „Ist halt schwierig, das umzusetzen.“

„Unser grundsätzliches Ergebnis hat Bestand“

Mit der Fortführung des Programms, das ab Anfang Mai startet, versucht die Förderbank genau das. Künftig dürfen Gründer die Förderungen in den ersten zwei Jahren am Markt beantragen, früher waren es fünf Jahre. „Untersuchungen haben gezeigt, dass der größte Beratungsbedarf in den ersten zwei Jahren vorhanden ist“, sagt Bukowski. Nach dem Gespräch verweist die KfW-Pressestelle noch auf die Empfehlungen der Wissenschaftler.

Doch reicht die Reform? „Eine Beschränkung auf die ersten zwei Jahre nach der Gründung halte ich für einen sinnvollen Schritt“, sagt Wissenschaftler Künn. Denn Fehler aus den Anfangsjahren der Gründung ließen sich schwer rückgängig machen. Auch in anderen Kritikpunkten der Evaluation wie der Qualität der Coaches sei das Programm nach der Reform 2011 durch ein Bewertungssystem der Gründer nun besser konzipiert. Der Untersuchungszeitraum der Evaluation bezieht sich nämlich auf den Zeitraum vor der ersten Reform. Künn betont aber, bezogen auf die Reformen von 2011: „Einige Kinderkrankheiten wurden seitdem ausgemerzt, aber unser grundsätzliches Ergebnis hat meiner Meinung nach Bestand.“

Die Förderbank will ihr leicht reformiertes Beratungsprogramm nun bis zum Ende des Jahres fortführen, danach wird das Programm vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrollen (BAFA) übernommen. Die Mittel beim ESF seien beantragt, aber das Geld steht vor allem wegen technischer Fragen noch nicht für die Gründer bereit. Ab Anfang 2016 soll es dann soweit sein. Erst nach einer weiteren Evaluation lässt sich beurteilen, ob die Reform ausreicht.

Künn und seine Kollegen halten eine weitere Untersuchung nach den Reformen für sinnvoll, sie haben den Ministerien und der KfW eine weitere Auswertungvorgeschlagen. Dazu heißt es im Bericht der Wissenschaftler: „Der Auftraggeber hat sich jedoch gegen die Durchführung der Untersuchung entschieden.“