Das Wormser Start-up vermittelt Ehrenämter per App. Das junge Unternehmen beweist, dass soziales Engagement und Wirtschaftlichkeit kein Widerspruch sein müssen. 

In Seniorenheimen vorlesen, Jugendliche im Sportverein trainieren oder nachmittags die Kinder der Nachbarin betreuen. Es gibt viele Arten sich ehrenamtlich zu engagieren und die Zahl der Deutschen, die sich in ihrer Freizeit für die Belange anderer einsetzt, ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen.

„In Deutschland engagieren sich über 30 Millionen Menschen ehrenamtlich, aber es könnten noch viel mehr sein”, sagt Philipp Klönhammer. „Den größten Willen zeigt dabei die junge Generation der Digital Natives, aber genau die werden von den Organisationen häufig nicht erreicht.”

Junge Menschen fürs Ehranamt aktivieren

Klönhammer hat darum zusammen mit Damian Belter und Frank Blasius das Start-up FlexHero gegründet, um die beiden Gruppen zusammenzubringen – möglichst schnell und unkompliziert. In einer Umfrage unter 500 jungen Menschen hatten die Gründer herausgefunden, dass Organisationen häufig eher altmodisch agieren und potentielle Ehrenämtler nicht dort abholen, wo sie sich informieren – nämlich im Internet. Auch dem Wunsch nach Flexibilität kämen die Organisationen nicht ausreichend nach, so Klönhammer: „Langfristige Verpflichtungen sind oftmals keine Option mehr. Im Ehrenamt gibt es zwar viele projektbasierte Stellen, diese werden jedoch meist nicht öffentlichkeitswirksam ausgeschrieben. Viele Organisationen haben noch nicht verstanden, dass diese Stellen besonders attraktiv für die Digital Natives sind.”

Mit FlexHero wollen die drei Wormser dieses Problem nun lösen. Über die Plattform sollen die Organisationen mit nur wenigen Klicks neue Mitarbeiter rekrutieren und koordinieren können. Und potentielle Ehrenamtler erhalten via App passende Angebote, die zu ihren eingestellten Interessensprofilen passen, und können sich direkt über ihr Smartphone bewerben.

Finanzierung von der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz

Für die Weiterentwicklung ihrer Idee hielten die Gründer nun eine Finanzierung von der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB), die sich über ihre Tochtergesellschaft, die Wagnisfinanzierungsgesellschaft für Technologieförderung in Rheinland-Pfalz (WFT), beteiligt.

Angaben zur Höhe des Investments wollte Philipp Klönhammer auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer nicht machen. Das Geld solle in das Wachstum und die Weiterentwicklung der Plattform fließen, sagt er. Bisher konnten sich das Unternehmen über das EXIST-Stipendium, Wettbewerbe und Eigenkapital finanzieren. „Leider sind ´Social Entrepreneure´ für traditionelle Venture Capital Gesellschaften und Business-Angels immer noch sehr unbekannt. Oftmals wird das Potenzial erfolgreicher Geschäftsmodelle im sozialen Bereich nicht gesehen“, so Philipp Klönhammer. Dabei müssten Wirtschaftlichkeit und sozialer Anspruch kein Widerspruch sein. Im Gegenteil. Das Geschäft entwickle sich durchaus positiv. Seit dem Launch Mitte Januar verzeichnen die Gründer eigenen Angaben zufolge über 3000 Downloads. Mehr als 1000 Ehrenamtliche sind bereits in Projekte eingebunden.

Geld verdienen über monatliche Abo-Gebühren

Geld verdient das Start-up über die monatlichen Abonnementgebühr, die die teilnehmenden Organisationen für die Nutzung des Service von FlexHero zahlen. Philipp Klönhammer und seine Mitgründer sehen in diesem Modell ein enormes Potential: „In Deutschland gibt es rund 57.000 ehrenamtliche Organisationen, die zum Teil mehrere hundert Ehrenamtliche engagieren.“ Das Berliner Start-up Vostel, das ebenfalls an der Vermittlung Ehrenamtlicher arbeitet, hat noch eine weitere Einnahmequelle für sich entdeckt: Die Gründerinnen Hanna Lutz und Stephanie Frost  unterstützen große Unternehmen bei der Planung und Durchführung ihrer Corporate Volunteering-Aktivitäten.