Ein Problem hierbei sehe ich nicht in der Teilzeitstelle an sich, sondern in der Bewertung dieser Stelle seitens der Beteiligten. Wer ist denn zum Beispiel derjenige der im Krankheitsfall des Kindes zu Hause bleibt oder von der Schule angerufen wird, wenn das Kind sich das Bein gebrochen hat? Die Mutter! Und mit welcher Berechtigung? Ist die Arbeitsstelle der Mutter weniger wert als die des Vaters? Und warum muss der Arbeitgeber der Mutter auf die Arbeitskraft verzichten, während der Arbeitgeber des Vaters nicht tangiert wird?

Stillschweigende Akzeptanz der Ungleichheit

Ein anderes Beispiel ist die Elternzeit: „Vätern stehen zwei Monate Elternzeit zu“. Wie oft höre ich diese Aussage. Ist das euer Ernst? In Zeiten des Internet ist unsere Gesellschaft wirklich so schlecht informiert oder will einfach so schlecht informiert sein?

Nicht wirklich, oder? Fragt man nämlich nach, weshalb diese ’12 Monate Mutter-2 Monate Vater’ Regel meist gelebt wird, dann antworten Väter gerne:“ Mehr als zwei Monate macht mein Arbeitgeber nicht mit– das schadet meinem Lebenslauf“ oder „Finanziell können wir uns das nicht leisten“.

Und wie sehr liebt es unsere Gesellschaft diese Argumentation stillschweigend zu akzeptieren, nicht wahr? Vollkommen davon abgesehen, dass die erste Aussage ja bedeuten würde, dass alle Lebensläufe von Müttern, die länger als zwei Monate zu Hause geblieben sind, irreparabel geschädigt sind. Volkswirtschaft Deutschland, ich höre dir trapsen.

Verlangt eine vernünftige Entlohnung für eure Leistung

Auch das finanzielle Argument ist für mich oftmals schwer nachzuvollziehen. Einem Vater in Elternzeit stehen 65 % vom Netto Arbeitslohn zu. Wenn also die Frau (und gehen wir mal davon aus, dass ein Mann, der die Deckelung von 1800 Euro erreicht, wohl im seltensten Fall eine Partnerin wählt, die im Niedriglohnsektor/Mindestlohn arbeitet) es nicht schafft, diese 35 % auszugleichen, dann haben wir kein Equalpay-Problem, sondern eine Equalpay-Vollkatastrophe.
Wann hören Frauen endlich auf, ihre eigene Arbeitskraft als minderwertiger als die des Mannes anzusehen? Und wann fangen wir endlich an, eine vernünftige Entlohnung für unsere Leistungen zu verlangen? Auch wenn frau die Kindererziehung fokussiert oder sie sich dazu entscheidet dem Partner „den Rücken freizuhalten“.

So lange das nicht passiert, kann ich verstehen, dass uns keine Gründerkompetenzen zugesprochen werden. Weder von Banken, noch von der Politik, von Verbänden oder der Gesellschaft, aber am allerwenigsten von uns selbst. Denn Investitionen werden in Gründer gemacht, nicht in Firmen. Und Gründer müssen überzeugen. Aber überzeugen kann man nur, wenn man selbst überzeugt ist. Und zwar von der eigenen Arbeitskraft.

Liebe Natascha, dieser Artikel ist für dich! Weil du was bewegst, auch wenn du es (noch) nicht siehst. Und für die HVB Pressesprecherin – mit der ich eigentlich immer noch einen Kaffee trinken gehen wollte.