Oculus Rift gegen HoloLens, Facebook gegen Microsoft – zwei Systeme kämpfen um den Spielemarkt. Und um Milliardenumsätze – auch auf der Gamescom, die am Donnerstag beginnt.

Von Thiemo Bräutigam

Durch ferne Galaxien rasen, feindliche Sternenflotten jagen, in 3-D und verblüffend realistisch – Spiele in der virtuellen Realität (VR) sind für die einen das nächste große Ding. Die anderen schwören auf die erweiterte Wirklichkeit, die Augmented Reality (AR), als nächstes Groß-Thema: Wenn plötzlich das digitale Monster in der Fußgängerzone hinter dem Brunnen hervorspringt. Oder ein Wolkenkratzer auf dem Schreibtisch emporwächst.

Jeder, der in der Szene Rang und Namen hat, schließt sich derzeit einem der beiden Lager an. Um dabei zu sein, beim Vorstoß in die nächste Spieledimension. An der Spitze der beiden Bewegungen stehen zwei mächtige Konzerne. Da ist einmal Facebook, dessen Gründer Mark Zuckerberg voll auf VR setzt und Anfang 2014 für zwei Milliarden Dollar das Datenbrillen­projekt Oculus Rift übernommen hat. Nun soll sie Anfang 2016 für geschätzte 400 bis 500 Dollar auf den Markt kommen, benötigt zusätzlich aber noch einen leistungsfähigen PC. Sie schottet alle Umwelteinflüsse ab und verspricht ein völlig neues, intensives Spielerlebnis.

Neben Facebook bieten auch Sony und Samsung VR-Brillen an. Der taiwanesische Hersteller HTC präsentiert auf der gerade stattfindenden Kölner Spielemesse Gamescom sein Modell Vive.

Auch Google mischt mit

Für Microsoft-Chef Satya Nadella droht die Oculus das eigene Spielegeschäft zu gefährden. Er kontert mit der AR-Brille HoloLens. Sie projiziert ins Blickfeld des Nutzers Hologramme, etwa Klötzchen-Bauten aus Minecraft, einem der beliebtesten Videospiele der Welt.

Nadella hat es für 2,5 Milliarden Dollar vor einem Jahr gekauft – auch um einen populären Titel für die HoloLens anbieten zu können. Bekanntester Mitbewerber im Bereich der AR ist Google Glass.

Für die HoloLens steht noch kein Verkaufstermin fest. Entwickler sollen nächstes Jahr eine Vorabversion bekommen. Daher werden AR-Systeme, bis sie bezahlbar und nutzerfreundlich sind, „noch etwas Zeit brauchen“, meint Avni Yerli, Chef des Frankfurter Spieleentwicklers Crytek. Die Oculus könnte bereits in den kommenden Jahren massenmarkttauglich werden.

Letztlich hängt der Erfolg der Systeme von Zahl und Beliebtheit der angebotenen Spiele ab. Angesichts vieler angekündigter Titel für die Oculus scheint Facebook im Vorteil zu sein. Zumal Facebook sich darauf vorzubereiten scheint, künftig beide Systeme zu verschmelzen. Jedenfalls hat der Konzern schon mal Surreal Vision übernommen. Die britische Firma ist ein Spezialist für gemischte Realitäten, indem sie die echte Welt in die virtuelle überträgt.

Microsoft-Chef Nadella weiß um den Rückstand und positioniert die HoloLens daher nicht mehr allein als Spielgerät: Unternehmen sollen die Brille ebenfalls nutzen, etwa um Servicetechniker durch die Reparatur einer Maschine zu führen.