Das Start-up will Mittelständlern mit seiner Cloud-Software zu ansprechenden Online-Auftritten verhelfen – und den Programmieraufwand drastisch reduzieren.

Hier der Teaser für ein bestimmtes Produkt, dort eine Box mit den Bestsellern – und darunter ein Imagevideo: Wenn E-Commerce-Unternehmen nicht auf die Standardvorlagen ihres Systems vertrauen wollen, müssen sie viel Zeit und Geld in die Hand nehmen. „Da kommen oft schon für kleine Anpassungen Hunderte Projekttage zusammen“, weiß Thomas Gottheil, der lange bei einem auf E-Commerce-Plattform spezialisierten Dienstleister gearbeitet hat. Mit seinem Start-up will er viele der bislang händischen Arbeiten automatisieren.

Gegründet vor knapp zwei Jahren, versteht sich Frontastic als „Frontend Management Plattform“: Dank der Cloud-Software sollen Unternehmen ohne ausgeprägtes IT-Know-how dennoch individuelle Online-Auftritte gestalten – und jederzeit umstellen – können. Kern der Software ist eine Art Homepage-Editor, bei dem sich Elemente per Drag & Drop an die gewünschte Stelle ziehen lassen und in dem Inhalte bearbeitet werden können. Externe Agenturen oder unternehmenseigene Entwickler können bei Bedarf neue Module auf derselben Plattform entwickeln.

 Apollo Optik unter den Referenzkunden

„Der Trend geht zu einer Trennung von Backend- und Frontendsystemen“, ist Gottheil überzeugt. Heißt: Programme, die im Hintergrund arbeiten, bringen nicht automatisch auch Oberflächen mit, die hinterher auf einer Webseite sichtbar wären. Stattdessen greifen Anbieter wie Frontastic die Daten über Schnittstellen ab und konzentrieren sich darauf, diese auf Computern, Smartphones und andere Geräte ansprechend darzustellen. Derzeit unterstützt das Start-up knapp zehn Backend-Systeme, darunter Commercetools, Spryker, Shopware und Shopify.

Von dem Konzept hat das noch junge Unternehmen bereits namhafte Kunden gewinnen können – darunter Apollo Optik, Universal Music Deutschland, den Luxusuhren-Marktplatz Chronext und das Familienunternehmen Prym. Auch bei Investoren kommt das Konzept an: Wie das Start-up kürzlich mitteilte, hat es in einer Finanzierungsrunde 1,8 Millionen Euro eingesammelt. Lead-Investor war demnach Reimann Investors, beteiligt waren zudem die NRW-Bank, die Unternehmerin Ulrike Müller und die Wagniskapitalgesellschaft Ventech.

Team ohne gemeinsames Büro

Gewöhnungsbedürftig für die Investoren: Frontastic ist zwar als GmbH in Münster angemeldet – Büros des Start-ups findet man dort aber nicht. Jeder der aktuell 16 Teammitglieder arbeitet von einem anderen Standort aus. So gibt es Mitarbeiter in Spanien, Irland und Belgien. Digitale Tools wie Slack und regelmäßige Teamtreffen sollen dafür sorgen, dass die Zusammenarbeit dennoch gelingt. „Durch die konsequente Ausrichtung auf Remote-Work fällt es uns leichter, Mitarbeiter für uns zu gewinnen“, sagt Gottheil, der selbst von Berlin aus arbeitet.

Bis Ende des kommenden Jahres soll sowohl die Zahl der Mitarbeiter als auch die der großen Kunden auf 30 wachsen. Ein Entwicklungsschwerpunkt derzeit: Unternehmen sollen ein Abo für die Software online und in Eigenregie abschließen können – bisher geschieht das noch manuell. Außerdem will Gottheil neue Kundengruppen erschließen: „Unser System ist nicht auf E-Commerce beschränkt. Denkbar ist es, in andere Segmente wie Dokumentenmanagement vorzudringen.“

Vom boomenden E-Commerce-Segment wollen auch eine Reihe anderer Software-Start-ups profitieren. So will Odoscope aus Köln Shop-Betreibern dabei helfen, Besuchern auf Webseiten möglichst personalisierte Inhalte anzuzeigen. Als flexibles, modular aufgebautes Shopsystem hat sich Spryker einen Namen gemacht. Das Steirer Start-ups Niceshops wiederum stellt für über 40 Online-Shops die technische Plattform.