Zenjob vermittelt studentische Aushilfskräfte per App an Unternehmen. Die Pandemie ließ die Nachfrage steigen – bis hin zu einer vorzeitigen Expansion. 

Das Berliner Start-up vermittelt studentische Aushilfskräfte per App an große und mittelständische Unternehmen. Mitte Mai sammelten die Gründer 27 Millionen Euro ein mit dem Ziel, deutschlandweit zu expandieren. Warum die Corona-Krise diesen Schritt überraschend schnell vorangetrieben hat und welche Zukunftspläne Zenjob hat, erklärt Co-Gründer Fritz Trott im Interview. 

Herr Trott, haben Sie als Student gearbeitet?
Ja. Eines Tages brauchte ich dringend Geld und beschloss mir spontan einen Nebenjob zu suchen – Nachtportier in einem Hotel erschien mir perfekt. Ich bin einfach in ein Hotel reinmarschiert und habe mich dort vorgestellt.Eigentlich brauchte man keinen neuen Kollegen, aber weil ich hartnäckig nachgefragt habe, bot mir der Manager an als Aushilfe anzufangen.

Sie haben die Stelle bekommen, weil Sie Einsatz und Eigeninitiative gezeigt haben. Mit Zenjob nehmen Sie den Studierenden genau diese Vorarbeit zu einem Großteil ab – Sie übernehmen den Kontakt zu den Unternehmen, besorgen also die Jobs und die Studenten können zuschlagen, wenn sie möchten. Sie müssen dafür nur ihre App öffnen. 
Einen gewissen Einsatz müssen die Studierenden schon zeigen, weil sie ja auf die Angebote, die sie von uns bekommen und die zu ihrem Profil und der Region passen, in der sie leben, reagieren müssen. Sie müssen sich aktiv zurückmelden und wir suchen die passenden Mitarbeiter aus. Und für manche Jobs müssen sie vorab Leistungen erbringen,etwa eine Kassiererschulung absolvieren oder ein Hygienezertifikat erlangen. Aber es stimmt, dass wir die Studierenden an die Hand nehmen. Das hätte es früher natürlich so nicht gegeben.

Studien haben gezeigt, dass vielen jungen Menschen Flexibilität wichtiger ist als die Bezahlung.
Das ist auch unsere Erfahrung. Junge Leute sind heute gewohnt die große Auswahl zu haben und sich nicht festlegen zu müssen. Als wir 2014 an den Start gegangen sind, waren Apps wie Netflix, Tinder und Co populär, also Angebote, die Flexibilität versprechen. Die Studierenden wollen die Kontrolle über das, was sie machen – das gilt auch für die Jobs, die sie sich aussuchen. Es gibt aber auch Fälle, in denen eine langfristige Bindung aus den Nebenjobs entsteht – etwa wenn ein Student als Kassierer im Supermarkt arbeitet und sich dort beweist und einen Platz im Traineeprogramm angeboten bekommt.

Sie stehen für Flexibilität – doch hat das nicht auch einen Nachteil? Fühlen sich Studierende möglicherweise nicht mehr verpflichtet, Ihren Job gut auszuüben, weil Sie wissen, dass Sie in der kommenden Woche ohnehin wieder bei einem anderen Unternehmen beschäftigt sein werden?
Solche Studierende gibt es sicherlich. Ich erlebe immer wieder, dass es Leute gibt, die nach drei Mal kellnern das Handtuch werfen, weil es ihnen zu anstrengend ist. Das wirft natürlich ein schlechtes Licht auf unser Unternehmen, darum hat man keine Chance, wenn man so denkt.

Wie gewährleisten Sie das?
Wir haben ein sogenanntes Strike-System entwickelt. Wer für einen Job zugesagt hat und absagt, bekommt eine Verwarnung. 

Und wer unentschuldigt fehlt?
Der fliegt raus.

Sie geben heute bekannt, dass Sie ihren Service früher als geplant ausweiten und in ingesamt 60 Städten anbieten. Trotz Corona?
Gerade wegen Corona. Die Pandemie hat die Nachfrage zwar in einigen Branchen, etwa dem Event-oder Messe-Bereich, komplett einbrechen lassen, doch in anderen Gebieten wie Logistik und E-Commerce ist der Bedarf an Mitarbeitern stark gestiegen. Wir haben in den vergangenen Wochen mehr Nachfragen von Unternehmen bekommen und die Zahl der Studierenden, die sich bei uns anmelden, ist ebenfalls stark gestiegen – es registrierten sich etwa 500 neue Studis pro Woche, vorher war es die Hälfte.

War Covid-19 somit für Sie ein Vorteil?
Auch wenn das furchtbar klingt, für unser Geschäftsmodell ist Corona ein Beschleuniger, ja. Die Akzeptanz für unser digitales Geschäftsmodell ist bei den Unternehmen hierzulande gestiegen und davon profitieren wir. Immer mehr Firmen wollen schnell und unkompliziert auf Aushilfen zurückgreifen. Warum sollen sie fünf unterschiedliche Zeitarbeitsfirmen anrufen, wenn sie bei uns mit einem Klick über unser Buchungsportal zehn Aushilfen anfragen können, die sie in der kommenden Woche für einige Tage brauchen?

Apropos Zeitarbeitsfirma – was unterscheidet Zenjob eigentlich von diesen? Was machen Sie besser?
Die meisten Zeitarbeitsfirmen arbeiten noch wie in den 80er Jahren – auf Papier und am Telefon. Sie haben die Digitalisierung verschlafen. Wenn man rekrutiert wie vor 20 Jahren, kommt man mit vielen Talenten nicht in Kontakt. Und das Wichtigste: Wir zahlen einen internen Mindestlohn von mindestens 11 Euro auf den wir sehr stolz sind und mit dem wir zeigen wollen, dass wir unsere Mitarbeiter nicht ausnutzen – ein Vorwurf, den Zeitarbeitsfirmen oft zu hören bekommen.

Mit der Spezialisierung auf Studierende schließen sie andere Gruppen, die ebenfalls Jobs suchen, aus. Ist das nicht elitär?
Als wir 2015 an den Start gingen, haben wir uns das tatsächlich anders vorgestellt. Wir wollten ein Anbieter für alle Menschen auf der Suche nach Aushilfsjobs sein. Die Realität hat uns aber gezeigt, dass Studis die unkomplizierteste Gruppe sind. Schüler brauchen einen Nachweis, das sie volljährig sind und wir müssen nachprüfen, ob dieser nicht gefälscht ist. Hausleute sind oft weniger flexibel, weil sie noch andere Verpflichtungen haben und Rentner haben nach wie vor häufig nicht die technischen Fähigkeiten, um eine App zu nutzen. Mittelfristig können wir uns aber vorstellen diesen Fokus aufzuheben und auch andere Gruppen anzusprechen.

Welche Zukunftspläne haben Sie sonst noch für Zenjob?
Wir wollen die Arbeitswelt durch Technologie verbessern. Wir haben einen großen Pool an fähigen Studierenden, deren Know-How, Erfahrung und Motivation wir verlieren, wenn sie sich an der Hochschule exmatrikulieren. Das ist sehr schade und daher entwickeln wir unser Produkt weiter: So wird Zenjob Mitarbeiter bald auch bei der Suche nach ihrer ersten Stelle begleiten und sie mit unseren Partner-Unternehmen in Kontakt bringen.

Herr Trott, danke für das Gespräch.