Gibt es abseits der Start-ups denn keine anderen Möglichkeiten, junge Menschen auszubilden?
In der Hochschullandschaft werden digitale Kompetenzen noch nicht ausreichend abgedeckt und genauso wenig in den Ausbildungsberufen. Natürlich könnte da die Länder ihren Ausbildungsauftrag erfüllen und entsprechende Angebote schaffen. Aber selbst wenn wir heute einen Studiengang in Online-Marketing einführen, sehen wir in drei bis vier Jahren die ersten Absolventen. Von daher sehe ich jetzt keine kurzfristigen Antworten darauf, außer eben die praktische Ausbildung in den Unternehmen zu forcieren.

… und das verhindert der Mindestlohn. Praktikanten müssen für ihre Arbeit entlohnt werden.
Ich persönlich habe Praktikanten immer bezahlt. Wir können es uns gar nicht leisten, Menschen schlecht zu bezahlen. Wir haben stark wachsende Märkte, das heißt, wir suchen sehr viele Mitarbeiter für unsere Start-ups und die müssen hoch qualifiziert sein. Und deshalb haben wir ein eigenes Interesse, selbst bei den Praktikanten, dass wir sie gut bezahlen. Trotzdem ist es das Unternehmen, das am Besten entscheiden kann, was marktüblich ist und auch angemessen im Hinblick auf die Investitionsleistung in die Ausbildung desjenigen.

Welche Rolle spielen die Praktikanten in den Start-ups?
Der Beitrag der Praktikanten ist gar nicht so groß. Es ist nicht das entscheidende, wie viele Praktikanten man hat. Sondern das wichtige ist tatsächlich, das man darüber zukünftige Mitarbeiter qualifiziert. Wir beschäftigen eigentlich nur jemanden als Praktikanten oder auch als Werksstudenten, wenn das Potential besteht, das der in absehbarer Zeit dann auch als potentieller Mitarbeiter zur Verfügung steht. Hier im Verband sind von zehn Mitarbeitern, glaube ich, vier auf diesem Wege zu uns gekommen. Das würde ich schon als signifikant bezeichnen.

Das Mindestlohngesetz kommt Ihren Forderungen teilweise ja sogar entgegen. Denn ursprünglich sollten nur die ersten sechs Wochen ausgenommen sein, nun sind es die ersten vier Monate, Sie hatten sechs Monate gefordert…
Das ist ein typischer unbrauchbarer Kompromiss, weil drei Monate nun mal nicht ausreichend sind. Die ersten vier Wochen gehen ja schon für die Einarbeitung drauf. Dann gibt es eine Investition in dem Sinne, dass der Praktikant ja etwas lernen will und soll und Dinge beigebracht bekommt. Das heißt, diese drei Monate sind schnell vorbei bevor der Praktikant als echte Unterstützung für das Unternehmen zur Verfügung stehen würde.

Sie würden also weiter daran festhalten, dass es eigentlich besser wäre, auch sechsmonatige Praktika vom Mindestlohn auszunehmen? Oder ist das Thema mit der Einführung des Mindestlohns abgeschlossen?
An unserer Meinung hat sich nichts geändert und wir artikulieren das auch weiterhin. Aber erst mal ist die Sache natürlich gegessen. Jetzt werden vier, fünf Jahre vergehen, und dann wird man merken, dass zu wenige Fachkräfte mit digitalen Kompetenzen zur Verfügung stehen. Dann wird man einen Schuldigen suchen. Ich bin gespannt, wo Frau Nahles, die das zu verantworten hat, dann ist.