Auch 2015 waren Frauen in der Start-up-Szene unterrepräsentiert. Zeit, dass sich das ändert: Wir haben exemplarisch neun Gründerinnen ausgewählt, die dieses Jahr besonders geprägt haben.

Frauen sind unterrepräsentiert in der Start-up-Szene? Stimmt. Laut einer Studie des Deutschen Start-up Monitors hat sich der Anteil der Gründerinnen zwar in diesem Jahr leicht erhöht, aber das ist eine Steigerung von zehn Prozent auf 13 Prozent – immer noch ein geringer Anteil.

Dabei hänge Gründungserfolg nicht vom Geschlecht ab, sondern vom funktionierenden Geschäftsmodell, sagt Juniqe-Gründerin Lea Lange. „Wichtig ist, ein Vorbild für andere Frauen zu sein – sie zu ermutigen, ihre Leidenschaft zum Beruf werden zu lassen und ihre Geschäftsideen umzusetzen.“ Der Unternehmensaufbau seien generell hart – egal ob dieser von einer Gründerin oder einem Gründer verwirklicht werden.

Geschäftsideen umgesetzt und Investoren überzeugt haben 2015 einige Gründerinnen – und damit einen bleibenden Eindruck hinterlassen: Ida Tin ist mit iher App Clue „Female Web Entrepreneuer of the Year” geworden, große Finanzierungsrunden ermöglichen Anna Alex und Julia Bösch mit ihrem Berliner Mode-Start-up Outfittery eine europaweite Expansion und Lea-Sophie Cramer und Franziska von Hardenberg haben ein Tabu-Thema auf die Tagesordnung gesetzt. Die Gründerinnen des Jahres auf einen Blick.

Ida Tin. (Foto: PR/Clue)

Ida Tin.
(Foto: PR/Clue)

Die Dänin Ida Tin ist Mitgründerin der App Clue, die Nutzerinnen dabei hilft, ihren Zyklus, ihre Reproduktion und ihre Gesundheit genau zu beobachten. Die App wurde 2013 gegründet und hat weltweit mehr als zwei Millionen User.

Chefin Ida Tin wurde zur „Female Web Entrepreneuer of the Year 2015” in Europa gewählt und findet, dass man durch Technologie eine ganz neue Möglichkeit hat, die eigene Gesundheit zu beobachten und zu kontrollieren. Im Oktober sind zwei Investoren mit sieben Millionen Dollar eingestiegen, darunter Twitter-Investor Union Square Ventures.

Patricia Moubarak. (Foto: PR/Nestpick)

Patricia Moubarak.
(Foto: PR/Nestpick)

Das Rocket-Start-up Nestpick lebt von einer simplen Idee: Auf einer Online-Plattform werden potenzielle Mieter und Vermieter verifzierter Wohnungen zusammengeführt. Patricia Moubarak ist Mitgründerin und Managerin von Nestpick. Sie wurde im Dezember 2014 in das junge Start-up geholt, um das Wachstum und die Expansion in weitere Länder voranzutreiben. Zuvor hatte sie Erfahrung als Global Managing Director bei Rockets Lieferdienst Foodpanda gesammelt. Erst im November hat Nestpick elf Millionen US-Dollar von Rocket, kürzlich folgte eine siebenstellige Summe weiterer Investoren.

Franziska von Hardenberg und Lea Cramer. (Foto: Hegemann)

Franziska von Hardenberg und Lea-Sophie Cramer.
(Foto: Hegemann)

Dass sich Gründer oder auch Gründerinnen Start-up-übergreifend zusammentun, ist eher selten. Franziska von Hardenberg, Gründerin von Bloomy Days, und Amorelie-Gründerin Lea-Sophie Cramer haben diesen Schritt in diesem Jahr gewagt – und in einem gemeinsamen Interview ein Thema auf die Tagesordnung gesetzt, das die Start-up-Szene bislang eher ignoriert hat: Gründerinnen und Schwangerschaft.

