Und an manchen Stellen schob der Vizeknazler die Verantwortung zu schnell von sich. „Wir brauchen eine neue Gründerzeit“, sagte er – eine Phrase, die Politiker nun seit Jahren bemühen. Gabriel forderte dafür mehr Engagement von den Großunternehmen. „Wo sind die Dax-Konzerne, wenn es um Investitionen in Start-ups geht?“, fragte der Wirtschaftsminister in die Runde. Die Bundesregierung habe bereits einen Wachstumsfonds von 500 Millionen Euro aufgelegt. Die Unternehmen müssten dasselbe machen.

Doch der SPD-Vorsitzende machte es sich zu einfach. Denn Gabriel verschwieg einen wichtigen Fakt: 500 Millionen Euro werden kaum weiterhelfen – Start-ups wie Delivery Hero sammeln solche Summen auf einen Schlag ein. Der Start-up-Szene dürfte das nicht entgangen sein.

Martin Schulz auf der Noah-Konferenz.  (Foto: Lisa Hegemann)

Martin Schulz auf der Noah-Konferenz.
(Foto: Lisa Hegemann)

Immerhin: Einig waren sich alle in dem Punkt, dass sich etwas ändern muss, dass es mehr Förderung braucht. „Es ist Zeit, etwas zu unternehmen“, forderte etwa Martin Schulz. Er kritisierte Monopolisten aus Amerika, sprach über das Thema Datenschutz und einen eigenen europäischen Ansatz des Internets. Doch klare Lösungsansätze blieb auch der EU-Parlamentspräsident schuldig. Er erklärte vor allem, was er nicht will: „Mein Ziel ist es nicht, künstliche Grenzen zu errichten“, sagte er an einer Stelle. Und: „Es soll kein europäisches Internet geben.“ Die Unternehmen sollten vielmehr daran mitwirken, dass Europa das Web mit forme. Wie, das verriet auch er nicht.

Dass ein Vortrag auch konkrete Lösungsvorschläge enthalten kann, zeigte dann aber doch noch Sigmar Gabriel. Als der SPD-Vorsitzende darüber referierte, dass auch Start-ups mit zu Wirtschaftsdelegationen gehören, dass auch sie mit in neue Märkte wie China oder Lateinamerika reisen sollten, ließ er den Satz fallen: „Wir haben in unserem Flugzeug nicht nur Platz für 30 Dax-Konzerne.“ Er blickte fast überrascht auf, als daraufhin Gelächter aus dem Zuschauerraum kam. Und lächelte dann selbst. Er hatte das Publikum erreicht.