Das Gutschein-Portal übernimmt für viele Millionen Euro eine französische Digitalfirma. Gemeinsam will man das lukrative Feld der Cashback-Anbieter angreifen.

Im Radisson-Hotel übernachten? Das gibt fünf Prozent der Rechnungssumme zurück. Ein ähnliches Angebot gibt es für den Online-Shop von Tchibo, noch etwas mehr Geld zurück lockt bei einem Einkauf bei Modehändler About You. Knapp 1500 Partnershops hat das Start-up iGraal auf seiner Seite. Die bezahlen nach einem erfolgten Kauf eine Provision an das Digitalunternehmen – und das leitet einen Teil davon an die Nutzer weiter.

Dieses sogenannte Cashback-Prinzip bieten in Deutschland auch Portale wie Shoop, Getmore oder Aklamio an. Mit einem ähnlichen Konzept arbeitet Branchenriese Payback: Hier sammeln Kunden beim Einkauf Punkte, die sich dann in Sachprämien oder Gutscheine eintauschen lassen. In diesem Markt will jetzt auch die deutsche Global Savings Group (GSG) mitmischen. Die wurde 2012 mit Hilfe von Rocket Internet angeschoben – und verdient aktuell vor allem Geld mit der Vermittlung von Gutscheinen und Spezialangeboten, die für Medienhäuser zusammengesucht wird.

Hohe Millionensumme auf dem Weg zum Marktführer

Nun übernimmt die Global Savings Group das französische Start-up iGraal. Die meisten Unternehmen würden für ihre Marketingbudgets sowohl auf Gutscheine als auch auf Cashback-Programme setzen. „Wenn wir da Marktführer sein wollen, müssen wir dieses Segment auch bedienen können“, sagt GSG-Chef Gerhard Trautmann im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Ende 2018 hatte die Gruppe bereits den britischen Schnäppchen-Anbieter Pouch übernommen, um das Angebot auf breitere Füße zu stellen.

Den aktuellen Deal lässt sich das Digitalunternehmen einiges kosten. Neben 35 Millionen Euro in Barmitteln erhalten die iGraal-Gesellschafter noch Anteile. Der Gesamtwert der Transaktion bewege sich so „nördlich von 120 Millionen Euro“, sagt Trautmann. Im Dezember 2019 hatte GSG eine Finanzierung über zwölf Millionen Euro eingesammelt – ein Großteil davon fließt nun in die Übernahme. Daneben arbeitet das Digitalunternehmen mit aktuell 400 Mitarbeitern bereits seit einigen Jahren profitabel.

Die Hoffnung des Unternehmens: Über die große Reichweite der GSG, die Portale in 20 Ländern betreibt, könnten neue Kunden für das Cashback-Angebot gewonnen werden. Gleichzeitig könne man den Nutzern so unter Umständen auch dann etwas anbieten, wenn es kein Gutschein gibt: „So können wir den Nutzern im entscheidenden Moment etwas relevantes ausspielen“, sagt Trautmann. Statt einem Zwei-für-eins-Angebot bei einem Händler könnte sie dann etwa ein paar Prozente Rückgeld bei einem Einkauf erhalten.

Markenstrategie ist noch in Arbeit

Aktuell ist iGraal mit einem eigenen Angebot auf dem deutschen Markt unterwegs. Ob das unter dieser Marke auch in Zukunft passieren wird, ist noch nicht klar. In den nächsten Monaten solle sich die Strategie hier entscheiden, so Trautmann: „Pro Markt, werden wir eine individuelle Markenentscheidung für das Thema Cashback treffen – auch um Vertrauen bei unserer relevanten Zielgruppe aufbauen zu können.“

Der Manager ist optimistisch, dass auf dem Markt noch jede Menge Platz für Wachstum ist. Im Fokus steht vor allem der Online-Einkauf. Aber auch Payback fährt hier seit einiger Zeit seine Aktivitäten hoch – bei Tchibo oder About You lassen sich beispielsweise auch virtuell Payback-Punkte sammeln. „Wir legen den Fokus auf den direkten Cashback“, sagt Trautmann. Langfristig könnte zudem die Datenbasis an Wert gewinnen: Viele Schnäppchenjäger würden über viele Jahre hinweg über die Programme shoppen – die Erkenntnisse sind auch für Handel und Produzenten von großem Interesse.