Ein Recht auf Einsicht in die Buchführung des Franchisegebers gibt es nicht. „Daher muss jeder Gründungsinteressent eine eigene Marktanalyse machen und einen Businessplan schreiben“, mahnt Anwalt Matzek. Klingt selbstverständlich, ist es aber offenbar nicht. Wie viele Döner oder Fruchtcocktails muss ich verkaufen, damit es sich rentiert? Wie viele Konkurrenten gibt es in der Nähe? Ist die Höhe der Franchisegebühr bei gegebener Marge machbar? Und läuft der Vertrag lang genug, um mindestens die Anfangsinvestitionen wieder rauszubekommen? Diese Fragen würden sich viele vorher nicht stellen, meint Matzek. „Franchisenehmer scheitern daher manchmal grandios mit mehreren 100 000 Schulden. Familie beliehen, Freunde beliehen, Ehefrau weg“, sagt Matzek.

Insolvenzverwalter Peter Neu, Fachanwalt für Insolvenzrecht, bestätigt diese Einschätzung: „Viele Franchisenehmer sind nicht ausreichend betriebswirtschaftlich qualifiziert und machen sich zu wenig Gedanken.“ Wenn ein Franchise in einer Großstadt in Top-Lage gut funktioniere, heiße das noch lange nicht, dass es auch an anderen Standorten lukrativ ist.

Vertraglich einfach, betriebswirtschaftlich schwierig

Gerade über Steueraspekte würde manch ein Gründer nicht direkt nachdenken. „Es fließt eben nicht alles, was in der Kasse ist, in die eigene Tasche.“ Für Franchisenehmer ist es laut Anwalt Neu sogar wichtiger von Anfang an einen Steuerberater zu Rate zu ziehen als einen Anwalt – was aus dem Mund eines Anwaltes besonders glaubwürdig klingt. „Bei der Wahl des Steuerberaters darf man sich aber nicht auf die Vorschläge der Franchisegebers verlassen“, meint Neu. Die vorgeschlagenen Berater hätten eventuell eher die Interessen des Gebers im Blick.

Einen Anwalt sollten Franchise-Interessenten ebenfalls einbeziehen, aber die Verträge sind in Deutschland tatsächlich eher einfach gestrickt. Zwar sind sie nicht gesetzlich geregelt, aber am Markt haben sich durch die Rechtsprechung über die Jahre Standardverträge entwickelt und etabliert.