Dass viele Franchiseinteressenten wirtschaftlich offenbar eher blauäugig an die Gründung gehen, liegt laut Anwalt Matzek daran, dass sie sich nicht wirklich als selbstständigen Unternehmer sehen. „Oft sind Menschen an Franchise interessiert, die eigentlich als Angestellter besser aufgehoben sind.“

Franchise ist nichts für Kreative

Tatsächlich haben Franchise-Nehmer nur wenig unternehmerischen Spielraum. Lieferanten, Einrichtung, Kleidung, Marketingmaßnahmen – fast alles ist im Vertrag festgeschrieben. Das bedeutet auch fixe Investitionskosten am Anfang. Nur genaue Preisvorgaben darf der Franchisegeber nicht machen. Für kreative Freigeister ist Franchising also nichts.

Gerade in wirtschaftlich weniger guten Phasen ist der geringe Spielraum problematisch. „Der einzige Bereich, in dem der Franchisenehmer noch unternehmerische Freiheiten hat, ist die Personalpolitik“, beklagen Gewerkschaften. Daher seien die Löhne der 280 000 Festangestellten und 406 000 geringfügig Beschäftigten, die in Franchisesystemen arbeiten, oft zu gering. „Flächendeckend nach Tarifvertrag bezahlen wäre aus unserer Sicht selbstverständlich ideal, aber das macht aktuell nur McDonalds“, sagt Guido Zeitler von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten  (NGG).

Der Franchiseverband hält zu geringe Löhne hingegen für Einzelfälle. Einig sind sich beide Seiten – Verband und Gewerkschaften – darin, dass Franchisegeber im Interesse des eigenen Markenimages daran gelegen sein sollte, dass alle Betriebe ethisch einwandfrei arbeiten. „Welche Brisanz hinter ethischem Fehlverhalten von Franchisenehmern steckt, wird schnell am Beispiel Burger King klar“, meint Gewerkschaftler Zeitler.

Vertraglich vorschreiben könnten Franchisegeber den Nehmern nicht, sich in Arbeitgeberorganisationen zu organisieren und nach Tarif zu bezahlen. Aber man könne sich durchaus beidseitig verpflichten, gewisse soziale Standards einzuhalten. „Dann sind die Franchisegeber selbstverständlich auch in der Verantwortung, in den Verträgen so viel Luft zu lassen, dass die Nehmer an anderen Stellen sparen können“, so Zeitler.