Ab heute können sich Gründer bei der Founders Foundation bewerben. Sebastian Borek erklärt, warum es sich für Jungunternehmer lohnt.

Die Founders Foundation nimmt insgesamt 20 Gründer auf. In einem Co-Working-Space können sie sechs Monate lang an ihren Geschäftsideen feilen und Kontakte in der Region Ostwestfalen-Lippe knüpfen. Dabei werden sie von erfahrenen Mentoren betreut. Der erste Jahrgang startet im September. Die Founders Foundation wird finanziert von der Bertelsmann Stiftung, die in den nächsten fünf Jahren bis zu 17 Millionen Euro in das Projekt investieren will. Neben Bielefeld soll es bald weitere Standorte in Paderborn, Gütersloh, Lemgo und Herford geben. Sebastian Borek, 41, leitet das Projekt. Der Wahlbielefelder hat jahrelang ein mittelständisches Unternehmen geführt, selbst mehrere Firmen mitaufgebaut und war zuletzt in Berlin als Start-up Coach bei Hitfox und als Angel Investor aktiv.

WirtschaftsWoche Gründer: Herr Borek, in Berlin, Hamburg oder München gibt es schon seit Jahren eine rege Start-up-Kultur. Warum sollten Gründer stattdessen in die Pampa ziehen?

Borek: Die Gründerkultur, die sich in den Großstädten entwickelt hat, ist bemerkenswert. Es wird allerdings oft so getan, als sei Gründen ausschließlich ein Metropolen-Thema und das stimmt nicht. Das ist doch gerade das Besondere an Deutschland: Es gibt über das ganze Land verteilt Industrie- und Forschungszentren, die Startups tolle Ressourcen bieten. Umgekehrt gilt: Nur weil ein Startup in Berlin sitzt, ist es noch nicht erfolgreich.

Was genau bietet die Founders Foundation?

Wir haben einen dreifachen Ansatz. Zum Einen wollen wir die Menschen in der Region für das Thema Startups sensibilisieren, etwa durch Diskussionsrunden, Pitches oder Treffen mit erfolgreichen Gründern. Dann bieten wir ein Trainingprogramm an, für Menschen, die mehr über das Gründen lernen wollen. An drei Wochenenden erklären ihnen Unternehmer und Experten, was man beim Weg in die Selbstständigkeit beachten muss und was eine tragfähige Geschäftsidee ausmacht. Das ist zum Herantasten. Und dann gibt es noch das sechsmonatige Inkubations-Camp: Das ist dann für die, die wirklich loslegen wollen mit ihrem Start-up.

Aber ausgerechnet in Bielefeld? Die Stadt existiert doch gar nicht…

Der alte Witz, ja. Die Region OWL wird meist völlig unterschätzt. Maschinenbau, Automobilzulieferer, Haushalts- und Agrartechnologie – wir sind in zahlreichen Branchen weltweit führend. Mit Unternehmen wie Claas, Hella und Miele sitzen hier zahlreiche große Firmen, die auch entsprechend Kapital mitbringen. Dazu kommen renommierte Forschungszentren wie das Fraunhofer Anwendungszentrum Industrial Automation, 13 Hochschulen und verschiedene Technologie-Netzwerke.

Ein wahres Eldorado für Start-ups – theoretisch zumindest. Die Frage ist: Kann ich als Gründer auf all diese Ressourcen zugreifen?

Borek: Ich denke, man kann ohne Übertreibung sagen, dass wir ihnen mit einem Anruf die Tür zu nahezu jedem großen Unternehmen öffnen können durch unser Netzwerk hier. Ich selbst lebe seit zehn Jahren in dieser Region und fühle mich hier verwurzelt. Natürlich braucht es Zeit, um die Menschen mit der Arbeitsweise eines Start-ups vertraut zu machen. Zum Beispiel, wenn man an Kooperationen zwischen Gründern und dem Mittelstand vor Ort denkt. In vielen  deutschen Firmen herrscht ein Ingenieurdenken alter Schule: Bevor ein Produkt nicht absolut perfekt ist, darf es nicht einmal in die Nähe des Kunden. Wir dagegen lehren: Nach jedem Entwicklungsschritt unbedingt erstmal Feedback von den Nutzern einholen. Da prallen zwei Denkweisen aufeinander. Wir werden deswegen regelmäßige Veranstaltungen mit Unternehmern und Gründer organisieren, um beiden Seiten die Scheu zu nehmen.

Reden wir über Geld. In OWL sitzen viele Unternehmerfamilien, die zwar Vermögen haben, in aller Regel aber konservativ anlegen. Wie wollen Sie diese Menschen für riskante Investitionen in Start-ups begeistern?

Viele Unternehmer sind durchaus daran interessiert, Wagniskapital zu geben. Ihnen fehlt es allerdings häufig an Wissen, wie man strukturiert in Start-ups investiert. Dass man zum Beispiel in mindestens zehn Unternehmen investieren sollte, um das Risiko klein zu halten, und nicht nur in eines, das einem zufällig ein Freund empfohlen hat. Dieses Wissen können wir in der Region vermitteln. Ein anderes Problem: Manche Unternehmer befürchten, dass sie sich damit ihre eigene Konkurrenz heranzüchten und fragen nach einem Vorkaufsrecht oder gewissen Mitspracherechten. So können sie Innovationen sogar für ihre eigene Firmen nutzen, wenn Gründer das wollen.

Aber was ist das Alleinstellungsmerkmal der Founders Foundation?

Unser Ausbildungsmodell ist nicht-kommerziell, das heißt Gründer müssen keine Anteile abgeben. Zudem setzen wir auf die Stärken dieser Region im Bereich Internet of Things und Industrie 4.0. Unser erster Jahrgang des Founders Camp ist noch gemischt, mit Gründern aus allen Branchen, aber mit der Zeit wollen wir einen stärkeren Fokus auf diesen Schwerpunkt legen. Im Moment konzentriert sich der Start-up-Hype in Deutschland auf wenige Bereiche: Service-Plattformen nach dem AirBnB-Vorbild, FinTech und E-Commerce zum Beispiel. Mindestens ebenso wichtig ist es, dass wir die Digitalisierung der Industrie vorantreiben. Dort steckt ein riesiges Potenzial an Wertschöpfung, zu dem die Amerikaner noch keinen vergleichbaren Zugang haben. In OWL wird die Industrie 4.0 seit Jahren gefördert, gerade erst hat die Region einen Preis bei der Hannover Messe gewonnen. Für Startups ist das ein ideales Umfeld.

Laut dem Deutschen Start-up Monitor 2015 hatten nur 0,5 Prozent der neu gegründeten Startups einen Fokus auf Internet of Things. Wie wollen Sie das ändern?

Das ist natürlich viel zu wenig. Der Gründergeist in Deutschland ist schon sehr gewachsen, aber wir erreichen noch zu wenige Studierende aus technischen Studiengängen. Wir bilden tolle Techniker und tolle Ingenieure aus, aber oft fehlt ihnen das unternehmerische Denken, um ihre zum Teil sehr guten Ideen dann auch zu vermarkten. Die Founders Foundation wird daher eng mit den Hochschulen in der Region zusammenarbeiten. Außerdem wollen wir Young Professionals ansprechen, also Menschen, die schon einige Jahre Berufserfahrung gesammelt haben. Dabei können wir von unserer dezentralen Struktur profitieren: Bielefeld ist zum Beispiel bekannt für seinen Robotik-Schwerpunkt und das Exzellenz-Cluster für Kognitive Interaktionstechnologie, Paderborn für seine ITler. Wir wollen Menschen aus allen Standorten der Region vernetzen.