Seit einigen Jahren entstehen auch in Entwicklungsländern besonders in Afrika privatwirtschaftliche Kapitalgeber und Inkubatoren. Machen Sie mit Ihren Angeboten nicht den Markt kaputt?
Das ist ein wichtiger Punkt. Wir schauen immer, wo es Marktlücken gibt. Wenn zum Beispiel Mikrokredite in einer Region angeboten werden, halten wir uns raus. Wir wollen auf keinen Fall den lokalen Markt kaputt machen. In Indien sprechen wir deswegen gezielt die Bevölkerung in den ländlichen Gegenden an, das sind die vernachlässigten Regionen, wo ein Großteil der Armen lebt. Dort gibt es wenig Beratungsangebote.

Welche Art von Gründern ist besonders auf Hilfe angewiesen?
Sozialunternehmer. Also Gründer, die arme Menschen beteiligen oder Produkte für sie entwickeln. Es gibt überall in Indien unglaubliche viele Ideen, aber die Gründer bekommen überhaupt keinen Zugang zu Kapital. Den Banken fehlt einfach die Erfahrung damit. Sie wissen nicht, wie man das Risiko bewerten kann.Wir haben deswegen ein Beraternetzwerk vor Ort mit Business Angels aufgebaut. 40 Business Angels waren bereit, tatsächlich in die sozialen Unternehmen zu investieren. Insgesamt 20 Unternehmen wurden ausgewählt, fünf davon schon mit Kapital versorgt. Auch die indische Regierung hat das Problem erkannt und unterstützt solche Gründer mit einer eigenen Institution.

Die Ein Dollar, ein typisches Beispiel für ein Sozialunternehmen. Quelle: Martin Aufmuth, EinDollarBrille

Die Ein Dollar Brille, ein typisches Beispiel für ein Sozialunternehmen
Quelle: Martin Aufmuth, EinDollarBrille

Sozialunternehmertum klingt immer gut. Was verbergen sich konkret für Unternehmen hinter dem Begriff?
Da gibt es zum Beispiel die Ein-Dollar-Brille. Der Gründer hat sich hingesetzt und aus einfachen Bauteilen eine Brille entworfen. Er produziert in Afrika und vertreibt die Brillen über ein Franchise-System. Es gibt also Händler, die mit einem Koffer in die Dörfer gehen und dort ganz einfache Tests für die Sehfähigkeit machen. Die Brille können sie dann direkt anfertigen. Dieses Angebot können sich auch die Armen im Dorf leisten.

Klingt gut. Warum bekommt so ein Start-up kein Geld von privaten Investoren? Die Nachfrage ist doch riesig.
Ich behaupte mal, dass es selbst in Deutschland schwer ist, Banken von diesen Ideen zu überzeugen. Nicht umsonst fördert die Europäische Union in dem Bereich massiv – dem sogenannten Social Entrepreneurship. Auch in Europa muss es sich durchsetzen, dass solche Ideen Marktpotential haben. Außerdem fehlen vielen Sozialunternehmern die unternehmerischen Fähigkeiten, um einen sauberen Geschäftsplan aufzustellen.