Eine Teilschuld daran trägt sicherlich die Art der Vortragskultur. Denn Politiker ließen sich auf der Noah-Konferenz leicht erkennen: Sie trugen Anzug und Krawatte, sie begannen ihre Vorträge mit „Sehr geehrte Damen und Herren“ und sie wichen während ihrer Rede keinen Millimeter vom Rednerpult oder ihrem vorbereiteten Text ab. Während die Start-ups und die Konzern-Manager Präsentationen mitbrachten und sich auf der Bühne bewegten, setzten Sigmar Gabriel, Günter Oettinger und Martin Schulz auf die altbewährte Vortragskultur des Bundestags beziehungsweise Europäischen Parlaments: Frontalrede.

„Unsere Enkel werden darüber lachen“

Aber es war nicht nur die Präsentation, die den Unterschied machte. Auch Eric Schmidt stand fast unbeweglich am Rednerpult. Doch er erzählte anschauliche Beispiele aus dem Alltag, sogar aus der Zukunft, als er über das fahrerlose Google-Auto sprach. „Wenn unsere Enkel in einem Theater wie diesem sitzen und sich einen Film anschauen und der Hauptdarsteller steigt in ein Auto hinter das Lenkrad“, sagte Schmidt, „werden unsere Enkel darüber lachen.“ Er hätte auch einfach sagen können: In Zukunft werden alle mit unseren Autos fahren. Doch sein Beispiel zeichnete ein anschaulicheres Bild.

Die Politiker hingegen hangelten sich an allgemeinen Phrasen und unspezifischen Forderungen entlang. Oettinger etwa berichtete, dass es immer noch zu wenig Wagniskapital in Europa gebe, dass es zu lange dauere um einen Deal abzuschließen. Er sprach – übrigens in grammatikalisch akzeptablem Englisch – vom European Investment Plan, der bis 2020 315 Milliarden Euro zur Verfügung stellen soll. Auch Martin Schulz erwähnte diesen am Mittwoch in seinem Vortrag.

EU-Digitalkommissar Günther Oettinger. (Foto: Lisa Hegemann)

EU-Digitalkommissar Günther Oettinger.
(Foto: Lisa Hegemann)

Doch wie der Plan genau helfen soll, wie Start-ups davon profitieren, wie sie an die Gelder herankommen sollen, blieb in beiden Vorträgen höchstens vage. Und: Die Politik braucht zu lange, um ihre Versprechen in die Tat umzusetzen. 2020 ist weit weg. Die meisten heute gegründeten Start-ups werden der Statistik zufolge nicht einmal die kommenden drei Jahre erleben, geschweige denn die kommenden fünf.

Gabriel versuchte es am Mittwoch konkreter, als er über Finanzierungen sprach. Er erwähnte den Exit von 6Wunderkinder, er forderte mehr Börsengänge wie den von Zalando (Rocket Internet ließ er übrigens unerwähnt). Doch auch der SPD-Mann gab nur wieder, was auch die Start-up-Szene aus den Medien weiß. Wenn es um das Wie geht, konnte auch er keine neuen Ansätze vorweisen.