Das Start-up startet mit der Wohnmobilvermietung – will sich aber in der Boombranche vorarbeiten. Vorbild könnte Flixbus sein. Dessen Gründer investieren nun.

Das Geschäft mit Wohnmobil, Wohnwagen und Campingplatz boomt: 14,8 Milliarden Euro Umsatz vermeldete die Campingbranche bereits für 2019 – ein Plus von fast 18 Prozent im Vergleich zum Jahr 2016. Und das Corona-Jahr könnte dafür sorgen, dass sowohl der Urlaub mit den rollenden eigenen vier Wänden als auch deutsche Ziele nochmals an Bedeutung gewinnen. Wenn auch die Urlaubsart an sich mit sehr analogen Erlebnissen verbunden wird – die Planung wird digitaler.

Von München aus will sich nun das Start-up FreewayCamper in den Markt vorarbeiten. Gerade geht die erste Saison des Ende 2019 gegründeten Unternehmens zu Ende. 30 eigene Wohnmobile vermietete das junge Unternehmen über seine Homepage. Doch das soll erst der Anfang sein: „Unser Ziel ist nicht die Wohnmobilvermietung allein“, sagt Mitgründer Nikolai Voitiouk-Blum, „wir wollen eine Camping-Plattform werden, die als Anlaufstelle für Neulinge und auch erfahrene Urlauber dient und möglichst viele Bedarfe in diesem Bereich abdeckt““.

Von der Vermietung zur Camping-Plattform

Die Idee: Durch die ersten Erfahrungen mit der Vermietung am Hauptsitz München konnte man schnell lernen, worauf es den Nutzern ankommt. Ein paar Stationen sollen zur nächsten Saison dazukommen. Darüber hinaus will FreewayCamper aber auch ab dem Jahresende eine digitale Platzbuchung anbieten. Nach und nach könnte die Seite dann Ausflüge entlang der Urlaubsrouten vermitteln oder bei der Planung der Touren helfen. „Wir bevorzugen es eher, auch traditionelle Unternehmen in die Digitalisierung mitzunehmen“, sagt Voitiouk-Blum.

Mit so einem Plattform-Ansatz ist das Start-up mit aktuell etwa zehn Mitarbeitern näher dran an der Strategie, die ihre ersten Geldgeber groß gemacht haben. Bei FreewayCamper steigt nun SEK Ventures mit einer nicht genannten Summe ein. Dahinter steckt Kapital der Flixbus-Gründer. Man freue sich, „über das Investment den Fortschritt im boomenden Campingmarkt voranzutreiben“, sagt der Mitgründer des Fernbusanbieters, André Schwämmlein. Die Beziehungen sind eng: Voitiouk-Blum baute vor der FreewayCamper-Gründung unter anderem das Osteuropa-Geschäft bei Flixbus auf.

Digitaler Wettbewerb um die Camping-Touristen

Trotz der prominenten Unterstützung wartet auf das Start-up nun ein harter Wettbewerb. Zum einen muss der zersplitterte Markt, insbesondere bei den Destinationen, erst einmal auf die Plattform gebracht werden. „Da muss man im Zweifel jeden Campingplatz einzeln anfahren und überzeugen“, weiß Voitiouk-Blum.

Zum anderen sind einige Anbieter in dem Markt bereits mit etwas Vorsprung losgefahren. Auf das Sharing von Wohnmobilen setzt das Berliner Start-up PaulCamper – und konnte im vergangenen Jahr sieben Millionen Euro einsammeln. Andere professionelle Vermieter haben ihre Buchungsprozesse ins Digitale gebracht, bei Suchanfragen zu „Wohnmobil mieten“ konkurrieren in jeder Stadt mehrere bezahlte Google-Anzeigen um Aufmerksamkeit.

Zudem hat der Platzhirsch ADAC im vergangenen Jahr ein eigenes Start-up gegründet, dass die Campingplatzbuchung vereinfachen soll. Auch hier gibt es bereits mehrere Konkurrenten. Mit dem bereits etablierten Wohnwagenverleih hat der Automobilklub aber am ehesten die Chance, sich schnell zu einer umfassenden Plattform für Camping-Urlauber aufzuschwingen. FreewayCamper-Gründer Voitiouk-Blum ist trotzdem optimistisch: „Ich sehe keinen digitalen Player, den wir nicht ein- oder überholen können“.