Horst Müller-Peters hat einst das Marktforschungsinstitut Psychonomics gegründet. Heute ist er Professor in Köln. (Foto: FH Köln)

Horst Müller-Peters hat einst das Marktforschungsinstitut Psychonomics gegründet. Heute ist er Professor in Köln.
(Foto: FH Köln)

Psychonimics-Gründer Horst Müller-Peters (heute YouGov Deutschland): „Mit dem Gründen ist es wie mit dem Kinderkriegen“

Horst Müller-Peters gründete 1991 mit drei Studienkollegen das Marktforschungsinstitut Psychonomics. Es sollte Markt- und Meinungsforschung mit besonderem psychologischen Knowhow verbinden. 16 Jahre später hatte das Unternehmen mehrere Tochtergesellschaften (zum Beispiel Great Place to Work Germany und ServiceRating), war zu einer Aktiengesellschaft geworden und bekam verschiedene Übernahmeangebote. Die Gründer verkauften 2007 an das englische Marktforschungsinstitut YouGov. Heute kennt man Psychonomics nur noch als YouGov Deutschland. Müller-Peters hat anschließend ein Onlineportal für Marktforschung gegründet. Zudem hat er eine Professur für Versicherungsmarketing an der Fachhochschule Köln inne.

Herr Müller-Peters, was hat Sie zum Gründen motiviert?
Den Wunsch hatte ich schon immer. Bereits Vater war selbstständig; er hatte eine kleine Firma für Zahnräder. Dass wir dann direkt von der Uni gegründet haben, da bin ich eher reingerutscht. Meine Mitgründer und ich haben damals während unserer Promotion Organisations- und Marktpsychologie gelehrt und bei kleinen Praxisprojekten zum Kundenverhalten festgestellt, dass sich daraus ein Unternehmen machen lässt.

Worin sehen Sie Ihre persönlichen Erfolgsgeheimnisse und was davon können Sie anderen Gründern raten?
Man muss fachlich gut sein und das mit sehr hohem Engagement und einer gewissen Qualitätsbesessenheit verbinden. Dabei braucht man vor allem absolute Kundenorientiertheit. Wenn man wie wir im Dienstleistungsbereich unterwegs ist und keine großen technischen Anschaffungen benötigt, würde ich immer raten, den Ball finanziell flach zu halten. Wer seine Zeit nicht mit Finanzierung, Investoren, Fördertöpfen und ähnlichem vertrödelt, kann sich voll auf den Markt konzentrieren.

Wie oft hätten Sie am liebsten alles hingeschmissen und was haben sie gemacht, um dann wieder Mut zu fassen?
Dass einer von uns gesagt hat, jetzt reicht’s, kam nie vor. Aber klar gab es Durststrecken, gerade am Anfang. Wir haben dann bei den ersten Kontakten, die wir hatten, sehr genau hingehört, was die Kunden erwarteten. Später gab es durch Weiterempfehlungen einen Schneeballeffekt, der zu schnellem und dauerhaftem Wachstum führte.

Was würden Sie selbst noch einmal genauso machen, was auf jeden Fall ganz anders?
Heute würde ich den Markt vorher besser analysieren, mehr mit potenziellen Kunden und Experten vorab sprechen. Wir waren damals etwas blauäugig. Was ich hingegen auf jeden Fall wieder genauso machen würde, ist ein sehr transparentes Finanzsystem zu installieren. Wir konnten stets bei jedem Projekt, jedem Kunden und jedem Geschäftsbereich die Kosten und Erträge erkennen. Das heißt noch nicht, dass man jedes aktuell unprofitable Projekt ungeachtet der Zukunftsperspektive direkt rausschmeißt. Aber man sollte zumindest immer den Überblick haben, wie die Ergebnisse aussehen.

Vor welchen Fehlern und Fallstricken würden Sie künftige Gründer warnen wollen?
Bei Team-Gründungen: Streit und Konkurrenz zwischen Gründern. Das habe ich bei anderen oft erlebt. Solcher Streit bremst die Energie und lenkt sie nach innen statt nach außen. Zudem würde ich vor Selbstüberschätzung warnen. Ein bisschen überoptimistisch muss man sein; sonst fängt man nicht an. Aber viele Gründer denken, sie haben die eine Idee, auf die die Welt wartet, und bedenken nicht, dass die Zielgruppe vielleicht ganz anders denkt oder dass die Konkurrenz sich anpassen wird. Und man sollte nicht nur auf ein Pferd setzen und das unbedingt ins Ziel bringen wollen. Angenommen, man hat drei Projekte begonnen und sich zum Ziel gesetzt, jedes solle im Jahr 100.000 Euro erzielen. Wenn dann eines 150.000 einbringt und eines 50.000, dann sollte man nicht auf dem toten Pferd weiterreiten, sondern das gute vorantreiben. Wir haben anfangs zum Beispiel verschiedene Zielgruppen anvisiert und uns dann auf die Finanzbranche konzentriert.

Wie bereitet man sich Ihrer Meinung und Erfahrung nach am Besten auf eine Gründung beziehungsweise eine Selbstständigkeit vor?
Gründer müssen sich im Markt, in dem sie sich tummeln wollen, gut auskennen und notfalls reinarbeiten. Neben der Fachkenntnis sollten sie sich vorher eine Portion Grundwissen in BWL, Marketing- und Öffentlichkeitsarbeit aneignen. Bei Team-Gründungen ist es auch enorm hilfreich, vorher festzulegen, wer welche Aufgaben hat und wer was entscheiden darf beziehungsweise wie man über Entscheidungen abstimmt. Dass bei uns jeder seine klar umrissenen Aufgaben und Rollen hatte, war ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Welchen Satz würden Sie Menschen, die gerade erwägen, ein Unternehmen zu gründen, mit auf den Weg geben wollen?
Nicht nur davon reden, sondern es machen. Mit dem Gründen ist es wie mit dem Kinderkriegen: Den richtigen Zeitpunkt gibt es nie.