Die Forschungsgesellschaft will mehr Ideen in Start-ups verwandeln. Ein neu aufgestellter Company Builder und ein frisch gefüllter Fonds sollen dabei helfen.

100 neugierige Wissenschaftler, vier Tage Zeit – und schlussendlich mehr als 20 vielversprechende Start-up-Ideen: Diese Bilanz zieht die für Ausgründungen und Beteiligungen zuständige Abteilung der Fraunhofer-Gesellschaft nach einem ersten Seminar für gründungswillige Forscher. Ende Februar hatte der Forschungsverbund ein neues Company-Building-Programm gestartet: Unter dem Namen „Ahead“ sollen vielversprechende Forschungsprojekte zukünftig systematisch in eine Ausgründung begleitet werden.

Ideen des ersten Bootcamps: Künstlicher Intelligenz, Industrie 4.0, digitaler Medizin, Energiespeichersystemen und neuen Werkstoffen. Auf das viertägige Seminar folgt eine sechsmonatige Phase, in der sich Team und Technologietransfer finden sollen – und dann bis zu eineinhalb Jahre, in dem ein erstes Produkt für den Markt entwickelt werden soll. Bis dorthin sollen die Teams finanziell intern unterstützt werden.

EU-Förderung für Wissenschaftler

Kapital im Anschluss soll für die gründungswilligen Wissenschaftler zukünftig ebenfalls leichter verfügbar sein: Ende Februar verkündete die Fraunhofer-Gesellschaft die Gründung des Tech Transfer Fund. In einer frühen Phase will der neue Fonds bis zu 250.000 Euro an Startkapital bereitstellen, in späteren Finanzierungsrunden sind bis zu fünf Millionen Euro Investment möglich.

Gemeinsam mit dem Europäischen Investitionsfonds und Mitteln der EU-Kommission sollen 60 Millionen Euro bereitgestellt werden, um „das geistige Eigentum“  der 72 Fraunhofer-Einrichtungen zu vermarkten. „Der neue Technologietransferfonds wird deutschen Forschern helfen, die Ergebnisse ihrer Arbeit in den Markt einzuführen und die deutsche Industrie noch innovativer und wettbewerbsfähiger zu machen“, sagte der zuständige EU-Kommissar Carlos Moedas zum Auftakt.

Kooperationen mit der Industrie gehören dazu

Neben dem neu geschaffenen Fonds setzt der Company Builder der Fraunhofer-Gesellschaft jedoch auch auf die Zusammenarbeit mit 150 weiteren Risikokapitalgesellschaften und Investoren. Durch die oft hochspezialisierte und anwendungsorientierte Forschung der verschiedenen Einrichtungen blicken oft auch Konzerne und Mittelständler neugierig auf die Ideen der Wissenschaftler.

Das Silizium-Start-up NexWafe, das aus dem Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme entstanden ist, holte vor gut einem Jahr etwa den staatlichen Energiekonzern aus Saudi-Arabien als Gesellschafter an Bord. Drag&bot, die die Inbetriebnahme von Industrierobotern vereinfachen wollen, erhielt nach der Ausgründung aus dem Institut für Produktionstechnik und Automatisierung  eine siebenstellige Finanzierung von Speedinvest. Seit der Gründung im Jahr 1999 will die Abteilung Fraunhofer Venture bereits mehr als 500 Start-ups bei der Ausgründung begleitet haben.