Das Hebammen-Start-up Kinderheldin kooperiert mit einer großen Versicherung. Auch Teleclinic kann zum Jahresanfang neue Partnerschaften verkünden.

Das Baby mag nicht trinken, das Baby schläft nicht ein: Für besorgte Eltern will das Berliner Start-up Kinderheldin da sein – und via Chat oder Telefon den direkten Kontakt zu einer Hebamme herstellen. Wie viele andere Gesundheits-Start-ups steht aber auch Kinderheldin vor der Frage, wie und von wem diese Dienstleistung bezahlt werden soll. Gegenüber dem Verbraucher rechnet das 2017 vom Company Builder Heartbeat Lab initiierte Unternehmen pro Anruf oder über eine monatliche Flatrate ab.

Um die Masse zu erreichen, müssen jedoch Kooperationen mit Klinikketten oder Krankenkassen her. Einen großen Meilenstein kann Kinderheldin jetzt verkünden: Die Barmer übernimmt die Kosten für werdende oder junge Elternpaare. Im vergangenen Oktober hatte bereits die R+V BBK eine zeitlich begrenzte Unterstützung für ihre Mitglieder übernommen.

Das Beispiel zeigt: Die deutschen Krankenkassen werden offensiver, wenn es um die Einbindung von Gesundheits-Start-ups geht. Sie verantworten und verteilen große Teile des deutschen Budgets im Gesundheitswesen – und sind damit heiß begehrte Ansprechpartner für Start-ups. Die Kooperation mit einer gesetzlichen und privaten Versicherung beschert den Healthtechs nicht nur einen einfacheren und kostengünstigeren Zugang zu einer Vielzahl von Kunden, sondern bringt oft auch noch einen Vertrauensvorschuss, den sich die jungen Start-ups ansonsten mühsam erarbeiten müssen.

Digitaler Kontakt zum Arzt ist erlaubt

Umso größer die Freude bei vielen Digitalunternehmen, wenn die Kooperation zustande kommt. Auch das deutsche Telemedizin-Start-up Teleclinic gab in dieser Woche bekannt, mit der Nürnberger und der Württembergischen zwei weitere Krankenkassen überzeugt zu haben, digitale Arztbesuche und elektronische Rezepte zu erstatten.

Dieses Modell, bei dem Ärzte über Videochat zur Sprechstunde bereitstehen, war lange Zeit durch die Ärzteschaft selbst blockiert – das sogenannte Fernbehandlungsverbot wurde im vergangenen Frühsommer jedoch gelockert. Seitdem arbeiten Teleclinic und Konkurrenten wie Fernarzt.com, DrEd oder das schwedische Start-up Kry an einer zügigen Ausbreitung im deutschen Gesundheitswesen.

Mit einigem Erfolg: Nach eigenen Angaben zählt etwa Teleclinic mitsamt der neuen Kooperationen über Verträge mit acht privaten und vier gesetzlichen Krankenkassen – und zählt so neun Millionen Menschen in Deutschland, die theoretisch die digitale Sprechstunde ohne eigene Zuzahlung nutzen könnten. „Viele Dinge sind heute digital möglich – da darf der Arztbesuch nicht außen vor bleiben“, sagt Teleclinic-Geschäftsführerin Katharina Jünger.