Das Start-up wächst dank Kooperationen mit Elektromärkten stark – und nimmt immer wieder auch Kredite auf, um neue Geräte zu finanzieren.

Große Elektronikhändler in Deutschland werben neuerdings damit, dass man ihre Geräte nicht mehr kaufen muss, um diese mitzunehmen. Die Alternative: Der Kunde unterschreibt direkt im Markt einen Mietvertrag, zahlt monatliche Raten und gibt die Ware nach ein paar Monaten wieder zurück. Lohnen soll sich das vor allem für Geräte, die nur temporär gebraucht werden – wie etwa eine Drohne für den Urlaub, eine Spielekonsole für die Wintermonate oder ein aktuelles Smartphone, das die Zeit bis zur Vertragsverlängerung überbrückt.

Hinter dem Angebot steht ein Berliner Start-up, das derzeit rasant wächst. Gegründet 2015 als reiner Online-Anbieter, hat sich Grover dank zahlreicher Partnerschaften zu dem nach eigenen Angaben führenden Vermieter von Unterhaltungselektronik gemausert. Der bisher größte Coup: Seit Mai ist Grover in allen 420 deutschen Filialen von Mediamarkt und Saturn vertreten. Zuvor gab es bereits eine Zusammenarbeit online. Kooperationen gibt es zudem mit Gravis, Conrad und Tchibo.

Laut dem Start-up sind derzeit mehr als 300.000 Nutzer auf der Grover.com registriert. Zum Vergleich: Ende 2017 zählte das Start-up erst 10.000 Kunden. Außer in Deutschland wächst die Firma von Gründer Michael Cassau (rechts im Bild) auch international. Seit September ist Grover in Österreich vertreten, nun sollen zwei weitere, nicht näher genannte europäische Länder folgen.

Kapitalintensives Geschäft

Die große Herausforderung: Das Geschäft ist extrem kapitalintensiv. Mehr als 40 Millionen Euro hat das Start-up bisher in den Warenkauf investiert, so Finanzchef Finanzchef Thomas Antonioli (auf dem Foto links) im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Zwei bis drei Jahre lang würden die Geräte vermietet – und in der Zeit Geld verdienen. Ausgemusterte Geräte werden etwa über Marktplätze wie Ebay oder Amazon wieder verkauft.

Seit der Gründung hat Grover eigenen Angaben zufolge rund 60 Millionen Euro an Kapital eingesammelt, nun kommen noch einmal 41 Millionen Euro hinzu. Eine Besonderheit: Bei einem Großteil des Geldes handelt es sich um Kredite, die vor allem von der Hamburger Varengold Bank kommen. Für ein Start-up ist das ungewöhnlich, weil Banken Kreditanfragen junger Unternehmen oft ablehnen. „Wir können die Geräte als Sicherheit vorweisen“, erklärt Antonioli. 85 bis 90 Prozent des Einkaufs würden über Fremdkapital finanziert.

Auch beim nötigen Eigenkapital kommt das Start-up aber voran. Schon im vergangenen Jahr sind Coparion, Circularity Capital und Samsung Next als Gesellschafter eingestiegen,  zuvor hatte sich neben anderen die Commerzbank-Tochter Main Incubator beteiligt. Neben diesen Bestandsinvestoren bringt nun Augmentum Fintech plc. frisches Eigenkapital ins Unternehmen – sechs Millionen Euro investiert die britische Wagniskapitalfirma.

Geschäftskunden rücken in den Fokus

Das Geld soll außer in die Internationalisierung auch in den Ausbau des Geschäfts in Deutschland fließen. Ein Schwerpunkt dabei sind Geschäftskunden. Die Herausforderung: „Hier geht es oft um größere Stückzahlen, zudem sind Zusatzleistungen wie eine Gerätemanagementsoftware gefragt“, sagt Antonioli. Das aktuell schon über 80 Mitarbeiter große Team solle deswegen in dem Bereich verstärkt werden.

Alleine ist Grover auf dem Vermietmarkt nicht. Auf  Foto-Ausrüstung hat sich etwa das aus „Die Höhle der Löwen“ bekannte Start-up Gearflix spezialisiert. Sehr breit aufgestellt ist Otto Now – die Tochter des Versandhändlers bietet neben Elektrogeräten auch Möbel und Sportausrüstung an. Der Vorteil von Grover: Durch die Kooperationen mit Handelsketten ist das Start-up auch offline sehr stark vertreten.