Im Gespräch mit WiWo Gründer haben sie erzählt, warum sie auch nach der Geburt weiter arbeiten wollen, wie sie sich das vorstellen und welche Probleme gerade für Gründerinnen in kleineren Unternehmen lauern. „Es kann doch nicht sein, dass eine selbstständige Mutter anders behandelt wird als eine in einem Angestelltenverhältnis“, kritisierte etwa von Hardenberg. Bisher sei die Mentalität: ‚Trotz Kind bin ich Vollzeit-Unternehmerin. Und ihr merkt das gar nicht, dass ich ein Kind habe.‘ Doch: „Wir wollen das nicht verheimlichen oder uns so verhalten, als hätten wir kein Kind“, sagte Cramer.

Wenn mehr Frauen gründen sollen, dann sind das Themen, die für die Zukunft diskutiert werden müssen. Cramer und von Hardenberg haben mit ihrem gemeinsamen Appell den Startschuss dafür abgegeben.

Anna Alex und Julia Bösch. (Foto: PR/Outfittery)

Anna Alex und Julia Bösch.
(Foto: PR/Outfittery)

Die Gründerinnen vom Mode-Start-up Outfittery, Anna Alex und Julia Bösch, wollen Männern das Shoppen erleichtern. Auf Outfittery können sie sich Kleidungspakete nach Hause schicken lassen, die für sie nach einem Telefonat mit dem Stylisten ausgewählt werden. „Kunden wollen keine Nummer im System sein, sondern als Menschen verstanden werden“, sagt Gründerin Julia Bösch.

Das Konzept soll den Kunden Shoppingstress ersparen und nebenbei eine besonders individuell Stil-Beratung bieten – ein von mehr als 200.000 Kunden angenommenes Angebot seit der Gründung 2012. Zum 13-Millionen-Euro-Investor Highland Capital Partners, einem US-Risikokapitalgeber, gesellte sich im Februar 2015 Spotify-Investor Northzone Capital mit 20 Millionen US-Dollar.

Lea Lange. (Foto: Jennifer Fey Photogtaphy, Business Portrait, Berlin)

Lea Lange.
(Foto: Jennifer Fey Photogtaphy, Business Portrait, Berlin)

Arbeiten junger Künstler im Netz anbieten, die bezahlbar sind – das war die Idee, die Lea Lange zur Gründerin machte. Zusammen mit Sebastian Hasebrink und Marc Pohl gründete sie im Dezember 2013 den Online-Shop Juniqe, eine Galerie mit den Werken ausgewählter Künstler. Die zündende Idee kam Lea Lange, als sie ihre eigene Wohnung einrichtete, günstige Möbel und Dekorations-Stücke kaufen konnte, aber keine erschwinglichen Kunstwerke fand. Für sie war klar: Die Lücke im Markt muss gefüllt werden.

Das Unternehmen lief so vielversprechend an, dass schon fünf Monate nach dem Launch Geldgeber einen siebenstelligen Betrag investierten. Im Jahr 2015 konnte Juniqe ein Umsatzwachstum von mehr als 500 Prozent im Vergleich zu 2014 erzielen.

Verena Hubertz und Mengting Gao. (Foto: PR/Kitchen Stories)

Verena Hubertz und Mengting Gao.
(Foto: PR/Kitchen Stories)

Mengting Gao und Verena Hubertz haben die Koch-App Kitchen Stories gegründet, denn sie sind überzeugt davon, dass jeder kochen kann. Zumindest mit der richtigen App. Kitchen Stories bietet mit Videos und Fotos die Anleitung zum Kochen alltagstauglicher Gerichte, die für Kochneulinge, aber auch Profis geeignet sind.

Seit diesem Jahr bietet die App außerdem eine Community, in der man Rezepte und Koch-Tipps austauschen kann. Eine Einkaufsliste, ein Mengenrechner und ein Küchenlexikon sollen das entspannte Kocherlebnis abrunden. Die App hat es im Gründungsjahr 2014 in die Top-Auswahl im App-Store geschafft und Investoren wie Bertelsmann Ditital Media Investments überzeugen können.