Das Start-up sammelt mehr als zwölf Millionen Euro ein, angeführt von der Commerzbank. Damit will das junge Unternehmen weltweit Online-Händler erreichen.

Die Zahlen sind gigantisch:Auf mehr als vier Billionen Dollar könnte das Volumen des Online-Handels demnächst anschwellen, mehr als 30 Milliarden Dollar könnten der Schaden durch falsche und betrügerische Käufer weltweit betragen. Jetzt legt das in Berlin ansässige Start-up Fraugster, welches eine Software zum Erkennen verdächtiger Transaktionen entwickelt, mit eigenen Zahlen nach: Mehr als zwölf Millionen Euro sammelt das junge Unternehmen in einer aktuellen Finanzierungsrunde ein.

Die aktuelle Runde wird dabei angeführt von CommerzVenture, einer Beteiligungsgesellschaft der deutschen Commerzbank. Auch vorherige Gesellschafter, darunter die Risikokapitalgeber Earlybird, Speedinvest, Seedcamp und Rancilio Cube beteiligen sich an der Runde. Ebenso mit dabei ist HSB Ventures, eine Tochter der Rückversicherungskonzerns Munich Re. Der Versicherer garantiert Kunden von Fraugster, dass der Software keine betrügerischen Transaktionen entgehen.

KI gegen betrügerische Kunden

Das Start-up arbeitet dabei aktuell für Zahlungsdienstleister wie Ingenico E-Payment oder das Schweizer Unternehmen Six Payments und dockt sich an deren Prozesse an: Nach einem Kauf untersucht der Algorithmus den Vorgang des Kunden und gibt eine Rückmeldung, ob es sich um eine verdächtige Transaktion handeln könnte. Dabei sollen 2500 Datenpunkte ausgewertet werden. Technisch setzt Fraugster auf eine sogenannte In-Memory-Datenbank, bei der die Berechnungen in einem Arbeitsspeicher durchgeführt werden – und so laut eigener Aussage in Echtzeit Auskunft geben sollen.

Bei der aufwändigen Kontrolle mithilfe künstlicher Intelligenz geht es nicht nur um betrügerische Transaktionen, die das System verhindern soll. Nach eigenen Angaben wolle man mit der Software generell weniger Transaktionen vorläufig oder endgültig blockieren – solche falschen Sperrungen verärgern den Kunden und halten ihn vom weiteren Einkauf ab.

Die aktuelle Finanzierung will das 2014 von Max Laemmle und Chen Zamir gegründet Fraugster nutzen, um schnell global zu wachsen – Europa, Asien und die USA stehen parallel auf der Agenda. Das Handelsgeschäft ist global und die Konkurrenz schläft nicht: In diesem Sommer erhielt etwa das in Singapur gegründete Start-up Cashshield knapp 18 Millionen Euro Risikokapital – laut Techcrunch nutzen unter anderem die Online-Händler Alibaba und Razer das Tool. Paypal übernahm ebenfalls in diesem Sommer das KI-Betrugsanalyse-Start-up Simility für mehr als 100 Millionen Euro.