Die Löwen waren sich einig: Hier steht ein Gründertraum. Jennifer Baum-Minkus hatte die Qual der Wahl. Sie wählte Judith Williams – doch der Deal platzte. 

„Weltklasse“. „Ein Gründertraum“: In der heutigen Folge von “Die Höhle der Löwen” überschlug sich die Jury nur so vor Begeisterung. Der Grund: Jennifer Baum-Minkus. Die 35-jährige Berlinerin möchte mit ihrem Start-up Gitti die Nagellackwelt revolutionieren. Weil der Großteil der Produkte auf dem Markt in Verdacht steht gesundheitsschädigend zu sein und Schildläuse und Fischschuppen als Farbpigmente einzusetzen, bastelte sie eineinhalb Jahre an einer Alternative – basierend auf natürlichen Inhaltsstoffen, vegan und tierversuchsfrei. Die Farben bestehen zu 55 Prozent aus Wasser, gemischt mit Tonmineralien, Konservierungsstoffen und Farbpigmenten.

Um das Unternehmen weiter aufzubauen suchte Baum-Minkus in der aktuellen Staffel der Sendung nach einem strategischen Partner und bot dafür acht Prozent ihres Unternehmens für  300.000 Euro. Mit Erfolg: Alle Löwen willigten in ihr Angebot ein. Die Gründerin entschied sich für Judith Williams, doch zu einem Deal kam es nach der Aufzeichnung nicht, wie Jennifer Baum-Minkus im Interview verrät.

Frau Baum-Minkus, mit Ihrem Auftritt haben Sie DHDL-Geschichte geschrieben: Jeder der Löwen wollte in Ihr Start-up investieren. Das gab es so noch nie. Hatten Sie von Anfang an einen Favoriten?
Eher eine Favoritin: Judith Williams verfügt im Beauty-Bereich einfach über eine absolute Expertise und war daher meine erste Wahl was den Produktbereich angeht.

Dennoch haben Sie sich zurückgezogen, statt sofort zuzuschlagen… 
Ich wollte mich mit Mirko Casper beraten, der Geschäftsführer bei dem Online-Optiker Mister Spex ist, und als Business Angel für Gitti fungiert. Dabei entstand auch die Idee noch ein extra Ticket anzubieten.

Eine Idee, auf die Dagmar Wöhrl eingegangen ist. Wie läuft denn aktuell die Zusammenarbeit mit den beiden Löwinnen? 
Nach regem Austausch mit Judith Williams ist der Deal mit ihr aus den unterschiedlichsten Gründen leider nicht zu Stande gekommen und so wurde auch der Gesamtdeal, an dem Dagmar Wöhrl beteiligt gewesen wäre, nicht umgesetzt.

Woran ist es gescheitert?
Dazu möchte ich nichts sagen, das haben wir so vereinbart. Ich kann nur betonen, dass ich Judith weiterhin für eine absolute Expertin halte und ich mich freue, dass ich eine so starke Frau kennen lernen durfte. Wir sind nach wie vor im Austausch.

Die Sendung mit Ihrem Pitch wurde ja bereits vor ein paar Monaten aufgezeichnet. Was ist seitdem bei Gitti passiert? Sie haben gegenüber den Löwen angedeutet, dass Sie neue Produkte entwickeln wollen. Wie ist der Stand?
Zurzeit konzentrieren wir uns noch auf die Nagelfarbe und den natürlichen Entferner. Hinzu kam vor kurzem auch ein Pflegeprodukt für die Nägel. Aber wir wollen ja die ganze Branche revolutionieren, daher arbeiten wir auch bereits an neuen Produktkategorien.

In welchen Ländern verkaufen Sie Gitti aktuell?
Wir sind hauptsächlich im DACH-Markt aktiv und hier ist Deutschland unser stärkster Markt. Durch Social Media bauen wir aber eine internationale Marke auf und vertreiben unsere Produkte auch bereits in viele anderen europäischen Länder, wie Frankreich, Italien und Spanien. Zudem gibt es Anfragen aus den USA und Asien.

Mittlerweile gibt es einige andere Anbieter, die auf ein vergleichbares Konzept wie Gitti setzen. Ist der Markt groß genug für alle?
Ja, das stimmt, es gibt ein paar tolle andere kleine Marken, aber wir sehen sie nicht als Konkurrenz, weil alle dazu beitragen den bewussten Umgang mit Beauty Produkten voran zu treiben. Das ist wichtig und freut uns sehr, denn wir sehen uns als Teil einer Bewegung. 

Gitti ist – verglichen mit den Nagellacken herkömmlicher Marken – recht teuer. Ist das ein Angebot für Besserverdienende?
Es ist ja eine generelle Entscheidung, ob man bereit ist für nachhaltige Kosmetik oder andere nachhaltige Produkte mehr zu zahlen. Wir legen sehr viel Wert auf die Inhaltsstoffe und unsere Produktion findet in Europa statt. Das Etikett ist auf Zuckerrohrbasis, wir arbeiten täglich auch daran unsere Verpackung noch nachhaltiger zu machen. Das alles kostet Geld, aber wir merken, dass immer mehr Leute genau darauf wert legen und bewusst konsumieren.

Sie haben eine sichere Angestelltenstelle bei Coca-Cola aufgegeben, um zu gründen. Damit sind Sie eine von wenigen Frauen in der Start-up-Szene. Wie erleben Sie diese Welt?
Ich fühle mich sehr wohl und habe immer das Gefühl, dass ich ganz viel Support bekomme. Gründer*innen unterstützen sich gegenseitig sehr. Was die Investoren angeht, habe ich ebenfalls größtenteils positive Erfahrungen gemacht. 

Größtenteils?
Ich werde nie vergessen, wie ich bei einem Pitch zunächst viel Respekt und Anerkennung für meine Idee und unsere bisherigen Erfolge bekommen habe. Soweit alles super. Aber dann kam die Frage: Wann wirst Du denn schwanger? Diese wurde sofort zurück genommen, aber trotzdem hat es gezeigt in welche Richtung die Gedanken gehen. Einen Mann würde man wahrscheinlich nicht fragen: Wann willst du denn Vater werden?

Verraten Sie uns am Ende noch, wer Ihnen noch vor dem Start Ihres Unternehmens ein Kauf-Angebot gemacht hat?
Ein sehr erfahrenes und erfolgreiches Team aus dem Berliner Start-up Umfeld – mehr kann ich dazu aber leider nicht sagen.

Das Angebot scheint ja sehr lukrativ gewesen zu sein. Hand aufs Herz: Gab es nach der Gründung mal einen Moment, in dem Sie bereut haben, es nicht angenommen zu haben?
Nein, zu keinem Zeitpunkt.