Kinder haben und ein Unternehmen gründen: Das ist eine Herausforderung. Seit einem Jahr gibt es Mompreneurs. Das Berliner Gründernetzwerk vernetzt Mütter, die ein Unternehmen gründen.

„Ich habe mein Notizbuch im Kindersitz vergessen“, sagt die junge Frau und lacht. Jetzt muss sie noch einmal kurz zum Auto. Die übrigen Frauen warten bereits.

Es ist Dienstagmorgen und die rund 20 Frauen sind in das Berliner Coworking-Space gekommen, um an dem Treffen des Netzwerkes Mompreneurs teilzunehmen. Vor knapp einem Jahr hat Esther Eisenhardt es gegründet und veranstaltet seitdem regelmäßig deutschlandweit Treffen. Sie ist zweifache Mutter und will mit ihrem Netzwerk Müttern dabei helfen, die Familie und das Start-Up zu koordinieren.

„Was hat dein Gegenüber von deinem Unternehmen?“, fragt Eisenhardt in die Runde. Über diese Frage sollen die Frauen kurz nachdenken und dann beantworten – in einer Minute. Die erste Gründerin steht auf. Sie will nachhaltige Kleidung über einen Onlineshop verkaufen: Stolz hält sie einen Zettel mit ihrem Namen, ihrer Gründungsidee und der Anzahl ihrer Kinder hoch: zwei. Die nächste Gründerin übernimmt und es werden nach einander die Ideen vorgestellt: Steuerberatung, Fotografie, Sprachkurse. Zwischendurch unterbricht Eisenhardt sie, versucht die Frauen mit Fragen zur Eile anzutreiben: „Wie in einem Fahrstuhl – lernt eure Idee schnell und deutlich zu erklären“, sagt sie.

Motto: Mit weniger mehr erreichen

Über 1500 Mitglieder hat die Facebook-Seite von Mompreneurs. „Wir sind ein Netzwerk von und für selbstständige Mütter, die mit weniger mehr erreichen wollen“, sagt Eisenhardt. Sie hat selbst mehr als zehn Jahre in der Berliner Start-Up-Szene als Angestellte gearbeitet. Anfangs mit einem und dann mit zwei Kindern. Ihr Ehemann war viel unterwegs und irgendwann merkte sie, dass es so nicht weitergehen konnte. Sie wollte gründen. „Erfolgreich gründen wird aber oftmals immer noch gleichgesetzt mit Venture-Capital, einem großen Team und einer 60 Stundenwoche“, sagt Eisenhardt über die Erwartungen an Gründer. Sie wollte zwar gründen, um unabhängiger zu sein, aber nicht unter diesen Umständen: „Ich habe mich immer gefragt: Es muss doch noch mehr Mütter geben wie mich.“

Vergangenes Jahr gründete sie deshalb Mompreneurs. Das Motto „mit weniger mehr erreichen“ habe sie bewusst gefällt, sagt Eisenhardt. „Denn Mütter müssen Kinder und Unternehmen gemeinsam organisieren.“ Dafür müsse man sich auch überlegen, was Erfolg eigentlich bedeute, sagt sie: „Für Mütter ist eine Arbeit wichtig, bei dem sie flexibel bleiben können.“ Es müsse nicht immer alles in Dimensionen von Mark Zuckerburg verlaufen.

Die Treffen, die alle zwei bis vier Wochen stattfinden, dienen hauptsächlich zum Austausch. Zudem veröffentlicht Eisenhardt einmal in der Woche ein Porträt auf der Seite des Netzwerks: „Dort können Mütter sehen, wie andere Frauen Gründen und Mutter sein vereinbaren“, sagt Eisenhardt. Außerdem postet sie fast täglich auf der Facebook-Seite Links und Artikel, die von den Mitgliedern diskutiert werden. Sucht jemand einen neuen Webdesigner oder Hilfe bei einem Videodreh, kann er es dort posten.

Frauen wollen nicht zu Hause Hausfrau spielen

Mittlerweile gibt es Mompreneur-Treffen neben Berlin auch in 12 weiteren Städten. Darunter auch in Stuttgart, wo die Unternehmerin Olesja Becker, Gründerin des Onlineunternehmen Wenterior Design Group und dem Logistikunternehmen TZ Global Logistics, das Frauennetzwerk leitet. Sie ist in Stuttgart durch die Internetseite von Mompreneur auf die Berliner Initiative aufmerksam geworden und hat sich direkt angeschlossen: Um Eisenhardt zu unterstützten, ist Becker, die selbst eine fünfjährige Tochter hat, nun für Treffen in Stuttgart und Reutlingen zuständig.

„Die Treffen sind immer alle ausgebucht und das Interesse ist sehr groß“, sagt Becker. Bisher habe es so ein Angebot in der Region noch nicht gegeben. Jetzt erreichen sie viele Anfragen von Müttern, die auf der Suche nach Rat und Austausch sind. „Mütter müssen Arbeit und Familie vereinbaren und das ist etwas Besonderes“, sagt sie. Sie hätten es in der Berufswelt häufig schwieriger, weil Arbeitgeber weniger Interesse an Frauen hätten, die durch Kinder vermeintlich unverlässlicher sind. Dabei seien Mütter eine wichtige Ressource. „Viele Frauen wollen nicht nur als Hausfrau agieren, sondern auch berufliche Ziele und Träume erfüllen – auch wenn Kinder da sind“, sagt sie. Mütter bräuchten lediglich flexiblere Arbeitszeiten.

Es geht nicht um das nächste große Ding

So versucht sie Themen bei den Treffen zu finden, die für alle Mütter relevant sind. Ein Thema war zum Beispiel bei einem der letzten Treffen SEO-Optimierung. Damit kennt sich die 31-Jährige durch ihre Onlinefirma aus und für die meisten Mütter ist es interessant, weil sie meist eine eigene Homepage für ihr Unternehmen haben.

Langfristig weiß Eisenhardt noch nicht, wohin sich Mompreneurs entwickelt. Aber sie hofft, irgendwann auch davon leben zu können. Die Teilnahme an den Treffen kostet zehn Euro, leben kann sie davon aber noch nicht. Das Ziel sei aber auch nicht wie so häufig in der Start-up-Szene möglich schnell viel Geld aus der Idee zu machen, sagt sie. Es gehe nicht darum, das nächste große Ding zu landen. „Das Netzwerk soll Müttern eine neue Perspektive geben und sie unterstützen.“