Mit Augmented Reality will das bayerische Start-up die Pharmaindustrie voranbringen. Die Anwendung ist auch für andere Branchen interessant.

Per Datenbrille oder Tablet führt Goodly Innovations die Mitarbeiter von Pharma-Unternehmen an Aufgaben heran: Das System gibt über virtuelle Einblendungen im Sichtfeld eine Anleitung für die richtige Wartung und Einstellung der Maschinen. Wird etwa eine Verpackungsanlage auf ein neues Medikament umgestellt, zeigt die Software, welche Schritte notwendig sind.

Die Ziele: Neue Mitarbeiter oder Aushilfskräfte sollen so einfacher und schneller eingearbeitet werden, Stillstand von Anlagen reduziert werden. Außerdem verspricht Gründer und Geschäftsführer Robert Hoffmeister, die bisher meist händischen Prozesse mit Hilfe von sogenannter Augmented Reality (erweiterte Realität) deutlich zu beschleunigen: „Mit Optiworx unterstützen wir die Mitarbeitenden, bis zu 50 Prozent Produktivitätsreserven freizusetzen.“

Mehrere Investoren konnte das 2016 gegründete Unternehmen aus der Nähe von München damit überzeugen. Der Risikokapitalgeber Bayern Kapital, Tochter der LfA Förderbank Bayern, sowie die BayBG Bayerische Beteiligungsgesellschaft und zwei Business Angels stecken 1,5 Millionen Euro in das Start-up. Die junge Firma mit derzeit neun festangestellten Mitarbeitern will damit die Integration ihrer Anwendung bei Geschäftskunden vorantreiben – etwa in SAP oder Produktionssysteme wie die MES („Manufacturing Execution Software“). Außerdem soll das Team in nächster Zeit um mehr als zehn Personen wachsen.

Aufwendige Anpassung an Sicherheitsanforderungen

Augmented Reality ist bereits in vielen Branchen im Einsatz. Im Pharma-Bereich ist laut Firmengründer Hoffmeister spezielles Know-how gefragt: „Installation und Abnahme unseres Systems sind sehr aufwendig und werden mit vielen Protokollen begleitet, um sicherzustellen, dass sowohl alle regulatorischen Anforderungen, als auch die Sicherheitsanforderungen unserer Kunden zutreffen“, sagt er im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer.

Mit fünf der weltweit größten Pharma-Konzerne liefen derzeit erste Pilotprojekte, so Hoffmeister. Namen nennt er nicht. Insgesamt neun zahlende Kunden habe Goodly Innovations bereits gewonnen, im Einsatz sei das System etwa bei Vifor Pharma mit Sitz in der Schweiz. Denkbar sei zwar, in Zukunft auch in andere Branchen vorzudringen, vorerst stehe aber die Anwendung im Pharma-Bereich im Vordergrund.

Wachstum aus eigener Kraft

Künftig will die junge Firma ohne weitere Kapitalspritzen auskommen: „Der Betrag soll als einzige Finanzierungsrunde ausreichen, da wir schon zahlende Kunden haben und künftig aus eigenen Umsätzen wachsen wollen“, sagt Hoffmeister. Auf dem weiteren Wachstumskurs könnte die Personalsuche zum Problem werden. Das Start-up sieht sich derzeit auf Fachmessen und Kongressen nach qualifizierten Kräften um, die Prozessverständnis aus dem Pharma-Bereich mit Technologie-Know-how verbinden.

Goodly Innovations steht als Übernahmekandidat im Fokus: „Wir hatten bereits konkrete Übernahmeangebote, haben diese aber abgelehnt, da wir uns nicht zu eng binden wollten“, so Hoffmeister. „Dennoch ist uns bewusst, dass unsere Investoren in Richtung eines möglichen Exits schauen.“ Mit virtueller oder erweiterter Realität experimentieren viele Start-ups: So arbeiten etwa Inreal Technologies und Vuframe an 3D-Simulationen. Die Firma Insider Navigation entwickelt Navigations-Apps, die in Gebäuden den Weg weisen, und Inflight VR bringt Headsets ins Unterhaltungsprogramm in Flugzeugen.