Bei den Problemen, die Sie schildern, geht es vor allem um Bildung und Kapital. Welche größeren strukturellen Probleme in den Ländern gibt es noch?
Häufig müssen wir sehr grundsätzlich anfangen, weil der rechtliche und administrative Rahmen in vielen Ländern so kompliziert ist. Es dauert ewig, bis man ein Unternehmen registriert hat. Die Gründer müssen dort von Pontius zu Pilatus laufen und gegen Korruption kämpfen.

Wie kann die GIZ da helfen?
Auf den Philippinen hat es früher zum Beispiel ewig lange gedauert, ein Unternehmen zu registrieren. Die Gründer mussten außerdem recht hohe Lizenzgebühren zahlen. Wir haben uns dort mit der Verwaltung hingesetzt und mal aufgezeichnet, wo ein Gründer überall hin muss. Danach haben wir einen One-Stop-Shop entwickelt. Der Unternehmer muss also nur zu einer Registrierungsbehörde. Der Gründungsprozess wurde so von 17 auf zwei Tage reduziert, die Kosten um 75 Prozent gesenkt.

In Deutschland sollten Sie vielleicht auch mal mit der Verwaltung ein Mentoring machen. Hier gibt es ja auch einige bürokratische Hürden.
(lacht verhalten) Das stimmt, andere Länder wie England sind da, glaube ich, schon weiter.

Hierzulande scheitern viele Existenzgründer nach einigen Jahren. Inwiefern spielt der Erfolg der Unternehmen bei Ihnen eine Rolle?
Uns ist wichtig, dass unsere Projekte langfristig funktionieren, deswegen arbeiten wir mit lokalen Experten zusammen und bieten selber keine Unternehmensgründungskurse an oder verteilen selber Kredite. Wenn wir wieder weg sind – das ist meist nach drei Jahren der Fall -, darf nicht alles zusammenklappen. Jedes Projekt hat konkrete Ziele. In Tadschikistan wollen wir beispielsweise in drei Jahren 5000 Jobs durch Existenzgründer und das Wachstum von bestehenden Unternehmen fördern. Und das verfolgen wir genau. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden wir die Ziele erreichen.

Und wenn nicht?
Dann überprüfen wir unsere Ansätze, denn wir erleben auch nicht immer Erfolge…

Wo sind Ihnen denn Fehler unterlaufen?
Es ist wichtig, Existenzgründern immer ein Trainingspaket anzubieten. Wir haben anfangs in einem Programm beispielsweise Traininsgmaßnahmen entwickelt, in denen Gründer interaktiv ihre eigenen Geschäftspläne erarbeitet. Nach dem Kurs wurden die Gründer aber alleine gelassen, es gab kein On-Going-Coaching. Das hat nicht gereicht, denn einzelne Maßnahmen bringen wenig. Die Förderung muss Training, Begleitung und Zugang zu Kapital beinhalten – das Paket ist wichtig. In unseren aktuellen Projekten berücksichtigen wir das.

 Birgit Seibel ist Leiterin des Sektorvorhabens „Innovative Ansätze der Privatwirtschaftsförderung“ bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit.