Diese Woche startet der Gründerwettbewerb Gründen-Live. Mit dem Programm wollen Unternehmen die Gründerszene beleben und neue Ideen fördern.

Wenn Google, Volkswagen und E.ON gemeinsam zu einer Pressekonferenz einladen, dann haben sie entweder zusammen ein autonomes Elektroauto zu erschwinglichen Preisen erfunden – oder sie bieten einen Gründerwettbewerb an.

Bisher ist nur der Wettbewerb Realität. Seit dieser Woche können Gründer sich für Gründen Live registrieren, d­­em Förderwettbewerb der drei Unternehmen, der innovative Ideen unterstützen soll. Er zeigt, dass neben Google nun auch andere Unternehmen die Start-up-Szene ernster nehmen. Sie wollen neue Gründungen unterstützen – und die eigene Innovationskraft.

Der Wettbewerb Gründen-Live findet mittlerweile seit 2012 statt. Gründer, die bei dem Wettbewerb mitmachen wollen, brauchen ab diesem Jahr aber noch kein funktionierendes Geschäftsmodell in der ersten Runde. „Vier von fünf Gründungen scheitern in Deutschland in den ersten Jahren, weil die Geschäftsidee nicht gut ist oder nicht zu den Gründern passt“, sagt Christian Fenner, Geschäftsführer der Onlineagentur von digitaleheimat GmbH und Partner des Wettbewerbs zur Erklärung des Konzepts des Wettbewerbs. „Das liegt vor allem daran, dass kaum Fokus auf den Prozess vor der Gründung gelegt wird“, sagt Fenner. Das solle der Wettbewerb ändern.

Berlin braucht neue Ideen

In der ersten Runde können registrierte Nutzer auf der Plattform des Wettbewerbs von Juni bis September kostenlos an einem Online-Training der Stiftung Entrepreneurship teilnehmen. Dabei sollen sie unter anderem lernen, wie man für eine Gründeridee ein gutes Konzept entwickelt und diese pitcht. Dazu kommen Veranstaltungen und die Möglichkeit, Experten des Alexander von Humboldt Institutes für Internet und Gesellschaft (HIIG) Fragen zu Themen wie Recht und Geschäftsmodellen zu stellen.

In der zweiten Runde können Gründer anschließend ihre Idee den Mitbewerbern und der Öffentlichkeit vorstellen und damit am Wettbewerb teilnehmen. Bewertet werden die Ideen durch Reaktionen im Netz, wie zum Beispiel die Anzahl der Posts sowie durch die Bewertung einer Jury.

In dieser sitzen unter anderem Vertreter der ausschreibenden Unternehmen, aber auch erfolgreiche Gründer und Berater. Die 16 Gewinnerteams stehen im Oktober fest, werden auf der Entrepreneurship Summit in Berlin gekürt und gewinnen eine mehrtägige Gründungsfortbildung, auf der sie ihre Idee weiterentwickeln können.

„Nur mit neuem Input können wir Berlin weiter als Innovations- und Wissensstandort ausbauen, sagt Jan Pörksen, Geschäftsführer Existenzgründung und Unternehmensförderung bei der IHK Berlin. Die Berliner Start-up-Szene lebe von neuen Ideen, denn sie ziehe Gründer, Inkubatoren und Investoren an. Der Wettbewerb sei deshalb auch für die IHK Berlin als Berliner Unternehmensnetzwerk ein wichtiger Baustein, um neue Geschäftsideen zu unterstützen.

Die Unternehmen brauchen Innovationskraft

Ganz ohne Eigeninteresse ist das Engagement der Unternehmen nicht. Der Energiekonzern E.on vergibt beispielsweise an zwei Gründerteams, die eine gute Idee mit Energiebezug haben, Plätze in ihrem eigenen Accelerator-Programm. Volkswagen stand auch im vergangenen Jahr nach dem Wettbewerb mit mehreren der Start-ups im Kontakt, deren Ideen mit Mobilität zu tun hatte.

Eine davon war beispielsweise die Idee der Gründer von Manelec, ein junges Unternehmen, das Rollstühle mit einer Kraftunterstützung ähnlich wie einem E-Bike entwickelt und mittlerweile an einem Prototypen schraubt. „Wir wären in Deutschland ohne Innovationsgeist heute nicht dort, wo wir sind“, sagt Anders Sund Jensen von Volkswagen über die Teilnahme seines Unternehmens an dem Wettbewerb. „Aber Erfolg macht auch müde.“ Dabei soll Gründen-Live helfen. „Das ist das, was Deutschland vor mehr als hundert Jahren ausgemacht hat, und dahin müssen wir wieder zurück.“

Den Wettbewerb Gründen-Live gibt es bereits seit 2012, hieß aber früher Gründer-Garage. Im vergangenen Jahr wurden über 800 Ideen eingereicht. Trainings-Partner des Wettbewerbs sind die Stiftung Entrepreneurship, das Alexander Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft, die IHK Berlin und des Netzwerkes KPMG.