Aber auch wenn die Gründungsforschung laut HHL-Forscherin Hagedorn noch wenig über die Lifestyle Entrepreneure weiß, machen sie in letzter Zeit regelmäßig von sich reden: „Es gibt immer mehr Menschen, die gründen, um einen bestimmten Lebensstil zu verwirklichen“, sagt etwa der Weltenbummler-Unternehmer Jesse Krieger aus dem kalifornischen Silicon Valley, der über den neuen Gründertypus ein Buch geschrieben hat.

Auch in anderen Bestsellern feiern reisende Unternehmer wie Natalie Sisson und Colin Wright die „Suitcase Entrepreneure“, die wie Hargarten und Meurer aus ein paar Koffern oder dem Rucksack leben, um unterwegs ein „Freedom Business“ aufzubauen.

Lifestyle Entrepreneure, Suitcase Entrepreneure oder Freedom Business: Hinter den Modewörtern verbirgt sich das ernsthafte Bemühen, Freiheit und Flexibilität, Passion und Profit in Einklang zu bekommen. Die Gründer wollen Geld verdienen, ohne große Reichtümer anzuhäufen, und wollen gute Ideen umsetzen, ohne dabei das nächste iPhone erfinden zu müssen. Und brauchen deshalb seltener Fremdkapital als klassische, stark wachstumsorientierte Unternehmer, sagt Forscherin Hagedorn.

Der Hotspot für digitale Nomaden

Worauf sie allerdings nicht verzichten können: das Internet. Denn ohne moderne Kommunikationstechnologien könnten Digitalnomaden wie Meurer und Hargarten ihren Lebensplan nicht umsetzen. Via E-Mail kommunizieren sie mit Freiberuflern auf den Philippinen und in Australien, die ihnen beim Bau von Web-Seiten helfen. Sie nutzen Cloud-Dienste wie Dropbox, um Dokumente gemeinsam zu bearbeiten. Dank Internet sind sie auch dann unter einer Berliner Telefonnummer erreichbar, wenn sie gerade im Urwald unterwegs sind. Und wenn sie Briefe an ihre deutsche Firmenadresse erhalten, werden die vom Berliner Start-up Dropscan eingelesen und ihnen übers Netz rund um die Welt weitergeleitet.

Damit das klappt, besorgen sich Meurer und Hargarten im Ausland lokale Simkarten und verwandeln ihr Smartphone in einen WLAN-Router, um mit ihren Notebooks ins Netz zu gehen. Oder sie mieten  in sogenannten Coworking Spaces stundenweise Schreibtische mit Webzugang. Das kolumbianische Medellín etwa, früher als Drogenhochburg verschrien, sei heute „ein Hotspot für digitale Nomaden“, sagt Hargarten, „da haben wir nach unserer Amazonas-Tour erst mal alles weggearbeitet, was anstand.“

Ihre „Affinität zu neuen Medien“ ist aus Sicht der HHL-Forscherin Anja Hagedorn ein wichtiger Grund dafür, dass besonders Angehörige der Generation Y zu Lifestyle Entrepreneuren werden – also Menschen, die wie Hargarten und Meurer zwischen dem Ende der Siebziger- und dem Ende der Neunzigerjahre geboren wurden. Einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC zufolge glaubt jeder Fünfte dieser Generation, dass er von einer Vielzahl an Orten und über Grenzen hinweg mobil arbeiten wird.