Johannes Rellecke ist einer der Mitgründer des Fashionlabels Liebeskind. (Foto: PR)

Johannes Rellecke ist einer der Mitgründer des Fashionlabels Liebeskind.
(Foto: PR)

Liebeskind-Gründer Johannes Rellecke: „Jede Gründung ist hart“

Zusammen mit seinem Zwillingsbruder Julian Rellecke und seinem Studienkollegen Semih Simsek hat Johannes Rellecke (38) das Taschen- und Modelabel Liebeskind gegründet. In Berlin gestartet hat Liebeskind heute Stores in zwölf Ländern. Seit Jahresanfang gehört die Marke zum s.Oliver Konzern. Die Gründer sind noch bis Jahresende als freie Berater tätig. Als neue Aufgabe haben sie sich unter anderem gesetzt, junge Gründer zu unterstützen.

Herr Rellecke, was hat Sie zum Gründen motiviert?
Sehr früh in meiner Karriere habe ich gemerkt, dass ich nicht zum klassischen Angestellten tauge. Ich habe BWL studiert und wollte nie nur ein kleines Rädlein mit wenig Wirkungsgrad in einem Riesenkonzern sein. Während aller Jobstationen, zum Beispiel bei Daimler Chrysler und in Beratungsagenturen, hatte ich sehr schnell das Gefühl: „Das kann man doch eigentlich viel besser und viel schneller selbst machen.“ Das wollte ich dann schließlich auch beweisen.

Worin sehen Sie Ihre persönlichen Erfolgsgeheimnisse und was davon können Sie anderen Gründern raten?
Wir hatten immer große Ziele und wollten mitunter „hoch hinaus“. Aber zu jedem Zeitpunkt war uns klar, dass man dafür sehr hart arbeiten muss. Das haben wir dann kompromisslos getan. Komponenten unserer Erfolgsformel sind sicher zudem: gesunder Realismus, Innovationskraft und Gefühl für Marke und Menschen. In der Modebranche gilt: Ein emotionales Händchen für den Markt hat man oder man hat es nicht. Den Umgang mit Mitarbeitern, den kann man hingegen trainieren.

Wie oft hätten Sie am liebsten alles hingeschmissen und was haben sie gemacht, um dann wieder Mut zu fassen?
Jede Gründung ist hart und sicherlich habe ich einige Male genervt über das Hinschmeißen nachgedacht. Allerdings war ich nie restlos verzweifelt. Ich habe immer sehr schnell wieder das Potential gesehen und wieder angegriffen. Wer zu 100 Prozent von seiner Idee überzeugt ist, agiert außerhalb normaler Schmerzgrenzen.

Was würden Sie selbst noch einmal genauso machen, was auf jeden Fall ganz anders?
Genauso machen würde ich einen Großteil. Zum Beispiel würde ich meinen Mitarbeitern wieder früh Verantwortung übertragen und ihnen Freiräume zur Entfaltung einräumen. Aber in einer Vielzahl von operativen Fragen wird man ganz selbstverständlich schlauer. Heute würde ich mich mit unliebsamen Themen wie dem optimalen IT-System früher und intensiver beschäftigen. Sich dem Produkt und der Markenstrategie widmen, macht größeren Spaß. Doch irgendwann muss man den Hebel umstellen und Strukturen und Prozesse aufbauen. Wenn man das zu spät macht und das Unternehmen schon wächst, läuft man immer hinterher.

Vor welchen Fehlern und Fallstricken würden Sie künftige Gründer warnen wollen?
In der Anfangseuphorie neigt man dazu, Entscheidungen zu schnell und teilweise unsauber zu treffen. So nimmt man sich bei der Auswahl wichtiger Partner oder Dienstleister in der Regel zu wenig Zeit. Darüber hinaus tendiert man als junger Unternehmer dazu, zu viele Dinge gleichzeitig umsetzen, zum Beispiel zu schnell international expandieren zu wollen und dabei mehrere Länder gleichzeitig anzustreben. Das überfordert schnell die Organisation und das Team. Wachstum ist wichtig, aber man muss versuchen, alle Bereiche mitzuziehen und die Organisation stabil zu halten.

Wie bereitet man sich Ihrer Meinung und Erfahrung nach am Besten auf eine Gründung bzw. eine Selbstständigkeit vor?
Wir sind sehr oft immer Hals über Kopf in alles herein marschiert. Das hat auf der einen Seite alles möglich gemacht, hat aber nicht immer nur geholfen. Heute würde ich in der vorgelagerten Planung etwas genauer hinsehen. Doch vor allem Anderen steht das „ANFANGEN“!

Welchen Satz würden Sie Menschen, die gerade erwägen, ein Unternehmen zu gründen, mit auf den Weg geben wollen?
Greift an! Ich wünsche euch viel Erfolg, Kraft und Durchhaltevermögen – es lohnt sich!